
Frankreich hinterlässt der Schweiz eine G7-Sicherheitsrechnung von 30 Millionen Franken nach gescheiterten Kostenbeteiligungsgesprächen
Drei Wochen nach dem G7-Gipfel in Évian sind die Verhandlungen gescheitert: Frankreich wird sich nicht an der 30 Millionen Franken schweren Schweizer Sicherheitsrechnung für Proteste beteiligen, die nach Genf übergeschwappt sind.
Drei Wochen nach dem G7-Gipfel in Évian bleibt die Schweiz auf einer Sicherheitsrechnung von 30 Millionen Franken sitzen, die Frankreich nicht bezahlen will. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte dem Schweizer öffentlich-rechtlichen Rundfunk SRF mit, dass die Verhandlungen über eine Kostenbeteiligung gescheitert seien, trotz eines persönlichen Appells von Bundespräsident Guy Parmelin an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
Proteste schwappen über den See
Tausende Demonstranten versammelten sich Mitte Juni in Genf, nachdem die französischen Behörden Proteste in der Grenzregion nahe dem Gipfelort verboten hatten. Die Kundgebung in Genf artete in Gewalt aus: Schaufenster wurden zertrümmert, Feuer gelegt und ein Tesla brannte aus. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Gummigeschosse ein, Dutzende Verletzte und Festnahmen wurden gemeldet. Die Unruhen erinnerten an den G8-Gipfel 2003 in Évian, als es auch in Genf zu massiven Ausschreitungen mit Sachschäden und Plünderungen in Millionenhöhe kam.
Schweizer Einsatz und die Rechnung
Um eine Wiederholung von 2003 zu verhindern, mobilisierte die Schweiz 4000 Armeeangehörige, setzte Polizisten aus zahlreichen Kantonen ein und verschärfte die Grenzkontrollen. Die Genfer Sicherheitsdirektorin Carole-Anne Kast bezifferte die gesamten Sicherheitskosten in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung L'Agefi auf 30 Millionen Franken. Ein Teil dieser Summe wird vom Schweizer Bundesstaat übernommen, doch der Kanton Genf drängt Bern, weiterhin auf eine Beteiligung Frankreichs zu pochen.
Gescheiterte Verhandlungen
Parmelin hatte bereits vor dem Gipfel Geld von Frankreich gefordert und in der SRF-Samstagsrundschau erklärt, dass Lösungen zu Kosten und Sicherheit wichtig seien. Das EDA berichtet nun, dass diese Verhandlungen ergebnislos verliefen.
In der Frage der Sicherheitskosten konnten sich die Schweiz und Frankreich nicht auf eine Kostenbeteiligung Frankreichs einigen.
Die Gespräche sollen fortgesetzt werden, doch das EDA sieht wenig Erfolgsaussichten.
Die Aussicht, dass sich Frankreich an den Sicherheitskosten beteiligt, ist jedoch gering.
Brief an Macron
Wie französische Medien berichteten, übermittelte Parmelin Macron in einem Brief die Kritik der Schweiz, doch die Rechnung bleibt unbezahlt. Als kleiner Trost erhielt der Bundespräsident eine Einladung Frankreichs zum G7-Gipfeldinner.


