
Frasers Group bietet 2 Milliarden Euro für die vollständige Kontrolle von Hugo Boss – Aufschlag von nur 4,3 Prozent
Die britische Einzelhandelsgruppe, die von Mike Ashley kontrolliert wird, hat ein freiwilliges öffentliches Angebot für die 74 Prozent der deutschen Modemarke vorgelegt, die sie noch nicht besitzt. Damit werden die verbleibenden Aktien mit rund 1,98 Milliarden Euro bewertet.
Das Angebot
Die Frasers Group, größter Aktionär von Hugo Boss mit einem Anteil von 26,06 Prozent, hat am Mittwochabend ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die deutsche Modemarke gestartet. Das reine Barangebot von 38 Euro pro Aktie entspricht einem Aufschlag von 4,3 Prozent auf den Schlusskurs von Hugo Boss von 36,44 Euro am Mittwoch. Das Angebot bewertet die restlichen 73,94 Prozent des Unternehmens mit rund 1,98 Milliarden Euro, was einem Gesamtunternehmenswert von etwa 2,7 Milliarden Euro für Hugo Boss entspricht.
Frasers erklärte, der Schritt diene dazu, „weitere Investitionen von Frasers in Hugo Boss zu ermöglichen“. Die Gruppe bezeichnete Hugo Boss als wichtigen Markenpartner und eine der fünf führenden Marken in ihrem Portfolio. Frasers erwartet den Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Reaktion von Hugo Boss
Hugo Boss teilte am späten Mittwoch mit, dass das Angebot nicht mit dem Unternehmen abgestimmt sei. Der Vorstand und der Aufsichtsrat werden das Angebot prüfen, sobald die formellen Unterlagen vorliegen, und dann eine begründete Stellungnahme abgeben. Das Unternehmen wies auf den niedrigen Aufschlag von rund 4 Prozent auf den jüngsten Schlusskurs hin.
Das Angebot wurde nicht mit dem Unternehmen koordiniert.
Marktreaktion und Skepsis der Analysten
Die Aktien von Hugo Boss sprangen am Donnerstag im Handel um bis zu 9,3 Prozent auf 39,84 Euro und lagen damit über dem Angebotspreis. Analysten bezeichneten den Aufschlag als gering, ein Händler merkte an, der Markt spekuliere auf ein höheres Angebot. Der Analyst Felix Dennl von der Bankhaus Metzler hielt konkurrierende Angebote für unwahrscheinlich.
Bloomberg Intelligence stellte die Frage, welche Maßnahmen Frasers ergreifen könnte, um eine Erholung bei Hugo Boss zu beschleunigen. Der angebotene Preis liegt unter den Niveaus, zu denen CEO Daniel Grieder während seiner Amtszeit Aktien kaufte, darunter eine Transaktion im Januar 2023 zu einem Durchschnittspreis von 56 Euro pro Aktie und ein Kauf im Januar 2024 für knapp unter 59 Euro.
- Die Frasers Group beginnt, ihren Anteil an Hugo Boss aufzubauen.
- Mike Ashley tritt aus dem Frasers-Vorstand aus; Michael Murray wird CEO.
- Hugo-Boss-CEO Daniel Grieder kauft Aktien zu einem Durchschnittspreis von 56 Euro.
- Hugo Boss hebt das Umsatzziel auf 5 Milliarden Euro an, kurz bevor sich die Marktbedingungen verschlechtern.
- Grieder kauft weitere Hugo-Boss-Aktien für knapp unter 59 Euro.
- Frasers entzieht Hugo-Boss-Aufsichtsratsvorsitzendem Stephan Sturm das Vertrauen.
- Frasers macht eine Kehrtwende und unterstützt Sturm und die Dividendenpolitik.
- Frasers startet ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zu 38 Euro pro Aktie.
Frasers und seine Strategie
Frasers baut seinen Anteil an Hugo Boss seit 2020 auf und liegt nun knapp unter der Schwelle von 30 Prozent, die nach deutschem Übernahmerecht ein Pflichtangebot auslösen würde. Die Gruppe hält zudem verkaufte Put-Optionen auf Hugo-Boss-Aktien, die sie über diese Schwelle drücken könnten. Das freiwillige Angebot kommt einem Pflichtangebot zuvor und beseitigt Unsicherheiten, so die Financial Times.
Frasers-CEO Michael Murray, Schwiegersohn des Gründers Mike Ashley, sitzt im Aufsichtsrat von Hugo Boss, nahm aber nicht an der Diskussion oder Entscheidung des Gremiums über das Angebot teil. Ashley hält 73,7 Prozent der Frasers Group und trat 2022 aus dem Vorstand aus, um Murray die CEO-Rolle zu überlassen.
Spannungen und Kehrtwenden
Die Beziehung zwischen dem Großaktionär und der Führung von Hugo Boss ist angespannt. Frasers entzog im November dem Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Sturm das Vertrauen und drohte, gegen jede vorgeschlagene Dividende zu stimmen, mit der Begründung, dass Bargeld in langfristiges Wachstum investiert werden sollte. Am Dienstag dieser Woche machte Frasers eine Kehrtwende und sprach sich für Sturm und die Dividendenpolitik aus.
Frasers bleibt ein Unterstützer von Hugo-Boss-CEO Daniel Grieder und Vorsitzendem Stephan Sturm.
Hugo Boss unter Druck
Hugo Boss bewegt sich in einem schwierigen Konsumumfeld. Das Management erwartet für das laufende Jahr einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich bei einem EBIT von 300 bis 350 Millionen Euro. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis von 391 Millionen Euro. Die Aktie notiert bei etwa der Hälfte ihres Wertes von vor drei Jahren.
Das Unternehmen hat vor sechs Monaten eine neue Strategie gestartet, um Filialen zu überholen, das Produktsortiment zu straffen und die Damenmode auszubauen. Seit Mitte 2021 hat der Schweizer CEO Daniel Grieder die Marke von einem Maßanzug-Hersteller zu einem breiteren Lifestyle-Label umpositioniert, in Marketing investiert und eine jüngere Zielgruppe angesprochen. Der anfängliche Erfolg verpuffte, als sich das Marktumfeld kurz nach der Anhebung des Umsatzziels auf 5 Milliarden Euro im Jahr 2023 verschlechterte.
BNP Paribas und Deutsche Bank fungierten als Finanzberater von Frasers bei dem Angebot.


