
Dieter Hallervordens CDU-Wahlkampftour sorgt für Eklat um Anti-Merz-Lied und Gaza-Genozid-Schild
Die Kabarettauftritte des 90-jährigen Schauspielers für den CDU-Kandidaten Sven Schulze in Sachsen-Anhalt haben scharfe Kritik der Bundespartei hervorgerufen, nachdem er den Verteidigungsminister als „Kriegsminister“ bezeichnete und ein Schild mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zeigte.
Anti-AfD-Wahlkampf mit einer Wendung
Dieter Hallervorden, der 90-jährige Schauspieler und Komiker, bekannt als „Didi“, hat sich in den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt eingeschaltet, um zu verhindern, dass die rechtsextreme AfD eine absolute Mehrheit erreicht. Die AfD, die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, liegt fünf Wochen vor der Landtagswahl bei rund 40 Prozent. Hallervorden warnte davor, dass die AfD mit nur 40 Prozent der Stimmen eine absolute Mehrheit erreichen könnte, wenn SPD, Grüne und FDP alle an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur:
Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD mit 40 Prozent bereits eine absolute Mehrheit erreichen. Das will ich unbedingt verhindern.
Gemeinsam mit den Schauspielern Axel Prahl und Oliver Kalkofe startete er eine Kampagne, die Wähler auffordert, eine der etablierten demokratischen Parteien zu unterstützen. Hallervorden, der 1935 in Dessau geboren wurde und in der Region aufwuchs, sagte einem Publikum in Halle, dass er auf Bundesebene nicht für Friedrich Merz werben würde, aber „bei Sven ist das anders“.
Provokativer Auftritt
Bei Veranstaltungen in Halle und Magdeburg unter dem Titel „Kultur braucht Freiheit“ spielte Hallervorden ein Lied, das die deutsche Verteidigungspolitik scharf kritisierte. Begleitet von Bildern von Panzern und fallenden Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg sang er:
Hallo, Herr Kriegsminister, Sie haben meinen Sohn gebeten, für Sie im Krieg zu töten. Marschieren Sie selbst mit? Wem nützen Kampfmaschinen, Zerstörung und Ruinen? Nur denen, die daran verdienen. Am Ende geht es um Geld, Frieden bringt nichts ein. Herr Merz, wenn Sie glauben, dass sich Krieg lohnt, dann kämpfen Sie bitte auf dem Mond.
Der Auftritt ließ jeden Bezug auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vermissen. In einem Hintergrundvideo während eines anderen Liedes war kurz ein Demonstrationsschild mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zu sehen. Hallervorden hatte zuvor die israelische Politik kritisiert.
CDU-Spitze distanziert sich
Die Bundesgeschäftsführerin der CDU, Franziska Hoppermann, reagierte scharf auf das Gaza-Schild. Sie sagte der Bild:
Für die CDU Deutschlands ist klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen zu Israel und der Ukraine im Kampf gegen Terror und Aggression. Wir stehen für Freiheit und wollen uns verteidigen können, damit wir es nicht müssen. Daran wird sich nichts ändern. Wir stehen für Meinungs- und Kunstfreiheit, aber auch hier gibt es Grenzen – zumindest muss die Kunst mit einem klaren Widerspruch leben.
Der Landesverband der CDU verteidigte das Format und erklärte, die Veranstaltungen sollten zeigen, dass Menschen trotz unterschiedlicher Ansichten im respektvollen Gespräch bleiben können. „Wir dürfen nicht verlernen, zu diskutieren – unterschiedliche Ansichten müssen nebeneinander bestehen können, ohne den Respekt voreinander zu verlieren“, hieß es. Die Partei betonte zudem, dass Hallervorden Schulze seine Unterstützung angeboten habe und der Künstler für seine eigenen Inhalte verantwortlich sei.
Schulze begrüßt Gegenrede
Sven Schulze, der Spitzenkandidat der CDU und amtierende Ministerpräsident, begrüßte die Kontroverse. Bei der Veranstaltung in Magdeburg am Mittwoch fragte er rhetorisch: „Kann er eine Veranstaltung machen, bei der Dieter Hallervorden so ein Lied singt? Ich sage ja, denn das ist eigentlich das, was ich mir vorstelle. Ich will kein Land regieren, in dem ich das Gefühl habe, dass hoffentlich alle sagen, was ich sage. Ich will auch Gegenrede.“
Wie es weitergeht
Trotz des Aufruhrs geht die Tour weiter. Der CDU-Landesgeschäftsführer Mario Karschunke bestätigte, dass die Veranstaltungen in Dessau und Naumburg in der nächsten Woche wie geplant stattfinden. Die Dessau-Veranstaltung am Montag hat bereits rund 600 Anmeldungen. Die Landtagswahl wird Anfang September erwartet.
- Hallervorden tritt bei CDU-Veranstaltung in Halle auf
- Magdeburg-Veranstaltung: Schulze verteidigt Gegenrede
- Dessau-Veranstaltung, ~600 Anmeldungen
- Naumburg-Veranstaltung geplant


