
Fürth entgeht erstmals seit 29 Jahren dem Abstieg in die dritte Liga – doch die Fans fordern einen Neuanfang
Die SpVgg Greuther Fürth drehte im Rückspiel der Relegation einen Rückstand gegen Rot-Weiss Essen und gewann 2:0, womit sie den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga sicherte. Die Erleichterung wurde jedoch sofort von wütenden Anhängern überschattet, die die Entlassung von Geschäftsführer Holger Schwiewagner forderten.
Das Spiel
Greuther Fürth ging mit einer 0:1-Hypothek aus dem Hinspiel in Essen in das Rückspiel der Relegation. Vor 16.126 Zuschauern im Sportpark Ronhof zeigte die Mannschaft eine leidenschaftliche und kvalitativ starke Leistung, um die Wende zu schaffen. Torhüter Silas Prüfrock hielt die Gastgeber früh im Spiel, indem er einen Schuss von Gianluca Swajkowski aus kurzer Distanz in der 10. Minute parierte und drei Minuten später einen Volleyschuss von Torben Müsel über die Latte lenkte. Fürth übernahm allmählich die Kontrolle, Jannik Dehm traf in der 19. Minute die Latte, bevor der Durchbruch gelang.
Noel Futkeu, der Torschützenkönig der 2. Bundesliga mit 19 Treffern, staubte in der 29. Minute aus kurzer Distanz ab, nachdem Kapitän Branimir Hrgota und Felix Klaus Vorarbeit geleistet hatten. Hrgota ließ dann zwei Minuten nach Wiederanpfiff einen Linksschuss im Netz einschlagen und erhöhte auf 2:0. Essen drängte auf den Anschluss – ein Tor von Jaka Cuber Potocnik wurde in der 68. Minute wegen Abseits aberkannt, und Müsel köpfte in der 81. Minute gegen den Pfosten, als das Tor leer war – doch Fürth hielt stand und sicherte sich den Klassenerhalt.
Fan-Wut
Trotz der Feierlichkeiten auf dem Platz war die Stimmung unter den treuesten Fans rebellisch. Ein Banner auf den Rängen forderte: „Auf dem Platz und in den Gremien: Versager raus! Neuanfang jetzt!“ Den ganzen Abend über waren Sprechchöre zu hören, die die Entlassung von Geschäftsführer Holger Schwiewagner forderten. Der Verein, der den Rekord für die meisten Spielzeiten in der 2. Bundesliga hält, war gefährlich nah daran, zum ersten Mal seit 29 Jahren in die dritte Liga abzusteigen.
Ich kann die Frustration der Fans verstehen. Ich glaube, der Verein hatte das schon vorher gespürt. Wir wissen, dass wir Hausaufgaben zu erledigen haben. Es wird viel Arbeit und Analyse erfordern. Sie können sicher sein, dass wir das tun werden.
Abschied der Helden
Beide Torschützen werden den Verein in diesem Sommer verlassen. Futkeu kehrt nach einer zweijährigen Leihe zu Eintracht Frankfurt zurück, während Hrgota, Fürths Rekordtorschütze aller Zeiten, nach sieben Jahren im Verein eine neue Herausforderung sucht. Ihre Abschiedstore waren emotional.
Ich habe mich riesig über die zwei Tore gefreut. Nach dem Spiel wird dir klar: oh, hoppla, das sind die letzten beiden Tore, die sie für dich schießen werden. Neben der Erleichterung über den Klassenerhalt ist da auch Wehmut.
Wie es weitergeht
Fürth steht vor einem Sommer des Umbruchs. Der Kader muss nach den gescheiterten Experimenten mit den vorherigen Trainern Leonhard Haas, Jan Siewert und Thomas Kleine neu aufgestellt werden. Der Verein hofft, dass Heiko Vogel endlich für langfristige Stabilität an der Seitenlinie sorgen kann. Für Essen war die Niederlage grausam: Sie verpassten nach 19 Jahren die Rückkehr in die zweite Liga, obwohl sie über beide Spiele hinweg mehrere klare Chancen hatten.
- Nahschuss von Gianluca Swajkowski von Silas Prüfrock gehalten (10. Minute)
- Prüfrock lenkt Volleyschuss von Torben Müsel über die Latte (13. Minute)
- Flanke von Jannik Dehm trifft die Latte (19. Minute)
- Noel Futkeu gleicht aus kurzer Distanz aus (29. Minute)
- Branimir Hrgota schlenzt Fürths zweites Tor (47. Minute)
- Tor von Jaka Cuber Potocnik wegen Abseits aberkannt (68. Minute)
- Torben Müsel köpft bei leerem Tor an den Pfosten (81. Minute)
Weiterer Kontext
Das Ergebnis bedeutet, dass beide Vereine in ihren jeweiligen Ligen bleiben. Fortuna Düsseldorf und Preußen Münster steigen in die 3. Liga ab, während der VfL Osnabrück und Energie Cottbus den direkten Aufstieg schafften. Fürths Klassenerhalt verhindert einen historischen Tiefpunkt für den „ewigen Tabellenführer“ der 2. Bundesliga, aber die Fanproteste machen deutlich, dass der bloße Klassenerhalt nicht mehr ausreicht.


