Siemens Energy verbucht Rekordquartal – Windtochter erstmals seit 2022 profitabel
Der Nettogewinn von Siemens Energy stieg im dritten Geschäftsquartal um 70 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Grund dafür sind Gasturbinen, Netztechnik und die lang erwartete Wende bei der Windtochter Siemens Gamesa, die ihren ersten operativen Quartalsgewinn seit 2022 erzielte.
Windwende
Siemens Gamesa, die Windturbinentochter, die Siemens Energy jahrelang in die Verlustzone gezogen hatte, erzielte im dritten Geschäftsquartal (April bis Juni) einen operativen Gewinn von 56 Millionen Euro – nach einem Verlust von 425 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Es ist der erste Quartalsgewinn der Einheit seit 2022. Konzernchef Christian Bruch bezeichnete das Ergebnis als „fantastische Leistung des Teams".
Wir haben Rekordzahlen bei Auftragseingang, Umsatz und Rentabilität erzielt und gleichzeitig unsere Effizienz verbessert. Dass unser Windgeschäft erstmals seit 2022 in einem Quartal profitabel ist, ist eine fantastische Leistung des Teams.
Rekordaufträge und -umsätze
Der Konzernumsatz stieg um rund 18 Prozent auf 11 Milliarden Euro, der Auftragseingang legte um rund 8 Prozent auf 18 Milliarden Euro zu – beides Quartalsrekorde. Besonders stark war die Nachfrage aus den Vereinigten Staaten. Die Sparte Gas und Dienstleistungen verzeichnete einen Auftragssprung von 62 Prozent auf knapp 10 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 17,2 Prozent und einem Gewinn von 645 Millionen Euro (plus rund 60 Prozent). Grid Technologies erzielte eine Marge von 19,8 Prozent und einen Gewinn von 718 Millionen Euro, ebenfalls ein Plus von rund 60 Prozent. Transformation of Industry steuerte 214 Millionen Euro bei (Handelsblatt berichtete von 218 Millionen Euro), ein Anstieg von 39 Prozent bei einer Marge von 14 Prozent.
- Gas und Dienstleistungen
- 645 Mio. €
- Grid Technologies
- 718 Mio. €
- Siemens Gamesa
- 56 Mio. €
- Transformation of Industry
- 214 Mio. €
Gamesa-Auftragseingang bricht ein
Trotz der Rückkehr in die Gewinnzone fielen die Neubestellungen bei Gamesa von 4,89 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 1,05 Milliarden Euro – damals war ein großer Einmalauftrag enthalten. Der Auftragsbestand bleibt mit 31 Milliarden Euro beträchtlich, doch das Volumen der Neubestellungen liegt deutlich unter den 2,7 Milliarden Euro Umsatz, die die Einheit im Quartal erzielte. Dieses Muster zeigt sich auch im bisherigen Geschäftsjahr.
Gespräche über Ausgliederung von Transformation of Industry
Der Aufsichtsrat erörterte am Dienstag eine mögliche Trennung von der Sparte Transformation of Industry unter dem internen Projektnamen „Project Voyager", wie aus Unternehmenskreisen verlautete. Für Ende August ist eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung anberaumt, eine endgültige Entscheidung wird dort jedoch nicht erwartet. Die Sparte, die industrielle Energieinfrastruktur, Kompressoren für die Ölindustrie und Wasserstoffelektrolyseure umfasst, hat ihre Marge auf 14 Prozent verbessert, gilt aber als unwahrscheinlich, die 20-Prozent-Margen von Gas und Grid zu erreichen. Befürworter einer Ausgliederung argumentieren, dass dies die Komplexität verringern und die Kapitalallokation vereinfachen würde. Zu den Optionen gehören ein Verkauf oder ein Börsengang. Siemens Energy lehnte eine Stellungnahme ab.
Ausblick
Nach neun Monaten hat Siemens Energy einen Gewinn von 2,8 Milliarden Euro erzielt und liegt auf Kurs, das Jahresziel von rund 4 Milliarden Euro zu erreichen. Die starke Performance in den Bereichen Gas, Grid und nun auch Wind gibt Rückenwind, auch wenn der Auftragsrückgang bei Gamesa und die ungewisse Zukunft von Transformation of Industry wichtige Beobachtungspunkte bleiben.

