
Grünen-Abgeordneter reicht Verfassungsbeschwerde ein, um Abstimmung über Krankenversicherungsreform im Bundestag zu stoppen
Janosch Dahmens Eilantrag nach Karlsruhe richtet sich gegen den Plan der Koalition, das GKV-Stabilisierungsgesetz vor der Sommerpause zu verabschieden. Er argumentiert, dass last-minute Änderungen auf 278 Seiten den Abgeordneten eine ordnungsgemäße Prüfung verwehren.
Was geschah
Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, hat am frühen Mittwoch einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, um die für diesen Freitag geplante Abstimmung über die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung zu blockieren. Er argumentiert, dass die last-minute Änderungen der schwarz-roten Koalition, die den Abgeordneten in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli zugestellt wurden, zu wenig Zeit für eine ernsthafte Prüfung lassen.
Niemand kann ernsthaft behaupten, dass ein Gesetz mit milliardenschweren Folgen für 75 Millionen gesetzlich Versicherte unter diesen Bedingungen noch verantwortungsvoll geprüft werden kann.
Die umstrittene Reform
Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, ausgearbeitet von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), zielt darauf ab, steigende Beitragssätze für die 75 Millionen gesetzlich Versicherten zu bremsen, indem Zahlungen an Arztpraxen, Krankenhäuser und den Pharmasektor gedeckelt werden. Kritiker sagen, es verlagere die Kosten auf die Patienten durch höhere Zuzahlungen und strengere Regeln für die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten. Die Grünen nennen es einen „Kahlschlag“, der die Wartezeiten verlängern und den wirtschaftlichen Druck auf Krankenhäuser erhöhen werde.
Verfahrensparallelen zu 2023
Der Vorstoß spiegelt die erfolgreiche Verfassungsbeschwerde des CDU-Abgeordneten Thomas Heilmann aus dem Jahr 2023 wider, die das Heizungsgesetz der Koalition stoppte. Das Gericht entschied damals, dass den Abgeordneten zu wenig Zeit zur Prüfung von Änderungsanträgen eingeräumt worden war. Nun wenden die Grünen, die damals auf der anderen Seite dieser Entscheidung standen, dieselbe Taktik an.
Das ist nicht nur stümperhaft und unprofessionell, sondern eine grobe Missachtung unserer parlamentarischen Arbeit.
Politischer Widerstand auch außerhalb Berlins
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, kündigte an, verkürzten Fristen im Bundesrat nicht zuzustimmen, was die Reform selbst bei einer Verabschiedung durch den Bundestag weiter verzögern könnte. Der Bundesrat, der am Freitag zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause tagt, muss zunächst einem beschleunigten Verfahren zustimmen.
Wie es weitergeht
Für Mittwochnachmittag ist im Bundestag eine Verfahrensdebatte geplant, in der die Grünen förmlich beantragen werden, die Abstimmung von der Tagesordnung zu streichen. Die Koalition besteht auf der dritten Lesung am Freitag; das Verfassungsgericht könnte jederzeit entscheiden. Sollte die Abstimmung verschoben werden, dürfte die Reform auf September verschoben werden.
- Koalition sendet 278-seitiges Änderungspaket an Abgeordnete
- Grünen-Abgeordneter Janosch Dahmen reicht Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht ein
- Grüne fordern Streichung der Reform von der Tagesordnung des Bundestages
- Geplante dritte Lesung und Schlussabstimmung über die GKV-Reform
- Bundesrat soll beraten; verkürzte Frist unsicher

