
Manchester City bereitet Einspruch gegen Finanzregeln vor, FA und britische Abgeordnete reagieren
Manchester City muss bis Freitag Einspruch gegen die Feststellungen von mehr als 100 Verstößen gegen die Finanzregeln einlegen; der Football Association und britische Abgeordnete prüfen daraufhin sportliche Sanktionen und die Einhaltung der Steuervorschriften.
Entscheidung der Kommission und Einspruchsfrist
Manchester City steht am Freitag eine formelle Frist bevor, um Einspruch gegen die Feststellungen einer unabhängigen Kommission zu weitreichendem finanziellem Fehlverhalten einzulegen. Das Gremium kam zu dem Schluss, dass der Klub zwischen 2009 und 2018 deutlich mehr als 100 einzelne Verstöße gegen die Regularien der Premier League begangen hat, indem er Scheinverträge für kommerzielle Kooperationen nutzte, um Erlöse aufzublähen und Kosten in Höhe von mehr als 900 Millionen Pfund (1,19 Milliarden US-Dollar) zu verschleiern. City hat jedes Fehlverhalten stets bestritten und erklärt, über unwiderlegbare Beweise zur Wiederherstellung des Rufs zu verfügen, darunter das Argument, dass die beanstandeten Sponsoringvereinbarungen direkt von der Regierung von Abu Dhabi und nicht vom Klubeigentümer finanziert worden seien. Der Klub dürfte zudem geltend machen, dass die 12-wöchigen Schnellverfahrensregeln der Liga bei der ursprünglichen Anklageerhebung im Februar 2023 noch nicht in Kraft waren. Nach diesen neuen Regeln muss eine Berufungsverhandlung innerhalb von 12 Wochen nach Einlegung des Einspruchs stattfinden, und innerhalb von 30 Tagen nach Abschluss der Verhandlung muss eine bindende Entscheidung ergehen.
- Premier League erhebt Vorwürfe gegen Manchester City wegen mehrfacher Verstöße gegen die Finanzregeln
- Unabhängige Kommission erlässt Urteil: City in über 100 Fällen schuldig gesprochen
- Frist für Manchester City, förmlich Einspruch gegen das Urteil einzulegen
- Berufungsverhandlung muss nach den Schnellverfahrensregeln der Premier League stattfinden
- Zieltermin für das Berufungsgremium, seine schriftliche Entscheidung zu fällen
Reaktion des Sportverbands und mögliche Sanktionen
Der englische Fußballverband (Football Association) äußerte sich am Freitag erstmals förmlich und räumte die weitreichenden Folgen des Urteils der unabhängigen Kommission für den englischen Fußball ein.
Die Entscheidung der unabhängigen Kommission hat erhebliche Auswirkungen auf die Integrität des Spiels.
Über disziplinarische Konsequenzen für den Klub wird in einer gesonderten, nicht öffentlichen Anhörung vor dem unabhängigen Gremium entschieden. Mögliche sportliche Strafen reichen von erheblichen Geldbußen und Punktabzügen in der Liga bis zum Ausschluss aus der Premier League. Während ehemalige Spieler wie Rio Ferdinand die Behörden aufgefordert haben, die in diesem Zeitraum gewonnenen Titel abzuerkennen, steht City derzeit an der Tabellenspitze, nachdem der Klub die Saison unter Trainer Enzo Maresca mit fünf Siegen in Folge eröffnet hat. Seit der Übernahme des Vereins durch Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan und die Abu Dhabi United Group im Jahr 2008 hat der Klub acht Premier-League-Titel gewonnen, darunter drei in dem neunjährigen, von der Untersuchung erfassten Zeitraum.
Politischer Streit über Äußerungen zur Eigentümerschaft
Der Fall hat nach öffentlichen Äußerungen von Premierminister Andy Burnham scharfe Wortwechsel in der britischen Politik ausgelöst. Im Gespräch mit der BBC bezeichnete Burnham die Abu-Dhabi-Eigentümer des Klubs als enormen Partner bei der Entwicklung des modernen Manchester und äußerte Besorgnis über Berichte, wonach die Gruppe den Klub verkaufen könnte. Oppositionsvertreter reagierten umgehend: Schatten-Sportminister Louie French warf dem Premierminister vor, von außen politischen Druck auf ein laufendes Regulierungsverfahren ausüben zu wollen.
Andy Burnhams Einmischung zugunsten der Eigentümer von Manchester City ist schlicht außergewöhnlich. Der Klub sieht sich beispiellosen Vorwürfen gegenüber, und die Fans sind entsetzt über das, was sie in den Zeitungen lesen.
Die Downing Street stellte am Donnerstag anschließend klar, dass keine Einzelperson und keine Organisation über den Regeln steht. Ein Sprecher der Nummer 10 betonte, das Regulierungsverfahren sei unabhängig und müsse ohne politische Einflussnahme bis zu seinem endgültigen Abschluss geführt werden.
Parlamentarische Prüfung der Steuerkonformität
Die parlamentarische Prüfung weitete sich am Donnerstag aus, als Meg Hillier, Vorsitzende des Treasury Committee, einen förmlichen Brief an JP Marks, Ständiger Sekretär von HM Revenue and Customs, sandte. Hillier erbat Auskunft darüber, ob die Steuerbehörde ungeschwärzte Exemplare des Berichts der Kommission geprüft habe, um mögliche körperschaftsteuerliche Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit künstlichen Umsatzangaben zu bewerten. Der Brief erbat zudem einen breiteren Überblick über die Ermittlungen von HMRC zu Spielervergütungen und allgemeinen Steuerpraktiken bei Profifußballklubs. Rechtsexperten, darunter Tom Keane, Partner bei Brandsmiths, weisen darauf hin, dass die Größenordnung des Falls – mit einem 750-seitigen Dokumentenindex und Rechtskosten in zig Millionen Pfund – jahrelange Zivilklagen von Rivalklubs und Spielerberatern nach sich ziehen könnte.

