
Selenskyj drängt auf ‚behutsamen‘ Dialog mit Polen nach Gesprächen mit Nawrocki, aber historische Streitigkeiten bleiben ungelöst
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete sein Treffen mit dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki als ‚wichtig, lang und konstruktiv‘, räumte jedoch ein, dass historische Streitigkeiten über die UPA und das Massaker von Wolhynien weiterhin ungelöst sind.
Ein Treffen am Rande der NATO
Die Präsidenten Polens und der Ukraine trafen sich am Mittwoch am Rande des NATO-Gipfels in Ankara. Das Gespräch dauerte über eine Stunde und umfasste Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und das sensibelste Thema: die historischen Spannungen, die die bilateralen Beziehungen in den letzten Monaten belastet haben.
Ich glaube, unser Treffen mit dem Präsidenten Polens war wichtig, recht lang und konstruktiv. Wir haben priorisierte Themen besprochen. Wir haben auch historische Themen besprochen. Meiner Meinung nach sollten wir konstruktiv und behutsam sein, um die wichtigen, freundschaftlichen und nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen nicht zu zerstören.
Gemeinsame Bedrohung, gemeinsame Ziele
Beide Führungskräfte betonten, dass Russland weiterhin die größte Gefahr für die Unabhängigkeit ihrer Länder darstellt. Selenskyj schrieb auf Telegram, die beiden Nationen hätten „eine gemeinsame Bedrohung: Russland“ und es sei entscheidend, gegenseitiges Verständnis zu bewahren und gemeinsam zu handeln. Nawrocki pflichtete dem bei und sagte, Polen und die Ukraine „blicken in die gleiche Richtung“ hinsichtlich der Bedrohungen ihrer Souveränität.
Die postsowjetische Russische Föderation ist eine Bedrohung für sowohl die Ukraine als auch Polen.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Wiederaufbau
Selenskyj hob das wachsende Interesse polnischer Unternehmen an der Beteiligung am Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg hervor. Er verwies auf eine Konferenz in Danzig zum Wiederaufbau der Ukraine, die er als erfolgreich bezeichnete, und sagte, die Ukraine sei offen für polnische Partner. Der wirtschaftliche Bereich war einer der wenigen Bereiche, in denen die beiden Seiten sofortige Übereinstimmung fanden.
Historische Wunden bleiben offen
Der schwierigste Teil der Gespräche betraf die Geschichte. Die Spannungen eskalierten im Mai, als Selenskyj eine elite ukrainische Militäreinheit nach UPA-Helden benannte. Als Reaktion darauf entzog Nawrocki Selenskyj den Orden des Weißen Adlers, der ihm 2023 vom damaligen Präsidenten Andrzej Duda verliehen worden war. Während des Treffens in Ankara machte Nawrocki deutlich, dass für ihn UPA-Symbole nicht verhandelbar sind.
Für mich sind die Fragen der UPA, die Symbole der UPA, nicht verhandelbar. Die Emotion der polnischen Frauen und Männer bezüglich des Völkermords von Wolhynien ist nicht verhandelbar. Wir zählen auf das Verständnis der Ukraine, dass die Bandera-Flagge die Zukunft der Ukraine in der EU einschränkt.
Nawrocki räumte ein, dass die historischen Fragen nicht gelöst seien, und fügte hinzu, dass sie nicht mit der Erwartung an das Treffen herangegangen seien, alles zu lösen. Selenskyj seinerseits bestand auf der Notwendigkeit eines konstruktiven und behutsamen Ansatzes, um die Beziehung zu bewahren.
- Selenskyj benennt elite Militäreinheit nach UPA-Helden; Nawrocki entzieht Selenskyj als Reaktion den Orden des Weißen Adlers.
- Selenskyj und Nawrocki treffen sich am Rande des NATO-Gipfels in Ankara; historische Fragen bleiben ungelöst, aber der Dialog wird fortgesetzt.
Ein Dialog, der fortgesetzt werden soll
Trotz der ungelösten Streitigkeiten vereinbarten beide Präsidenten, den Dialog fortzusetzen. Selenskyjs Botschaft war eine der Vorsicht: Die Freundschaft zwischen den beiden Nachbarn dürfe nicht zerstört werden. Das Treffen in Ankara brachte keinen Durchbruch in der Geschichte, aber es hielt den Kanal offen in einer Zeit, in der beide Länder einem gemeinsamen Gegner im Osten gegenüberstehen.


