
Frankreich verbietet unerwünschte Telefonwerbung mit Bußgeldern bis zu 375.000 € pro Anruf
Ein neues französisches Gesetz, das am 11. August 2026 in Kraft tritt, verbietet Unternehmen, Verbraucher ohne vorherige Einwilligung anzurufen, mit Bußgeldern bis zu 375.000 € pro Anruf, während Marokko warnt, dass 40.000 bis 50.000 Callcenter-Arbeitsplätze gefährdet sind.
Neues Opt-in-System ersetzt Bloctel
Das neue französische Telefonwerbegesetz trat am 11. August 2026 in Kraft und stellte das Land von einem Opt-out-System auf verbindliche Opt-in-Regeln um. Das vom Parlament am 30. Juni 2025 verabschiedete und von der Regierung von Präsident Emmanuel Macron unterstützte Gesetz verbietet Unternehmen, Verbraucher ohne deren vorherige Einwilligung zu kontaktieren. Das bisherige System, bekannt als Bloctel, erlaubte es Bürgern, ihre Nummern in eine staatliche Sperrliste einzutragen, doch Verbraucherschützer sagten, einige Callcenter ignorierten die Liste.
Alice Vilcot, Stabschefin der Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung, erläuterte den neuen Rahmen.
Unternehmen ist es untersagt, Verbraucher ohne deren vorherige Einwilligung zu kontaktieren. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden.
Weit verbreitete Frustration und Durchsetzung
Die Behörden schätzen, dass etwa drei Viertel der Menschen in Frankreich mindestens einmal pro Woche einen unerwünschten Verkaufsanruf erhalten, viele sogar häufiger. Eine von UFC-Que Choisir zitierte Umfrage von Les Echos ergab, dass 97 % der Franzosen sagen, sie seien immer noch genervt von dieser Praxis, und fast ein Drittel der Bevölkerung erhält häufig Anrufe. Im Jahr 2024 forderten 11 Verbraucherorganisationen gemeinsam ein Verbot und prangerten an, was sie als unerbittliche Belästigung der Verbraucher durch unzählige unerwünschte Telefonwerbeanrufe auf Festnetz- und Mobiltelefonen bezeichneten, und nannten es einen Eingriff, der zu einem regelmäßigen Bestandteil des Alltags geworden sei.
Nach dem neuen Gesetz können Personen, die illegale Anrufe tätigen, mit bis zu 75.000 € pro Anruf bestraft werden, während Unternehmen mit Bußgeldern von bis zu 375.000 € pro Anruf rechnen müssen. Vilcot merkte an, dass ein in Irland ansässiges Unternehmen im letzten Jahr mit 6 Millionen € bestraft wurde, weil es gegen Frankreichs frühere Telefonwerberegeln verstoßen hatte, indem es Personen auf der Sperrliste anrief.
- Bloctel-Opt-out-Register gestartet; UFC-Que Choisir-Umfrage ergibt, dass fast jeder zweite registrierte Nutzer weiterhin Anrufe erhält
- 11 Verbraucherorganisationen fordern gemeinsam ein Verbot unerwünschter Telefonwerbung
- Französisches Parlament verabschiedet das Telefonwerbe-Opt-in-Gesetz
- Gesetz tritt in Kraft, ersetzt Bloctel durch verbindliche vorherige Einwilligung
- Einzelperson (pro Anruf)
- 75000 €
- Unternehmen (pro Anruf)
- 375000 €
Fragen zur Wirksamkeit
Bogdan Bodnar, Technik- und Cyberkriegsjournalist bei La Tribune, sagte gegenüber Franceinfo, dass Bloctel sich schnell als unwirksam erwiesen habe. Eine UFC-Que Choisir-Umfrage, die Wochen nach dem Start von Bloctel im Jahr 2016 durchgeführt wurde, ergab, dass fast jeder zweite Registrierte weiterhin Anrufe erhielt. Bodnar sagte, das Verschwinden von Bloctel werde nicht sehr sichtbar sein und nicht viel im Alltag der Franzosen ändern.
Drittfirmen, die versuchten, Ihnen andere Verträge oder manchmal Betrug zu verkaufen, werden Sie weiterhin anrufen können.
Er beschrieb eine Reihe technischer Umgehungsmöglichkeiten, darunter die Verwendung gefälschter Telefonnummern und Briefkastenfirmen. Bloctel wurde Berichten zufolge auch gehackt, wobei drei Millionen Leitungen offengelegt wurden, obwohl Bodnar warnte, dass Hacker oft bluffen und Behauptungen mit Vorsicht zu behandeln seien.
Auswirkungen auf Marokkos Callcenter-Branche
Das Gesetz hat in Marokko Besorgnis ausgelöst, wo Arbeitsminister Younes Sekkouri den Abgeordneten mitteilte, dass zwischen 40.000 und 50.000 Arbeitsplätze in den Callcentern des Landes gefährdet seien. Laut Ouest France räumte Sekkouri ein, dass diese Arbeitsplätze einem Verschwindensrisiko ausgesetzt sein könnten. Die Branche hat Investitionen in Höhe von rund 100 Millionen Dollar angezogen und erwirtschaftet in Marokko einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Dollar. Niedrige Arbeitskosten, eine große französischsprachige Belegschaft und relativ schwache Gewerkschaften haben Marokko zu einem attraktiven Outsourcing-Standort gemacht, insbesondere für französische Unternehmen, die Kosten senken wollen.
Ausnahmen und Meldung
Das Gesetz enthält Ausnahmen. Verbraucher können der Zusendung von Werbeanrufen zustimmen, indem sie beispielsweise auf einem Formular ein Kästchen zur Einwilligung ankreuzen. Unternehmen können auch bestehende Kunden mit neuen kommerziellen Angeboten kontaktieren, wenn bereits eine vertragliche Beziehung besteht. Personen können unerwünschte Anrufe über eine Regierungswebsite melden.


