Prozessauftakt in Heilbronn gegen zwei Männer wegen Entführung ihres ehemaligen Arbeitgebers im Autokofferraum
Vor dem Landgericht Heilbronn hat am Montag der Prozess gegen zwei Männer im Alter von 21 und 24 Jahren begonnen. Ihnen wird vorgeworfen, ihren früheren Chef entführt und Konten geplündert zu haben – die Anklage lautet auf erpresserischen Menschenraub.
Der Überfall und die Entführung in Besigheim
Das Strafverfahren in Heilbronn befasst sich mit einer Entführung, die Mitte März in einem Gewerbegebiet in Besigheim im Landkreis Ludwigsburg stattfand. Zwei Männer im Alter von 21 und 24 Jahren sollen ihren 28-jährigen ehemaligen Arbeitgeber überfallen haben, als dieser sich durch das Gewerbegebiet bewegte. Die beiden Tatverdächtigen überwältigten den Unternehmer, fesselten ihn und zwangen ihn in den Kofferraum eines Pkw. Das Opfer blieb über Nacht eingeschlossen und gefesselt im Fahrzeug, während die Täter ihre Forderungen umsetzten. Zum Auftakt des Prozesses stellte das Gericht fest, dass unklar bleibe, ob ein früherer Arbeitsplatzkonflikt oder eine persönliche Auseinandersetzung zwischen dem Geschäftsmann und seinen ehemaligen Angestellten der Gewalttat vorausgegangen sei.
Erpressung von Zugangsdaten und betrügerische Bestellungen
Während sie den 28-Jährigen im Auto gefangen hielten, bedrohten ihn die beiden Angreifer mit Gewalt, um Zugang zu seinen Finanz- und persönlichen Konten zu erhalten. Unter diesem anhaltenden Druck gab das Opfer Sicherheitspasswörter für seinen Laptop, seine Mobiltelefone und seine Bankkarten preis. Die beiden Tatverdächtigen nutzten diese erlangten Zugangsdaten, um sofortige digitale Käufe zu tätigen und online Waren im Gesamtwert von mehr als 87.000 Euro zu bestellen. Nachdem sie die betrügerischen Bestellungen abgeschlossen und das Opfer die Nacht über gefesselt gehalten hatten, brachten sie den Mann in ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet außerhalb von Steinheim an der Murr. Am Morgen nach der Entführung ließen die Täter den 28-Jährigen an einem unbefestigten Feldweg zurück, wo er mit leichten körperlichen Verletzungen aufgefunden wurde.
Gezielte Festnahmen und der erweiterte Tatverdächtigenkreis
Die Entführung löste eine sofortige polizeiliche Untersuchung aus, die zu einem Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) führte. Die Einsatzkräfte nahmen die 21 und 24 Jahre alten Tatverdächtigen fest und setzten beide Anfang April in Untersuchungshaft. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen weiteten sich anschließend über die beiden Haupttäter hinaus aus, um ein breiteres Netzwerk mutmaßlicher Mittäter zu untersuchen. Im Juli wurden drei weitere Tatverdächtige im Rahmen der laufenden Ermittlungen in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass diese drei Personen zwar nicht unmittelbar an der körperlichen Entführung und Gefangenhaltung in Besigheim beteiligt gewesen seien, aber von Anfang an voll in die Planung und Durchführung der Tat eingebunden gewesen seien.
- Ein 28-jähriger Arbeitgeber wird in Besigheim überfallen, in einem Kofferraum erpresst und bei Steinheim an der Murr zurückgelassen.
- Spezialeinsatzkräfte (SEK) nehmen die beiden Hauptverdächtigen fest, sie kommen in Untersuchungshaft.
- Drei weitere Tatverdächtige werden in Untersuchungshaft genommen, da sie von Beginn an in die Planung eingebunden gewesen sein sollen.
- Prozessbeginn vor dem Landgericht Heilbronn wegen erpresserischen Menschenraubs.
Prozessverlauf vor dem Landgericht Heilbronn
Sechs Monate nach ihrer Festnahme durch Spezialkräfte der Polizei erschienen die beiden Hauptangeklagten vor dem Landgericht Heilbronn, um sich den formellen Anklagepunkten zu stellen. Die Anklage wirft den 21- und 24-jährigen Männern erpresserischen Menschenraub vor. Der Prozess konzentriert sich auf die körperliche Gefangenhaltung des Opfers, die erzwungene Herausgabe digitaler Zugangsdaten und die unrechtmäßige Erlangung von Waren im Wert von über 87.000 Euro. Die Richter sollen den genauen Ablauf der Entführung im März, die Rollenverteilung zwischen den beiden Angeklagten und die operativen Verbindungen zu den drei weiteren, seit Juli inhaftierten Personen untersuchen.


