
Razzien in der JVA Rheinbach fördern Kokain und Pistole zutage; NRW ordnet Taschenkontrollen für alle Mitarbeiter an
Die Polizei durchsuchte am Dienstagmorgen die JVA Rheinbach und mehrere Wohnungen in zwei Bundesländern und beschlagnahmte Drogen und eine Waffe, während acht Gefängnisangestellte Bestechungsvorwürfe erhalten.
Razzien in zwei Bundesländern
Am Dienstag um 7:30 Uhr durchsuchten rund 60 Polizisten gleichzeitig das Gefängnis in Rheinbach sowie Privatwohnungen in Köln, Euskirchen, Rheinbach, Siegburg und den Landkreisen Mayen-Koblenz und Neuwied in Rheinland-Pfalz. Es wurden neun Durchsuchungsbefehle vollstreckt, die sich gegen acht Gefängnismitarbeiter sowie aktuelle und ehemalige Häftlinge richteten. Bis Dienstagabend wurden keine Festnahmen gemeldet.
Was die Ermittler fanden
Bei den Durchsuchungen der Privatwohnungen entdeckten die Beamten 15 Gramm Kokain, eine geringe Menge Amphetamin, eine alte Pistole, Munition und Magazine. Im Gefängnis selbst sicherten die Ermittler vor allem digitale Beweise: Dutzende Mobiltelefone, Laptops und schriftliche Dokumente. Die Beute umfasste mehr als hundert Gegenstände, wobei Handys und Datenträger den Großteil des beschlagnahmten Materials ausmachten.
Der Schmuggelplan
Die acht angeklagten Justizvollzugsbeamten (fünf Männer und drei Frauen) sollen verbotene Gegenstände – hauptsächlich Mobiltelefone und Drogen – gegen Geld und Gutscheine ins Gefängnis geschmuggelt haben. Der nordrhein-westfälische Justizminister Benjamin Limbach sagte, die Schmuggelware sei von Angehörigen oder Freunden der Häftlinge an die Mitarbeiter vor der Anstalt übergeben worden. Die Ermittlungen umfassen Bestechungs- und Drogenhandelsvorwürfe. Alle acht Mitarbeiter wurden suspendiert und vom Gefängnis ferngehalten.
Minister ordnet landesweite Taschenkontrollen an
Limbach, der sich selbst als erschüttert und wütend bezeichnete, ordnete sofort an, dass alle Gefängnismitarbeiter des Landes vor dem Betreten der Einrichtungen Taschenkontrollen durchlaufen müssen.
Mir ist sehr bewusst, dass dies ein harter Einschnitt ist.
Die strengeren Kontrollen sollen den „tadellosen Ruf“ der ehrlichen Mehrheit der Mitarbeiter schützen, fügte er hinzu, und versprach, nicht zuzulassen, dass „das kriminelle Verhalten einiger weniger ihn in den Dreck zieht.“ Der Minister ordnete auch eine Sonderprüfung der JVA Rheinbach an, in Anlehnung an Maßnahmen nach einem ähnlichen Skandal im Gefängnis Euskirchen Anfang Mai. Er wird am Mittwoch den Rechtsausschuss des Landtags unterrichten.
Ein separater Skandal, kein Zusammenhang
Der Fall ist der zweite Korruptionsfall im Justizvollzug Nordrhein-Westfalens innerhalb weniger Wochen. Anfang Mai durchsuchte die Polizei die JVA Euskirchen, wo mehrere Mitarbeiter beschuldigt werden, „Bestechungsabos“ verkauft zu haben – monatliche Zahlungen für Tipps zu Kontrollen – und wo zwei elektronische Hauptschlüssel abhandengekommen waren. Die Behörden betonten, dass es keine Verbindung zwischen den beiden Ermittlungen gebe. Die Einrichtung Euskirchen ist eine offene Anstalt; Rheinbach ist eine geschlossene Anstalt, in der die Insassen tagsüber eingesperrt sind.
- Polizei durchsucht gleichzeitig die JVA Rheinbach und neun Wohnungen in NRW und Rheinland-Pfalz.
- Minister Limbach kündigt landesweite Taschenkontrollen und eine Sonderprüfung der JVA Rheinbach an.
- Limbach wird den Rechtsausschuss des Landtags über die Ermittlungen unterrichten.


