
Hamburger Wähler lehnen Olympiabewerbung erneut ab – München, Berlin und Rhein-Ruhr kämpfen um deutsche Kandidatur
Ein verbindlicher Bürgerentscheid am Sonntag führte dazu, dass die Hamburger Bürger gegen die Ausrichtung künftiger Olympischer Sommerspiele stimmten, was Bürgermeister Peter Tschentscher zwang, die Bewerbung der Stadt sofort zurückzuziehen. Die Entscheidung schränkt die Optionen Deutschlands auf München, Berlin und die Region Rhein-Ruhr ein.
Die Abstimmung
Die Wähler des norddeutschen Stadtstaates Hamburg haben bei einem Referendum am Sonntag, dem 31. Mai, die Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele deutlich abgelehnt. Bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent – 652.193 von 1.315.800 wahlberechtigten Einwohnern ab 16 Jahren – setzte sich die „Nein“-Seite klar durch, auch wenn das genaue Ergebnis nicht sofort veröffentlicht wurde. Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) räumte die Niederlage bereits vor der endgültigen Auszählung ein.
Die Hamburgerinnen und Hamburger haben entschieden, dass sich die Freie und Hansestadt Hamburg nicht um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele bewerben soll. Ich bedauere dieses Ergebnis sehr.
Er hatte den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) bereits darüber informiert, dass Hamburg seine Bewerbung zurückziehen werde. Das Ergebnis ist für die rot-grüne Koalition bindend.
Politische Reaktionen
Die Abstimmung löste eine Welle der Enttäuschung und Schuldzuweisungen aus. Sportsenator Andy Grote (SPD) dankte den Unterstützern und wies darauf hin, dass mehr als 250.000 Hamburger das Konzept unterstützt hätten, aber die positive Energie werde nun in Jugendsportprogramme fließen. Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) bezeichnete das Ergebnis als „bittere Enttäuschung und verpasste Chance für unsere Stadt“ und fügte hinzu, sie werde dennoch den deutschen Kandidaten unterstützen, den der DOSB auswähle.
Eine Jahrhundertchance ist vertan – eine Chance für neuen Schwung, internationale Sichtbarkeit und dringend benötigte Investitionen, um unseren Wohlstand für künftige Generationen zu sichern.
Thering, Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU, machte die regierende SPD-Grünen-Koalition verantwortlich und warf ihr eine halbherzige Kampagne vor. Die oppositionelle Linke, Ko-Vorsitzende Heike Sudmann, feierte das Ergebnis als „starkes Votum und gute Entscheidung für die ganze Stadt“ und kritisierte gleichzeitig scharf die „arrogante und unfaire“ Kampagne des Senats.
Was nun kommt
Nach dem Aus Hamburgs wird der DOSB nun zwischen München, Berlin und der Region Rhein-Ruhr (mit Köln als Zentrum) als offiziellen deutschen Kandidaten für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 wählen. München und die meisten Gemeinden im Rhein-Ruhr-Gebiet haben bereits für eine Bewerbung gestimmt, während Berlin kein Referendum abgehalten hat. Der Ostseehafen Kiel, der bei jeder deutschen Bewerbung die Segelwettbewerbe ausrichten würde, hat ebenfalls mit Ja gestimmt.
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Der DOSB wird seine endgültige Entscheidung voraussichtlich am 26. September auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Baden-Baden treffen. Deutschland hofft, eines der drei künftigen olympischen Sommerereignisse zu erhalten, wobei Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 die Spiele ausrichten.
Ein bekanntes Ergebnis
Dies ist das zweite Mal, dass Hamburger Wähler einen Olympiatraum zunichtegemacht haben. Im November 2015 lehnte eine Mehrheit eine Bewerbung für die Spiele 2024 in einem ähnlich bindenden Referendum ab. Das Ergebnis vom Sonntag unterstreicht die anhaltende Skepsis in einer Stadt, die sich nun zweimal geweigert hat, die Ausrichtung des größten Sportereignisses der Welt in Betracht zu ziehen.


