
Frankreich stoppt russlandnahen Öltanker vor Sizilien bei Schattenflotten-Kampagne
Der französische Präsident Emmanuel Macron gab die Beschlagnahmung der Deliver am Donnerstag bekannt – der jüngste europäische Schlag gegen Moskaus sanktionsumgehende Flotte.
Französische Spezialkräfte enterten am Dienstag den Öltanker Deliver in internationalen Gewässern vor Sizilien. Paris bezeichnete dies als den jüngsten Vorstoß des Landes, die sogenannte russische Schattenflotte zu stören. Präsident Macron veröffentlichte ein Video des Einsatzes in den sozialen Medien, das schwer bewaffnete Einsatzkräfte zeigt, die per Hubschrauber auf dem Deck des Schiffs landen.
Der Einsatz
Der Tanker war vom russischen Ostseehafen Primorsk in Richtung Sueskanal unterwegs, Ziel war Singapur. Er fuhr unter der Flagge Kameruns, doch die französischen Behörden erklärten, Kamerun habe das Schiff Wochen zuvor aus dem Register gestrichen. Laut Paris fuhr das Schiff daher ohne Nationalität unter Verstoß gegen das internationale Seerecht, was der französischen Marine das Recht gab, es zu entern und festzusetzen.
Am Dienstag enterte die französische Marine die Deliver vor der Küste Siziliens unter Verstoß gegen das Seerecht.
Verteidigungsministerin Catherine Vautrin erklärte, der Tanker stehe im Verdacht, unter falscher Flagge zu fahren, und bezeichnete die Schattenflotte als direkte Bedrohung der Sicherheit der Seefahrt und der Umwelt.
Breitere Kampagne gegen die Schattenflotte
Seit Anfang 2026 haben europäische Länder neun Tanker beschlagnahmt, die im Verdacht stehen, zum sanktionsumgehenden Netzwerk Moskaus zu gehören, davon vier allein durch Frankreich. Drei weitere wurden im Rahmen einer europäischen Marinemission im Mittelmeer inspiziert, wie eine westliche Militärquelle mitteilte. Die Kampagne wurde in den letzten Monaten intensiviert, wobei französische und britische Kräfte mehrfach koordiniert vorgingen.
- Europäische Länder beginnen, die Festsetzungen und Inspektionen mutmaßlicher Schattenflotten-Tanker zu intensivieren.
- Frankreich inspiziert mit Unterstützung des Vereinigten Königreichs ein verdächtiges Schiff im Atlantik.
- Das Vereinigte Königreich beschlagnahmt den Tanker Smyrtos im Ärmelkanal – seine erste Schattenflotten-Operation.
- Die französische Marine entert und setzt den Tanker Deliver nahe Sizilien fest, wegen Verstoßes gegen das internationale Seerecht.
Rechtlicher und wirtschaftlicher Kontext
Die Schattenflotte besteht häufig aus älteren Schiffen mit undurchsichtigen Eigentumsstrukturen, die genutzt werden, um Öl und Gas zu transportieren und gleichzeitig die nach der Invasion der Ukraine 2022 verhängten Preisobergrenzen und Sanktionen des Westens zu umgehen. Vautrin betonte, dass die Unterbrechung dieser Finanzierungswege entscheidend sei, um die Kriegswirtschaft Russlands einzudämmen. Die EU verhandelt derzeit über ihr 21. Sanktionspaket, das darauf abzielt, die Schlupflöcher zu schließen, die es Moskau ermöglichen, weiterhin Millionen Barrel in Länder wie Indien und China zu exportieren.
Wir werden nicht zulassen, dass die Schattenflotte Sanktionen umgeht und Russlands Kriegsanstrengungen finanziert. Europa ist entschlossen.
Britischer Vorstoß und russische Reaktion
Am 14. Juni führte Großbritannien seine erste Operation dieser Art durch und enterte den Tanker Smyrtos im Ärmelkanal. Laut Daily Telegraph erwägt die scheidende Regierung von Keir Starmer, die rund 100.000 Tonnen Urals-Rohöl an Bord zu konfiszieren und zu versteigern. Ihr Wert wird auf rund 35 Millionen Pfund geschätzt, der Erlös soll an die Ukraine gehen. Moskau betrachtet alle derartigen Abfangmanöver als illegal und prüft eigenen Angaben zufolge rechtliche Schritte im Fall der Smyrtos.


