
Mafia-Boss Giuseppe Graviano behauptet vor Gericht in Florenz Geschäftskontakte zu Silvio Berlusconi aus dem Jahr 1969
In einer Aussage aus dem Gefängnis von Cagliari behauptete der verurteilte Boss Giuseppe Graviano, sein Großvater habe Milliarden Lire bei Silvio Berlusconi investiert, was scharfe Kritik von Marina Berlusconi auslöste.
Aussage in Florenz
Der Mafia-Boss Giuseppe Graviano sagte am Freitag per Videoübertragung aus dem Gefängnis von Cagliari im Prozess gegen Salvatore Baiardo vor dem Gericht von Florenz aus. Auf Fragen der Staatsanwälte Lorenzo Gestri und Leopoldo De Gregorio antwortete Graviano, sein Großvater mütterlicherseits, Filippo Quartararo, habe 1969 oder 1970 ein Joint Venture mit Silvio Berlusconi gegründet. Laut Graviano investierte Quartararo zwischen 4 und 5 Milliarden Lire im Rahmen einer Immobilieninvestition von insgesamt 20 Milliarden Lire. Graviano erklärte, die Vereinbarung habe den Investoren eine Rendite von 20 % auf die Gewinne garantiert, die sein Cousin Salvatore später mitverwaltet habe.
Mein Großvater Filippo Quartararo gründete 1969/70 eine Firma mit Silvio Berlusconi, um sein Geld und das Geld anderer Leute zu investieren.
Angeblich Treffen in Mailand
Graviano sagte aus, er habe von der Finanzpartnerschaft nach der Ermordung seines Vaters Michele Graviano am 7. Januar 1982 erfahren. Zwischen 1982 und 1983 habe Quartararo ihn bei einem Treffen in einem Mailänder Hotel gemeinsam mit seinem Cousin Salvatore Berlusconi vorgestellt. Graviano erklärte dem Gericht, es existiere ein privates Dokument, das die Partnerschaft bescheinige und die beteiligten Investoren aufliste. Er schilderte zudem weitere Begegnungen, darunter ein Treffen 1986, als er auf der Flucht war, und ein weiteres im Dezember 1993 in einer Wohnanlage mit Swimmingpool bei Mailand. Graviano behauptete, das Treffen im Dezember 1993 habe der Regelung finanzieller Angelegenheiten gedient und einen Termin im Februar 1994 festgelegt, um die Namen der Investoren vor seiner Verhaftung zu formalisieren.
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Das Verfahren Baiardo
Die Anhörungen in Florenz sind Teil des Prozesses gegen Salvatore Baiardo, dem erschwerte Verleumdung und die Unterstützung von Mafia-Flüchtigen vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft wirft Baiardo vor, falsche Behauptungen über den Fernsehjournalisten Massimo Giletti und Giancarlo Ricca, den ehemaligen Bürgermeister von Cerasa, aufgestellt zu haben. Die Vorwürfe betreffen ein angebliches Foto, das Baiardo nach eigenen Angaben besitzt und das Graviano, Berlusconi und den ehemaligen General Francesco Delfino zusammen zeigen soll. Graviano sitzt seit 32 Jahren in Haft und verbüßt Strafen für die Bombenanschläge von 1992 und 1993 sowie für die Ermordung des Priesters Pino Puglisi, bestreitet eine Beteiligung jedoch weiterhin und hat nie förmlich mit den italienischen Justizbehörden zusammengearbeitet.
Reaktion von Marina Berlusconi
Marina Berlusconi, die älteste Tochter von Silvio Berlusconi, wies die Behauptungen in einem von Il Giornale veröffentlichten offenen Brief zurück. Sie beschrieb das Florentiner Verfahren als indirekte Strafverfolgung gegen ihren verstorbenen Vater und den ehemaligen Senator Marcello Dell'Utri, ohne dass diesen die Möglichkeit gegeben werde, sich direkt zu verteidigen.
Baiardo, der der Verleumdung beschuldigt wird, ist nur ein Vorwand: Die wahren Angeklagten sind Silvio Berlusconi und Marcello Dell'Utri, die in einen heimlichen Prozess gezwungen werden, der die Regeln des Rechtsstaats verhöhnt.
Marina Berlusconi erklärte, jahrzehntelange frühere Finanzermittlungen gegen Fininvest hätten keine Belege für Vorwürfe von Mafia-Kapital ergeben. Sie argumentierte, öffentliche Justizressourcen würden für unbestätigte Behauptungen eines verurteilten Straftäters verschwendet, statt die Sicherheit der Bürger in den Vordergrund zu stellen.


