
Koalition entschärft Gesundheitsreform und verlagert Last auf Pharma und Bundeshaushalt
Gesundheitsministerin Nina Warken passt ihr Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung an, senkt geplante Zuschläge für Familien und Zuzahlungen und erhöht die Beiträge des Bundes und der Pharmaindustrie.
Koalitionskompromiss vor finaler Abstimmung
Nur wenige Tage vor der geplanten Schlussabstimmung im Bundestag und Bundesrat hat sich die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD auf Änderungen bei der Finanzierungsreform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geeinigt. Mehreren Medienberichten zufolge überarbeitete Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ihren Gesetzesentwurf, um die Versicherten zu entlasten und zugleich mehr Kosten auf den Bundeshaushalt und die Pharmaindustrie zu verlagern.
Nach Informationen der F.A.Z. haben sich die Koalition aus Union und SPD übers Wochenende darauf verständigt, die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgelegten Spargesetzentwürfe in diesen Punkten abzumildern.
Familienversicherungszuschlag gesenkt
Die sichtbarste Änderung betrifft die Familienversicherung. Ab 2028 müssen Mitglieder für bisher beitragsfrei mitversicherte Ehegatten oder Lebenspartner zusätzliche Beiträge zahlen, der Satz wurde jedoch von ursprünglich geplanten 3,5 % auf 2,5 % des Beitragseinkommens gesenkt. Eltern mit Kindern bis einschließlich elf Jahren bleiben weiterhin ausgenommen; der erste Entwurf hatte die Grenze bei sechs Jahren angesetzt.
Zuzahlungsregeln angepasst
Die Zuzahlungen für Arzneimittel und Krankenhausaufenthalte sollen wie geplant um 50 % steigen, jedoch wurde die ursprünglich vorgesehene automatische jährliche Anpassung an die Grundlohnrate gestrichen. Damit wird dem einmaligen Anstieg der Eigenbeteiligung keine wiederkehrende Erhöhung folgen.
Bund springt ein
Um die Entlastung der Versicherten auszugleichen, erhöht der Bund seinen Finanzierungsbeitrag. Im Jahr 2027 fließen zusätzliche 1,4 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt an die GKV im Vergleich zum Kabinettsentwurf. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) stellt zudem bis 2030 jährlich 750 Millionen Euro zusätzlich für die Gesundheitsversorgung von Beziehern der Grundsicherung bereit. Obwohl der Bundeszuschuss von aktuell 14,5 Milliarden Euro auf 14,15 Milliarden Euro im Jahr 2027 sinkt, hatte der ursprüngliche Entwurf eine Kürzung auf nur 12,75 Milliarden Euro vorgesehen.
- Aktuell (2026)
- 14.5 Mrd. €
- Ursprünglicher Entwurf
- 12.75 Mrd. €
- Überarbeiteter Entwurf
- 14.15 Mrd. €
Pharmaindustrie trägt größte Zusatzlast
Den größten neuen Finanzierungsbeitrag leistet die Pharmaindustrie. Der gesetzliche Herstellerabschlag auf Arzneimittel wird sich von 7 % auf 15,5 % mehr als verdoppeln. Auch von einem Preisstopp für Impfstoffe werden weitere Einsparungen erwartet. Während die Industrie mit einer deutlichen Sofortkürzung konfrontiert ist, ließ die Koalition einen früheren Plan für einen dynamischen Abschlag fallen, der je nach Arzneimittelausgaben und Lohnentwicklung variiert hätte und möglicherweise die langfristige Belastung begrenzt hätte.
Beitragssätze bis 2028 stabil
Mit diesen Anpassungen will die Koalition die Beitragssätze trotz unerwartet hoher Ausgaben der Krankenkassen stabil halten. Der allgemeine Beitragssatz bleibt bei 14,6 %, der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 2,9 %, insgesamt also 17,5 %, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Warken kam Forderungen von SPD, CSU und Ländern entgegen, konnte aber einen Vorstoß der Sozialdemokraten abwehren, die Beitragsbemessungsgrenze über die bereits geplante Anhebung hinaus weiter zu erhöhen.
- Koalition einigt sich auf Änderungen am Sparpaket.
- Schlussabstimmung in Bundestag und Bundesrat geplant.
- Erhöhter Bundeszuschuss und höherer Pharma-Rabatt treten in Kraft.
- Familienversicherungszuschlag und Zuzahlungsänderungen beginnen.

