
Spaniens Oberster Gerichtshof stellt EU-Rechtmäßigkeit der Migrantenregularisierung infrage, da Frist mit über 1,2 Millionen Anträgen abläuft
Der Oberste Gerichtshof Spaniens hat den Parteien fünf Tage Zeit gegeben, um darzulegen, ob die Massenregularisierung von Migranten durch die Regierung gegen EU-Recht verstößt, während die Antragsfrist mit weit mehr Anträgen als ursprünglich prognostiziert endet.
Rechtliche Herausforderung zeichnet sich ab
Der Oberste Gerichtshof Spaniens hat ein Vorverfahren eingeleitet, um möglicherweise eine Frage an den Gerichtshof der Europäischen Union zur Vereinbarkeit des außerordentlichen Regularisierungsdekrets der Regierung mit dem EU-Recht zu stellen. In einem Beschluss vom 24. Juni identifizierte die Kammer für Verwaltungsstreitigkeiten des Gerichts sechs Bereiche, in denen die spanische Maßnahme mit dem EU-Migrations- und Asylpakt und damit verbundenen Vorschriften kollidieren könnte. Das Dekret, das seit dem 14. April in Kraft ist, gewährt Asylbewerbern, deren Anträge abgelehnt oder archiviert wurden, sowie undokumentierten Migranten, die vor dem 1. Januar 2026 in Spanien lebten, Aufenthaltstitel.
Das von der Regierung verabschiedete System der 'Regularisierung' wirft Zweifel auf, ob es mit den Normen der Europäischen Union kollidieren könnte.
Das Gericht betonte, dass der EU-Pakt bereits in Kraft war, als das spanische Dekret verabschiedet wurde, auch wenn seine Anwendung am 12. Juni begann. Die Richter argumentieren, dass die automatische Umwandlung eines Aufenthaltsrechts während des Asylverfahrens in eine vollwertige Aufenthaltserlaubnis durch das Dekret und das Fehlen einer vorherigen Notifizierung an die Europäische Kommission gegen gemeinsame EU-Verfahren verstoßen könnten. Die Regierungen von Aragonien und Valencia, die die ursprünglichen Klagen eingereicht hatten, wurden aufgefordert, Argumente vorzutragen, bevor eine mögliche Vorlage an den EU-Gerichtshof erfolgt.
Anträge übertreffen Prognosen bei weitem
Bis Montagabend hatten nach Schätzungen von Polizeigewerkschaften mehr als 1,2 Millionen Menschen einen Antrag auf Regularisierung gestellt. Die Regierung war ursprünglich von rund 500.000 potenziellen Begünstigten ausgegangen. Allein in Córdoba erreichte die Zahl der Anträge fast 10.000, doppelt so viele wie lokal prognostiziert. Der Anstieg spiegelt sowohl die Schwierigkeit wider, irreguläre Einwohner zu zählen, als auch die intensive Nachfrage nach einem legalen Status.
- Regierungsschätzung
- 500000 Personen
- Eingegangene Anträge
- 1200000 Personen
In den letzten Stunden bildeten sich Schlangen vor Einwanderungsbehörden, Postämtern und Sozialversicherungszentren, als Antragsteller versuchten, die Mitternachtsfrist am Dienstag einzuhalten.
Bürokratische Engpässe
Trotz der hohen Zahl von Einreichungen sind viele Migranten bei der Vervollständigung ihrer Unterlagen auf Hindernisse gestoßen. Die Notwendigkeit eines gültigen Reisepasses, einer notariellen Apostille und eines polizeilichen Führungszeugnisses aus den Herkunftsländern hat einige daran gehindert, ihre Anträge abzuschließen. Mohamed, ein guineischer Staatsangehöriger, stellte fest, dass viele seiner Landsleute diese Dokumente nicht besitzen. Victoria Columna, eine Sprecherin der Bewegung Regularización Ya, sagte, dass einige Vermittler zwischen 1.000 und 1.500 Euro für Hilfe verlangten und dabei die Dringlichkeit ausnutzten.
Wie soll ich mich regularisieren, wenn ich nicht einmal einen Reisepass habe?
NGOs haben eine Verlängerung der Frist gefordert, um Abschiebungen zu verhindern, während das Migrationsministerium mitgeteilt hat, dass Antragsteller zumindest nachweisen müssen, dass sie fehlende Dokumente beantragt haben. Für diejenigen, deren Anträge angenommen wurden, wie der Salvadorianer Melvin Alexis Serrano, geht das Warten weiter. Er hatte Dutzende von Vorstellungsgesprächen, kann aber ohne die physische Aufenthaltskarte keinen Vertrag unterschreiben.
Ich hatte in diesen zwei Monaten 30 oder 40 Vorstellungsgespräche, und alle fragen nach der Ausländer-ID-Nummer, die noch nicht angekommen ist.
Politischer und wirtschaftlicher Kontext
Der Regularisierungsprozess hat Unterstützung von Wirtschaftsverbänden erhalten, die ihn als Reaktion auf den demografischen Wandel sehen, und Kritik von EU-Partnern. Premierminister Pedro Sánchez hat ihn als „historische“ und „gerechte“ Entscheidung bezeichnet. Er plant, am Dienstag eine Veranstaltung zum Ende der Antragsfrist zu leiten. Der Leitartikel von El Periódico stellt fest, dass die Regierung den Schritt zwar als humanitär darstellt, er aber grundlegend den Bedarf an Arbeitskräften in einer alternden Gesellschaft deckt.
- Dekret 316/2026 von der spanischen Regierung verabschiedet
- EU-Migrations- und Asylpakt wird anwendbar
- Oberster Gerichtshof leitet Verfahren für EU-Vorlage ein
- Antragsfrist läuft ab
Mit dem Ende der Antragsfrist und zunehmender rechtlicher Unsicherheit wird sich in den kommenden Wochen entscheiden, ob das Dekret Bestand hat, ausgesetzt wird oder den europäischen Richtern vorgelegt wird.

