
Hamburger CSD erwartet 250.000 mit Rekordgruppen und mehr Polizei nach Anschlag in Berlin
Eine Woche nach einem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD findet am Samstag die 46. Hamburger Pride-Parade mit rekordverdächtigen 150 Gruppen, weniger LKWs und einer deutlich erhöhten Polizeipräsenz statt. Die Organisatoren erwarten 250.000 Teilnehmer, die für queere Sichtbarkeit und gegen die Angst demonstrieren.
Eine Woche nach Berlin
Der Hamburger Christopher Street Day findet am Samstag, den 1. August, statt – genau eine Woche nach einem islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner CSD, der die queere Community in Trauer versetzt hat. Die Organisatoren erwarten rund 250.000 Menschen zur 46. Ausgabe der Demonstration, die um 12:00 Uhr an der Lübecker Straße in Hohenfelde beginnt, durch St. Georg in die Innenstadt zieht und gegen 19:00 Uhr endet. Das Motto lautet „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“. Der Berliner CSD-Verein wird spontan mit einem eigenen LKW teilnehmen, und die Teilnehmer auf diesem Fahrzeug wurden gebeten, dunkle Kleidung als Zeichen der Trauer und Solidarität zu tragen.
Unsere Antwort auf Hass ist Solidarität. Unsere Antwort auf Angst ist Sichtbarkeit.
Der Vorstand betonte zudem, dass es wieder einen CSD in Berlin geben werde und dass man an diesem Wochenende „dem Hamburger Pride den Rücken stärkt“.
Sicherheitsmaßnahmen
Die Hamburger Polizei bestätigte, dass deutlich mehr Beamte eingesetzt werden als bei der Parade 2025. Während die Behörden in Deutschland von einem anhaltend hohen abstrakten Gefährdungsniveau ausgehen, gibt es derzeit keine konkreten Gefahrenhinweise für die Hamburger Veranstaltungen. Der Hamburger CSD erklärte, man stehe in ständigem Kontakt mit der Polizei und „die Sicherheitsbehörden tun alles, um den CSD und die Demo am Samstag zu schützen“.
Wir durchleben gerade eine Achterbahn der Gefühle: Wir tragen noch Trauer im Herzen, und gleichzeitig wollen wir sichtbarer sein als je zuvor, um Hass und Gewalt entgegenzutreten.
Opitz, Sprecher des Hamburger CSD, fügte hinzu, dass sich die queere Community im Schmerz gegenseitig Kraft geben könne beim CSD, und lud alle zur Teilnahme ein.
Rekordbeteiligung und politische Unterstützung
Rekordverdächtige 150 Gruppen haben sich für die Parade angemeldet, allerdings wird es deutlich weniger LKWs geben als im Vorjahr. Zu den mehr als 40 Fahrzeugen gehören Wagen von Vereinen, Parteien, Unternehmen und Kirchengemeinden. Prominente Politiker haben kurzfristig ihre Teilnahme angekündigt: SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf, die Grünen-Politikerin Ricarda Lang, Arbeitsministerin Bärbel Bas, die Beauftragte der Bundesregierung für Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt Sophie Koch, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank, Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit, Finanzsenator Andreas Dressel und Dragqueen Olivia Jones werden erwartet.
Forderungen nach Gesetzesreform
Der Hamburger CSD nutzte den Anlass, um erneut stärkere rechtliche Schutzmaßnahmen zu fordern. Die Co-Vorsitzenden Jenny Saitzek und Christoph Kahrmann erklärten, die Beileidsbekundungen der Bundesregierung nach dem Berliner Anschlag reichten nicht aus. Sie forderten eine Erweiterung des Artikels 3 des Grundgesetzes und eine konsequente Stärkung der Antidiskriminierungsmaßnahmen. Der Verein kritisierte zudem die Regierung dafür, den Aktionsplan „Queer Leben“ der Vorgängerregierung eingestellt zu haben, und bezeichnete dies als Fehler. Die Hamburger Polizei registrierte im vergangenen Jahr 166 Straftaten gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, ein Anstieg um 11 Prozent gegenüber 149 im Jahr 2024 und von 98 im Jahr 2023.
- 2023
- 98 Straftaten
- 2024
- 149 Straftaten
- 2025
- 166 Straftaten
Unsere Antwort auf Hass ist Sichtbarkeit, Solidarität und die Forderung nach einer Politik, die unseren Schutz endlich wirksam stärkt.
Widerstandsfähigkeit der Community
Über die Parade hinaus wird am Sonntag um 11:00 Uhr ein Gottesdienst in der St. Pauli Kirche das Thema „Der Angst die Macht nehmen“ behandeln, gefolgt von einem Nachbarschaftsfrühstück. Für manche hat der Berliner Anschlag Zögern in Entschlossenheit verwandelt. Judith, eine Lesbe, die noch nie am CSD teilgenommen hatte, weil er ihr zu laut und zu grell war, entschied sich, zum ersten Mal mitzumachen. „Gerade jetzt dürfen wir uns nicht von der Angst überwältigen lassen und müssen für unsere offene Gesellschaft einstehen“, sagte sie. Sie plant, Ohrstöpsel gegen die Musik zu tragen und hofft, beim Frühstück gemeinsam zu lachen, wo sie Matjes und Gewürzgurken anbieten wird.
- Parade startet an der Lübecker Straße
- Parade endet in der Innenstadt
- Gottesdienst in der St. Pauli Kirche
- Nachbarschaftsfrühstück

