
Belgien erlässt europäischen Haftbefehl gegen griechischen Abgeordneten Avramopoulos im Qatargate-Fall; er verzichtet auf Immunität
Die belgische Staatsanwaltschaft hat einen europäischen Haftbefehl gegen den ehemaligen EU-Kommissar und jetzigen griechischen Abgeordneten Dimitris Avramopoulos im Rahmen der Qatargate-Ermittlungen erlassen. Ihm werden Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und passive Bestechung vorgeworfen. Er erklärt, dass er seine parlamentarische Immunität nicht geltend machen werde.
Haftbefehl und Anklagepunkte
Die belgischen Justizbehörden erließen am 22. Juni 2026 einen europäischen Haftbefehl gegen Dimitris Avramopoulos, einen ehemaligen EU-Kommissar und amtierenden Abgeordneten der regierenden griechischen Partei Nea Dimokratia. Der Haftbefehl, der mit der weitreichenden Qatargate-Korruptionsermittlung zusammenhängt, nennt drei mutmaßliche Straftaten: Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und passive Bestechung. Berichten zufolge dreht sich der Fall um Zahlungen in Höhe von rund 73.000 bis 75.000 Euro, die Avramopoulos von Fight Impunity erhielt, einer NGO, die von Antonio Panzeri, einer zentralen Figur des Skandals, gegründet wurde. Der Haftbefehl wurde den griechischen Justizbehörden übermittelt, kann jedoch erst vollstreckt werden, wenn das griechische Parlament seine Immunität aufhebt.
Reaktion von Avramopoulos
Avramopoulos erfuhr von dem Haftbefehl durch Journalisten und gab sofort eine Erklärung ab, in der er jede Beteiligung an dem Fall bestritt. Er beteuerte, die Angelegenheit sei vor drei Jahren unter vollständiger institutioneller Transparenz und mit Zustimmung der Europäischen Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen abgeschlossen worden.
Die Angelegenheit, die versucht wurde, mit meinem Namen in Verbindung zu bringen, wurde vor drei Jahren unter vollständiger institutioneller Transparenz und mit dem Siegel der Europäischen Kommission abgeschlossen, nach einer Entscheidung, die von ihrer Präsidentin Ursula von der Leyen unterzeichnet wurde.
Er bezeichnete seine Teilnahme an Fight Impunity als rechtmäßig, genehmigt, deklariert und versteuert. Avramopoulos erklärte zudem, dass er keine parlamentarische Immunität geltend machen werde, sondern stattdessen die griechische Justiz ersuchen werde, die Angelegenheit vollständig zu untersuchen.
Obwohl es sich um eine völlig unbegründete Angelegenheit handelt, erkläre ich hiermit ausdrücklich, dass ich von keiner parlamentarischen Immunität Gebrauch machen werde. Im Gegenteil, ich werde mich selbst an die griechische Justiz wenden und darum bitten, die Angelegenheit gründlich zu untersuchen und zu entscheiden.
Politische Folgen
Die Oppositionspartei SYRIZA reagierte scharf und nutzte den Haftbefehl, um der Regierung der Nea Dimokratia Verstrickung in korrupte Praktiken vorzuwerfen. In einer Erklärung verglich die Partei die Regierungspartei mit einer Gerichtsakte mit blauem Logo, in Anspielung auf die Parteifarbe.
Die Nea Dimokratia ist keine Partei mehr. Sie ist eine Gerichtsakte mit blauem Logo.
SYRIZA stellte auch die direkte Frage, ob die Regierungsabgeordneten dafür stimmen würden, Avramopoulos' Immunität aufzuheben oder eine weitere Vertuschungsaktion starten würden. Es wird erwartet, dass die Fallakte von der Athener Staatsanwaltschaft an den Obersten Gerichtshof und dann über das Justizministerium an das Parlament weitergeleitet wird, möglicherweise bereits am Dienstag, den 23. Juni.
Hintergrund zu Qatargate
Qatargate brach im Dezember 2022 aus, als die belgische Polizei Immobilien in Brüssel durchsuchte, mehr als 1,5 Millionen Euro Bargeld beschlagnahmte und mehrere Personen festnahm, darunter den ehemaligen italienischen EU-Abgeordneten Antonio Panzeri und die damalige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Eva Kaili. Der Skandal deckte ein angebliches Netzwerk auf, das versuchte, EU-Entscheidungen zugunsten Katars und Marokkos durch Geld und Geschenke zu beeinflussen. Kaili wurde ihres Vizepräsidentenamtes enthoben und bleibt wegen krimineller Vereinigung, Korruption und Geldwäsche angeklagt, obwohl sie auf ihre Unschuld beharrt.
Die folgende Zeitleiste zeigt die wichtigsten Meilensteine von Avramopoulos' erstem Engagement bei Fight Impunity bis zum jüngsten Haftbefehl.
- Der Generalsekretär der Europäischen Kommission bittet den Ethikausschuss, die Vereinbarkeit von Avramopoulos' geplanten Aktivitäten mit Fight Impunity zu prüfen.
- Avramopoulos legt der Kommission zusätzliche Informationen zu seiner Position und Vergütung vor.
- Der Ethikausschuss fordert detailliertere Informationen zu den konkreten Aufgaben, die von Avramopoulos erwartet werden.
- Avramopoulos antwortet auf die Anfrage des Ausschusses nach Details.
- Der unabhängige Ethikausschuss gibt seine Stellungnahme zur geplanten Tätigkeit nach dem Mandat ab.
- Avramopoulos beginnt seine Tätigkeit im Ehrenvorstand von Fight Impunity und erhält ein monatliches Bruttohonorar von 5.000 Euro.
- Die belgischen Behörden erlassen einen europäischen Haftbefehl gegen Avramopoulos im Rahmen der Qatargate-Ermittlungen.
Avramopoulos' Verteidigung betont, dass seine Rolle im Ehrenvorstand der NGO beratend und nicht geschäftsführend war, ohne Management-, Finanz- oder Vertretungsaufgaben. Sein monatliches Bruttohonorar von 5.000 Euro wurde im Dezember 2020 vom unabhängigen Ethikausschuss der Europäischen Kommission genehmigt, und der Nettobetrag nach Steuern betrug etwa 3.750 Euro pro Monat. Die Stellungnahme des Ausschusses folgte einem monatelangen Austausch, in dem Avramopoulos detaillierte Informationen über seine geplanten Aufgaben lieferte.
