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Lokal·vor 5 Std.

Rumäniens Oberster Gerichtshof bestätigt Befangenheitsurteil gegen USR-Chef Dominic Fritz und verhängt Amtssperre bis 2030

Der rumänische Oberste Kassations- und Justizhof hat endgültig entschieden, dass USR-Präsident und Timișoara-Bürgermeister Dominic Fritz gegen Befangenheitsregeln verstoßen hat, was ein Verbot der Ausübung politischer Ämter bis 2030 auslöst. Fritz kündigte umgehend eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an.

Die Entscheidung des Gerichts

Am 18. Juni 2026 wies die Verwaltungs- und Steuerabteilung der Înalta Curte de Casație și Justiție (ÎCCJ) die Berufung von Dominic Fritz gegen ein Urteil des Berufungsgerichts Timișoara vom Februar 2026 zurück. Das Oberste Gericht bestätigte einen Bewertungsbericht der Nationalen Integritätsbehörde (ANI), der bei Fritz einen verwaltungsrechtlichen Interessenkonflikt festgestellt hatte. Die Entscheidung ist endgültig und beinhaltet ein sofortiges Verbot für den Bürgermeister, bis einschließlich 2030 für ein politisches Amt zu kandidieren.

Es ist nicht erforderlich, das Vorliegen eines konkreten Schadens oder eine tatsächliche Beeinflussung der öffentlichen Entscheidung durch Korruption nachzuweisen. Es genügt, dass ein persönliches oder vermögensrechtliches Interesse besteht, das die Unparteilichkeit bei der Ausübung des öffentlichen Amtes beeinträchtigen könnte, und dass der Amtsträger an der Ausstellung des Verwaltungsakts mitgewirkt hat.

Înalta Curte de Casație și Justiție

Was die ANI behauptete

ANI-Prüfer hatten einen Vorgang aus dem Jahr 2020 beanstandet. Während des Kommunalwahlkampfs lieh Răzvan Negrișanu, später USR-Stadtrat, Fritz 25.000 Lei. Nachdem Fritz am 30. Oktober 2020 sein Amt angetreten hatte, unterzeichnete er eine Überweisung zur Änderung eines Zonenplans (PUZ), die dann dem Gemeinderat zur Genehmigung vorgelegt wurde. Die technische Dokumentation für diesen PUZ war vom Architekturbüro Negrișanus erstellt worden.

Mir wird eine einzige Tatsache vorgeworfen: Am zweiten Tag meiner Amtszeit habe ich ein Duplikat einer Überweisung unterschrieben, die bereits von meinem Vorgänger unterzeichnet worden war. Mit dieser Unterschrift, die völlig unnötig und ohne rechtlichen Wert ist, sagt die ANI, ich hätte einem Architekten Vorteile verschafft, der dem USR-Wahlkampf 25.000 Lei geliehen hatte – eine Summe, die später von der Ständigen Wahlbehörde zurückerstattet wurde.

Das Oberste Gericht kam zu dem Schluss, dass der Sachverhalt den rechtlichen Tatbestandsmerkmalen eines Interessenkonflikts entsprach: eine direkte finanzielle Beziehung, Mitwirkung an der Ausstellung des Aktes und die Möglichkeit, dass persönliches Interesse die unparteiische Ausübung des öffentlichen Amtes beeinträchtigen könnte.

Was mit seinem Bürgermeistermandat geschieht

Es gibt widersprüchliche Auslegungen darüber, ob das Urteil Fritzs Amtszeit beendet. Das Urteil des Berufungsgerichts vom Februar, zitiert von HotNews, besagt, dass bei lokalen Mandatsträgern, bei denen Unvereinbarkeit oder Interessenkonflikt festgestellt wurde, „das Mandat kraft Gesetzes erlischt“. Eine von Digi24 zitierte Quelle erklärte jedoch, dass ein verwaltungsrechtlicher Interessenkonflikt nicht dasselbe sei wie Unvereinbarkeit; die Strafe könne eine Gehaltskürzung von 10 Prozent für bis zu sechs Monate sein, plus eine ergänzende Sanktion, die die Person für drei Jahre nach Ende der Amtszeit von öffentlichen Ämtern ausschließt. Die USR besteht darauf, dass das Mandat nicht verloren sei. Der letzte verwaltungstechnische Schritt – die Anwendung etwaiger Sanktionen – obliegt nun dem Präfekten des Kreises Timiș.

Fritzs Reaktion und die politische Dimension

Fritz erklärte, er werde das Urteil beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) anfechten und warf der ANI vor, weitaus schwerwiegendere Fälle anderer Amtsträger zu ignorieren, während sie ihn wegen einer doppelten Unterschrift ins Visier nehme. Er wies auf den Zeitpunkt hin und bemerkte, dass das Verbot genau die Wahljahre 2028 und 2030 abdecke, und erinnerte daran, dass seine Kandidaturen in der Vergangenheit durch verschiedene Verfahren angefochten worden seien.

Jedes dieser Elemente für sich genommen könnte als Zufall betrachtet werden. Zusammen jedoch werfen sie Fragen zur Motivation und zum Zeitpunkt dieser Entscheidung auf.

Um sein politisches Mandat zu bestätigen, wird Fritz sowohl im USR-Bundesvorstand als auch auf dem für Oktober 2026 angesetzten Parteitag ein Vertrauensvotum anstreben. Er erklärte, er werde seine politische und administrative Arbeit fortsetzen und seine Amtszeit als Bürgermeister beenden.

Wichtige Daten im Interessenkonflikt-Fall Dominic Fritz
  1. Kommunalwahlen; Dominic Fritz gewinnt die Bürgermeisterwahl in Timișoara.
  2. Fritz tritt sein Amt an. Zwei Tage später unterzeichnet er die doppelte PUZ-Überweisung.
  3. ANI beginnt mit der Bewertung und stellt einen möglichen Interessenkonflikt fest.
  4. ANI erklärt Fritz formell in einem verwaltungsrechtlichen Interessenkonflikt.
  5. Berufungsgericht Timișoara entscheidet gegen Fritz und bestätigt den ANI-Bericht.
  6. ÎCCJ weist Fritzs Berufung zurück; Interessenkonflikt-Urteil wird rechtskräftig und Verbot bis 2030 tritt in Kraft.
  7. Fritz kündigt Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und internes Vertrauensvotum an.

Weiterer Kontext

Fritz, seit September 2020 Bürgermeister von Timișoara und nun in seiner zweiten Amtszeit, ist einer der lautstärksten Unterstützer von Ilie Bolojan innerhalb der USR. Die Partei setzt sich seit langem für die Abschaffung von Sonderrenten ein, auch für die von Richtern – eine Haltung, die nach Ansicht von Fritzs Lager zu den derzeitigen juristischen Gegenreaktionen beigetragen haben könnte. Die ÎCCJ betonte, dass der Maßstab für Interessenkonflikte für alle gleichermaßen gelten müsse, unabhängig von Amt oder politischer Zugehörigkeit.

Timișoara

8 Quellen

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