
Heidenauer Stadtrat verbietet neue Stolpersteine in gemeinsamer CDU- und AfD-Abstimmung
Der Heidenauer Stadtrat in Sachsen stimmte am Donnerstag mit 13:6 für ein Verbot neuer Stolperstein-Gedenktafeln auf öffentlichen Gehwegen und verabschiedete einen gemeinsamen Antrag von CDU, AfD und BOD, künftige Holocaust-Gedenkfeiern auf einen örtlichen Friedhof zu verlegen.
Stadtrat verabschiedet Verbot in geheimer Abstimmung
Der Stadtrat in Heidenau, einer Gemeinde nahe Dresden in Sachsen, stimmte am Donnerstagabend für ein Verbot der Verlegung neuer Stolperstein-Gedenksteine auf öffentlichen Gehwegen und Straßen. Dreizehn Ratsmitglieder stimmten in geheimer Abstimmung für die Maßnahme, sechs dagegen, einer enthielt sich. Der Antrag wurde gemeinsam von örtlichen Vertretern der Christlich Demokratischen Union (CDU), der Alternative für Deutschland (AfD) und der Bürgerinitiative Oberelbe für mehr Demokratie (BOD) eingebracht. Die Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD sorgte vor der Abstimmung für Aufsehen, da die Bundes-CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD untersagt. Die Stadtverwaltung hatte formell von der gemeinsamen Initiative abgeraten, doch eine Ratsmehrheit lehnte die Empfehlung der Verwaltung ab.
- Dafür
- 13 Stimmen
- Dagegen
- 6 Stimmen
- Enthaltung
- 1 Stimmen
Verlegung des Gedenkens auf den Friedhof
Gemäß dem verabschiedeten Beschluss werden künftige Anträge auf Verlegung von Stolpersteinen in öffentlichen Straßen- und Gehwegbereichen abgelehnt. Die Entscheidung weist die Gemeinde stattdessen an, eine zentrale Gedenkstätte einzurichten oder zu erweitern, vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt. Der Antrag legt fest, dass künftige Gedenkelemente auf dem Friedhof so gestaltet werden müssen, dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist. Befürworter von CDU, AfD und BOD argumentierten, dass das Verlegen von Messingtafeln direkt in Gehwege dazu führe, dass Passanten bewusst oder unbewusst auf die Namen der Opfer träten. Während der Ratssitzung argumentierte ein Befürworter, dass die Opfer auf der Straße mit Füßen getreten würden, während ein AfD-Vertreter behauptete, dass Steine in Berlin angespuckt worden seien.
Blockierte Verlegung und Gedenkgeschichte
Die Ratsinitiative entstand, nachdem das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sachsen einen Vorschlag zur Verlegung von sieben neuen Stolpersteinen in der Stadt eingereicht hatte. Heidenau verfügt derzeit über fünf Stolpersteine an zwei verschiedenen Standorten innerhalb seiner Grenzen. Die Gemeinde verlegte ihren ersten Stein im Jahr 2021 zum Gedenken an den früheren Bürgermeister Paul Gröger. Im Jahr 2023 wurden vier weitere Steine zu Ehren von Mitgliedern der Familie Reiner verlegt, einer örtlichen jüdischen Kaufmannsfamilie, die unter dem NS-Regime verfolgt wurde. Die Annahme des gemeinsamen Antrags blockiert die Verlegung der sieben geplanten Tafeln in öffentlichen Gehwegen und lenkt künftige Initiativen auf den Friedhof um.
- Erster Stolperstein in Heidenau verlegt zum Gedenken an den früheren Bürgermeister Paul Gröger
- Vier Stolpersteine für Mitglieder der Kaufmannsfamilie Reiner verlegt
- Stadtrat stimmt mit 13:6 für Verbot neuer Stolpersteine auf öffentlichen Straßen und Gehwegen
Ablehnung durch die Stadtverwaltung und Debatten im Rat
Die Heidenauer Stadtverwaltung hatte vor der Abstimmung formell empfohlen, das Verbot abzulehnen, mit der Begründung, dass das Gedenken an die NS-Opfer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. In ihrer Empfehlung wies die Verwaltung darauf hin, dass Mahnmale im Stadtbild sichtbar und in den Alltag der Bürger eingewoben bleiben sollten. Die Beamten betonten, dass das Kernmerkmal des Stolperstein-Projekts die physische Verbindung zu den ehemaligen Wohn- und Arbeitsstätten der Verfolgten sei. Die Verwaltung kam zu dem Schluss, dass ein zentraler Ort auf dem Nordfriedhof zwar dezentrale Mahnmale ergänzen, aber keinen gleichwertigen Ersatz bieten könne. Katja Demnig, Geschäftsführerin der Stolperstein-Stiftung, kritisierte die Zusammenarbeit demokratischer Parteien bei dem Antrag.
Ich finde es äußerst alarmierend, dass demokratische Parteien den Antrag unterstützen. Das ist ein absolut einmaliger Vorgang.


