
Deutschland streicht €10-Mrd.-Fregattenprojekt F126 und kauft stattdessen acht kleinere MEKO A-200
Verteidigungsminister Boris Pistorius informierte Industrie und Abgeordnete am Dienstag, dass die Regierung die F126-Mehrzweckfregatte, das größte Kriegsschiffprogramm der deutschen Marine seit dem Zweiten Weltkrieg, aufgeben und stattdessen acht kleinere MEKO-A-200-Schiffe von TKMS kaufen wird.
Die Entscheidung
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und hochrangige Beamte teilten Vertretern der Rüstungsindustrie und führenden Abgeordneten am 23. Juni 2026 mit, dass die Regierung nicht mehr beabsichtigt, sechs F126-Fregatten zu bauen. Das auf rund zehn Milliarden Euro veranschlagte Programm war von jahrelangen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen geplagt. Das Ministerium selbst hat sich nicht offiziell geäußert, aber mehrere Quellen bestätigten die Pläne gegenüber Spiegel, Financial Times und Handelsblatt.
Die F126 war als 166 Meter langes, 10.000 Tonnen schweres Mehrzweckkriegsschiff mit Schwerpunkt auf U-Boot-Abwehr konzipiert, eine Rolle, die nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 an Dringlichkeit gewann. Stattdessen wird Berlin acht Meko-A-200-Fregatten vom Kieler Werftbauer TKMS beschaffen. Diese Schiffe sind etwa 120 Meter lang und damit deutlich kleiner als die F126. Die Marineführung befürwortet den Wechsel, wie aus den Berichten hervorgeht.
Eine zerrüttete Lieferkette
Die niederländische Werft Damen Naval gewann 2020 den Erstauftrag über vier F126; der Auftrag wurde später auf sechs Einheiten aufgestockt. Doch das Projekt geriet weit hinter den Zeitplan zurück. Softwareprobleme und anhaltende Kommunikationsschwierigkeiten zwischen der deutschen Beschaffungsbehörde und Damen führten zu wiederholten Verzögerungen. Nach der letzten Planungsaktualisierung im Mai 2025 wäre die erste F126 frühestens 2032 fertig gewesen (vier Jahre später als ursprünglich geplant). Ende 2025 entzog die Regierung Damen den Generalunternehmerstatus.
Rheinmetalls geplatzte Ambitionen
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hatte sich als Rettungskäufer des Programms positioniert. Er erwarb die spezialisierte Werft Naval Yards Lürssen Anfang des Jahres für 1,5 Milliarden Euro im Rahmen einer Expansion über Panzerfahrzeuge und Munition hinaus in den Marineschiffbau. CEO Armin Papperger sagte im Mai, das Unternehmen stehe kurz vor der Unterzeichnung eines Übernahmevertrags für das F126-Programm in einem Deal im Wert von 12,8 Milliarden Euro; der Vertrag sollte noch vor der Sommerpause dem Haushaltsausschuss des Bundestages vorgelegt werden. Rheinmetall lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten über die Streichung ab.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts wurde keine öffentliche Stellungnahme abgegeben.
Zwischenlösung wird dauerhaft
Bereits im März 2026 teilte das Verteidigungsministerium mit, es werde vier Meko-A-200-Fregatten als temporäre Brücke kaufen, während die F126-Verzögerungen andauerten. Zu diesem Zeitpunkt bestand Berlin noch darauf, dass das F126-Programm fortgesetzt werde. Die Ankündigung vom Dienstag macht diesen Zwischenschritt zum dauerhaften Plan und erhöht die Gesamtzahl auf acht Rümpfe. Rund zwei Milliarden Euro an bereits versenkten Kosten für die F126 sollen abgeschrieben werden.
- Damen Naval erhält Auftrag für vier F126-Fregatten
- Russland überfällt Ukraine; Rolle der U-Boot-Abwehr gewinnt an Dringlichkeit
- Auftrag von vier auf sechs F126-Einheiten aufgestockt
- Planungsaktualisierung: Erste F126 frühestens 2032, vier Jahre hinter ursprünglichem Zeitplan
- Deutsche Bundesregierung entzieht Damen Naval den Generalunternehmerstatus
- Verteidigungsministerium kauft vier MEKO A-200 als Übergangsbrücke; besteht auf Fortsetzung der F126
- Rheinmetall-CEO sagt, Unternehmen stehe kurz vor Unterzeichnung des F126-Übernahmevertrags
- Pistorius informiert Industrie und Abgeordnete über Plan, F126 zu streichen und acht MEKO A-200 zu kaufen
Weiterer Verteidigungskontext
Die Entscheidung fällt in einer Zeit, in der Deutschland versucht, die europäischen Verteidigungsbemühungen anzuführen und bis 2030 780 Milliarden Euro für die Modernisierung des Militärs eingeplant hat. Die Streichung des Flaggschiff-Programms der Marine ist ein politischer Schlag und eine bedeutende Beschaffungswende. Der Schritt lässt offen, wie Berlin seine NATO-Verpflichtungen erfüllen will, für die vier F126 vorgesehen waren.


