
Französische Pressegruppe APIG reicht Kartellbeschwerde gegen Google wegen KI-Übersichten ein
Die APIG, die fast 300 französische Tageszeitungen vertritt, forderte die französische Wettbewerbsbehörde am 11. August auf, gegen die Einführung von KI-Übersichten und KI-Modus durch Google vorzugehen, die am 22. Juli in Frankreich ohne vorherige Verhandlungen oder Vergütung für die Verleger gestartet wurden.
Beschwerde der APIG bei der Wettbewerbsbehörde
Die Alliance de la presse d'information générale (APIG), ein Zusammenschluss von fast 300 französischen Tageszeitungen, darunter Le Monde und Ouest-France, gab am Dienstag, den 11. August 2026, bekannt, dass sie bei der französischen Wettbewerbsbehörde Beschwerde gegen Google eingereicht hat. Die Beschwerde richtet sich gegen die Einführung von „KI-Übersichten“ und „KI-Modus“ durch Google in Frankreich am 22. Juli 2026, Funktionen, die KI-generierte Zusammenfassungen von Suchergebnissen erstellen und einen konversationellen Suchmodus bieten, der es Nutzern ermöglicht, mit der Suchmaschine zu dialogieren. Die APIG argumentiert, dass Google diese Tools „vor der Aufnahme von Verhandlungen“ eingeführt habe und die Verleger damit „vor vollendete Tatsachen“ stelle. Die einzige Alternative, die den Verlegern angeboten wurde, war ein technischer Rückzug, der zu einem Verlust an Sichtbarkeit für ihre Websites führt, so die Organisation. Die APIG forderte die Regulierungsbehörde außerdem auf, eine ähnliche Entscheidung zu treffen wie die im Juli, die Meta anordnete, einen Zahlungsplan vorzulegen und die Gespräche mit traditionellen Medien wieder aufzunehmen, die Gebühren für die Nutzung ihrer Inhalte durch die KI-Tools der Plattformen verlangen.
Forderungen der Verleger und Bedenken hinsichtlich des Traffics
Die Verleger fordern nicht, die Innovation zu stoppen, sondern dass der durch die KI-Tools generierte Wert geteilt und die Nutzung ihrer Inhalte vergütet wird, wie es ein französisches Gesetz von 2019 vorsieht, das eine europäische Richtlinie umsetzt, die „die Nutzung von Presseinhalten von einer vorherigen Genehmigung und Vergütung abhängig macht“. Marc Feuillée, Präsident der APIG und CEO der Figaro-Gruppe, äußerte die Position der Verleger.
Die Verleger fordern nicht, die Innovation zu stoppen. Sie fordern, dass dieser Wert geteilt und die Nutzung ihrer Produktionen vergütet wird, wie es das Gesetz vorschreibt.
Laut mehreren französischen Organisationen, die in der Erklärung der APIG zitiert werden, darunter die Regulierungsbehörde Arcom, wird der Traffic-Verlust in Ländern, in denen diese KI-Zusammenfassungen bereits eingeführt wurden, auf 33 % bis 38 % geschätzt. Die KI-Übersichten zeigen Zusammenfassungen oben in den Suchergebnissen an, während Links zu Zeitungsartikeln nur unten erscheinen, was Nutzer davon abhalten könnte, auf die Websites der Verleger zu klicken. Dies bedroht einen Sektor, der bereits unter rückläufigen Werbeeinnahmen leidet, was zu Personalabbau geführt hat.
Frühere Sanktionen und Googles Verpflichtungen
Die Wettbewerbsbehörde hatte Google bereits 2020 wegen unlauterer Praktiken sanktioniert und ihm die Verpflichtung auferlegt, mit Zeitungen zu verhandeln. Rumänischsprachige Quellen berichten von einer Geldstrafe von 500 Millionen Euro im Jahr 2022, weil Google diese Verpflichtungen nicht eingehalten hatte, woraufhin Google eine Vereinbarung zur Vergütung von Inhalten traf, die bis 2027 gültig ist. Französischsprachige Quellen berichten von einer separaten Geldstrafe von 250 Millionen Euro im März 2024, weil Google bestimmte Verpflichtungen aus den 2022 geschlossenen Vereinbarungen zu verwandten Schutzrechten nicht eingehalten hatte. Google hatte 2022 mit 450 Presseverlegern Vereinbarungen zu verwandten Schutzrechten getroffen, die es Zeitungen, Zeitschriften und Presseagenturen ermöglichen, vergütet zu werden, wenn ihre Inhalte von digitalen Plattformen genutzt werden. Die APIG ist der Ansicht, dass „die einseitige Nutzung neuer Verwendungen von Presseinhalten ohne vorherige Genehmigung diesen Verpflichtungen zuwiderläuft.“
- Wettbewerbsbehörde sanktioniert Google wegen unlauterer Praktiken und ordnet Verhandlungen mit Zeitungen an
- Google wird mit 500 Mio. € belegt, weil es Verhandlungsverpflichtungen nicht einhält (laut rumänischen Quellen); schließt Vereinbarungen mit 450 Verlegern zu verwandten Schutzrechten
- Google wird mit 250 Mio. € belegt, weil es bestimmte Verpflichtungen zu verwandten Schutzrechten nicht einhält (laut französischen Quellen)
- Google führt KI-Übersichten und KI-Modus in Frankreich ein
- APIG reicht Beschwerde bei der Wettbewerbsbehörde wegen KI-Einführung ein
Googles Position und nächste Schritte
Der Frankreich-Chef von Google, Sébastien Missoffe, sagte Ende Juli gegenüber AFP, es habe „regulatorische Blockaden gegeben, die wir nach unserer Einschätzung beseitigt haben“, und erklärte damit die verspätete Einführung der KI-Übersichten in Frankreich im Vergleich zu anderen Ländern, in denen die Funktionen 2024 und 2025 gestartet wurden. Die APIG erklärte, sie sei „offen für Verhandlungen“, die die Nutzung von Presseinhalten erlauben würden, die sie als „wesentlich für generative KI-Dienste“ bezeichnet, wolle dies jedoch „in einem Rahmen, der auf einer ausgehandelten Genehmigung und einer Vergütung basiert, die ihrem Wert angemessen ist“. Die Einreichung der Beschwerde „schließt den Weg zu Verhandlungen nicht aus“, präzisierte die APIG. Google äußerte sich zunächst nicht zu der Situation.


