
Ex-Orlen-Chef Obajtek gerät bei Besuch des Hungerstreiks mit Solino-Chef aneinander
Der EU-Abgeordnete und frühere Orlen-Chef Daniel Obajtek versuchte, sich einem Hungerstreik im Salzbergwerk IKS Solino anzuschließen, wurde aber vom Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens mit Gewalt daran gehindert. Dies löste eine Polizeianzeige und einen politischen Sturm um den geplanten Verkauf eines wichtigen Solekunden an deutsche Investoren aus.
Hintergrund des Protests
Arbeiter von IKS Solino in Inowrocław befinden sich seit dem 15. März 2026 im Hungerstreik. Sie befürchten, dass der geplante Verkauf von Qemetica (ehemals Ciech), dem Hauptabnehmer von Solino-Sole, an die deutsche K+S-Gruppe das Bergwerk und den angrenzenden Chemiekomplex gefährden wird. Das Unternehmen, Teil des Orlen-Konzerns, ist der größte Soleproduzent Polens und dient auch als strategischer Öl- und Kraftstofflagerort. Die vorläufige Verkaufsvereinbarung sieht einen Abschluss im ersten Quartal 2027 vor.
Der Einlassversuch
Am 9. Juli traf der EU-Abgeordnete und frühere Orlen-Chef Daniel Obajtek am Bergwerk ein, um sich den Protestierenden anzuschließen. Er hatte einen symbolischen Hungerstreik bis Freitagabend versprochen. Am Eingang versperrte ihm Vorstandsvorsitzender Wojciech Kotlarek den Weg, was zu einem Handgemenge führte, als Obajtek versuchte, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Die Polizei wurde gerufen. Obajtek begab sich später zur Polizeiwache in Inowrocław und erstattete Anzeige wegen Verletzung der körperlichen Unversehrtheit.
Ich gehe dort symbolisch hin. Ich werde bis Freitagabend mit meinen Arbeitern protestieren. Es wird ein Hungerstreik. Ich habe das Recht, das Firmengelände zu betreten, ich bin Mitglied des Europäischen Parlaments, nicht um in den Produktionsbereich zu gehen, sondern nur in den Bürobereich, weil ich die öffentliche Aufmerksamkeit darauf lenken will, dass solche Wirtschaftsskandale nicht stattfinden sollten.
Politische Reaktionen
PiS-Chef Jarosław Kaczyński stellte sich entschieden hinter Obajtek und beschuldigte Premierminister Donald Tusk, einen Plan „Polen zu verkaufen“ umzusetzen und eine deutsche Übernahme der Region zu ermöglichen. Er behauptete, die Regierung ignoriere den Protest bewusst.
Wir können nicht schweigen, wenn Tusk eine weitere Tranche seines Plans mit dem Titel 'Polen zu verkaufen' umsetzt. Die heutige aggressive Reaktion ihres Ernannten bei IKS Solino bestätigt dies nur.
Kaczyński fügte hinzu, dass die Arbeiter von Solino seit März protestierten und hungerten, während die Behörden so täten, als gäbe es kein Problem, weil es ruhig bleiben sollte. Auch Przemysław Czarnek, der PiS-Kandidat für das Amt des Premierministers, nahm an den Protesten teil und kritisierte die derzeitige Orlen-Führung dafür, das Bergwerk nicht zu schützen.
Orlen und rechtliche Gegenwehr
Die Pressestelle von Orlen postete auf X: „Sie tun so, als wären Zähne kostenlos“, ein sarkastischer Seitenhieb auf Obajtek und seine Verbündeten. Der frühere Justizminister Zbigniew Ćwiąkalski stellte fest, dass ein EU-Abgeordneter kein Recht habe, in Polen parlamentarische Kontrollen durchzuführen, und verglich dies mit einem französischen oder deutschen EU-Abgeordneten, der polnische Einrichtungen kontrollieren würde.
Nach dieser Logik könnte ein französischer oder deutscher EU-Abgeordneter Institutionen in Polen kontrollieren, wenn er solche Befugnisse hätte.
Sie tun so, als wären Zähne kostenlos.
Zeitleiste der Ereignisse
- Hungerstreik im Bergwerk Solino beginnt
- EU-Abgeordneter Obajtek besucht, Handgemenge mit Vorstandschef Kotlarek, erstattet Anzeige
- Geplanter Verkauf von Qemetica an die deutsche K+S-Gruppe


