KI-generiert·Mehr erfahren
© EL MUNDO
Diplomatie·vor 1 Std.

USA und Iran verkünden Abkommen zur Beendigung des viermonatigen Krieges, doch fragiler Waffenstillstand lässt Kernfragen ungelöst

Nach mehr als 100 Tagen Krieg haben die USA und der Iran eine Absichtserklärung zur Beendigung der Feindseligkeiten erzielt, doch Israel hat das Abkommen abgelehnt, und die Atomfrage bleibt ungelöst.

Eine fragile Absichtserklärung

Die Vereinigten Staaten und der Iran haben am Sonntag eine Absichtserklärung zur Beendigung von mehr als 100 Tagen militärischer Auseinandersetzungen bekannt gegeben; die formelle Unterzeichnung ist für Freitag in der Schweiz geplant. Die Vereinbarung verlängert einen fragilen 60-tägigen Waffenstillstand und verpflichtet beide Seiten zu weiteren Verhandlungen. Ihre unmittelbare Priorität ist die vollständige Wiedereröffnung der Straße von Hormus, einem Nadelöhr für ein Fünftel der globalen Öllieferungen. Washington hat sich bereit erklärt, die Sanktionen auf iranische Ölexporte auszusetzen und 24 Milliarden Dollar an eingefrorenen Vermögenswerten freizugeben, während das iranische Atomprogramm für spätere Gespräche zurückgestellt wird.

Die Öffnung der Straße von Hormus ist das wichtigste Ergebnis dieser Absichtserklärung. Natürlich war die Straße vor dem Krieg bereits offen. Jetzt zahlen wir für ihre Wiedereröffnung im Austausch gegen die Aufhebung der Sanktionen.

Entscheidend ist, dass die Absichtserklärung weder die Zukunft der iranischen Urananreicherung noch die regionalen Stellvertreter des Landes anspricht. Der Verbleib von 450 Kilogramm auf über 60 % angereichertem Uran bleibt unbekannt – eine direkte Folge des Austritts der USA aus dem Atomabkommen von 2015 im Jahr 2018.

Wichtige Ereignisse des US-iranischen Konflikts und Friedensprozesses
  1. USA und Israel starten Militäroffensive gegen den Iran mit Verweis auf Regimewechsel und nukleare Bedrohung.
  2. Iranische Polizei meldet über 6.500 Festnahmen wegen Verbindungen zum Feind; 38 politische Gefangene während des Krieges hingerichtet.
  3. Israel bombardiert Beirut, um zu verhindern, dass der Iran seine Abschreckung auf die Hisbollah ausweitet.
  4. USA und Iran kündigen Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges an.
  5. Netanjahu hält Pressekonferenz, behauptet, der Feldzug habe Israel vor nuklearer Vernichtung bewahrt.
  6. Märkte reagieren verhalten: Öl nahe Drei-Monats-Tief, japanische Aktien auf Rekordhoch; Bank von Japan erhöht Zinssatz.

Israel an der Seitenlinie

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der gemeinsam mit Donald Trump auf den Krieg gedrängt hatte, steht durch das Abkommen isoliert da. In einer Pressekonferenz am Montag wies er jeden Anschein eines Scheiterns zurück und fragte: „Welches Scheitern? Schauen Sie sich Israel am 7. Oktober und jetzt an. Wie können Sie das vergleichen? Ich habe überhaupt nicht unrecht gehabt.“ Er behauptete, der Feldzug habe die Israelis vor einer „unmittelbaren Vernichtungsbedrohung“ bewahrt, indem er verhindert habe, dass der Iran Atomwaffen erlangt.

Doch das Abkommen sagt nichts über die Entwaffnung der Hisbollah im Libanon, und israelische Minister bestehen darauf, dass ihr Land nicht an dessen Bedingungen gebunden sei. Am Samstag bombardierte Israel Beirut, um genau zu verhindern, dass der Iran seinen Abschreckungsschirm auf seinen libanesischen Verbündeten ausweitet.

Nach der Wiederherstellung seiner eigenen Abschreckung versuchte Teheran nun, diese auf seine Verbündeten auszuweiten, als Teil eines umfassenderen Bemühens, seine vorgeschobene Verteidigungshaltung wieder aufzubauen. Wie erwartet sah Israel darin eine direkte Herausforderung seiner traditionellen Bewegungsfreiheit und handelte schnell, um zu verhindern, dass die neue Doktrin Fuß fasst.

Mit israelischen Wahlen in vier Monaten und Umfragen, die ihn abgeschlagen zeigen, sieht Netanjahus politische Zukunft prekär aus.

Innere Konsolidierung des iranischen Regimes

Die Islamische Republik ist keineswegs zusammengebrochen, sondern hat den Krieg genutzt, um ihren inneren Griff zu verschärfen. Während des Konflikts wurden 38 politische Gefangene hingerichtet und über 6.500 Menschen wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit mit dem Feind festgenommen, so Iran Human Rights und lokale Medien. 87 Tage lang verhängte das Regime strenge Internetbeschränkungen, die teilweise noch fortbestehen.

Der Krieg bot, was Wissenschaftler als „Gelegenheit der Autorität“ bezeichnen: eine Krise, die einem angeschlagenen Regime erlaubt, die Kontrolle auszuweiten und Opposition zum Schweigen zu bringen. Vor dem Krieg hatten Proteste im Januar 2026 gegen Inflation, Korruption und Arbeitslosigkeit weitverbreitete Unruhen gezeigt. Oberster Führer Ali Chamenei wurde während der Kämpfe getötet, aber sein Sohn Modschtaba Chamenei ist ihm nachgefolgt und präsentiert das Regime nun als „unzerstörbare Sieger“.

Märkte atmen vorsichtig auf

Die globalen Finanzmärkte reagierten mit verhaltenem Optimismus. Die Ölpreise fielen auf ein Drei-Monats-Tief, wobei Rohöl der Sorte Brent bei 82,90 Dollar pro Barrel gehandelt wurde, ein Minus von 0,3 %. Die asiatischen Aktienmärkte zogen an: Der südkoreanische Kospi stieg um 2,3 %, und der japanische Nikkei erreichte mit über 70.000 Punkten ein Allzeithoch, nachdem die Bank von Japan die Zinsen um 25 Basispunkte auf 1 % angehoben hatte. Europäische Futures deuteten auf eine flache Eröffnung hin, während der MSCI-Weltindex schwankte. Ökonomen der ANZ merkten an, dass „es Zeit brauchen wird, bis sich die Märkte stabilisieren und die Ölströme durch die Straße von Hormus normalisieren“.

Zweifel und internationale Kritik

Trotz der Erleichterung ist die Skepsis tief verwurzelt. Antonio Maíllo, Vorsitzender der spanischen Vereinigten Linken, sagte Reportern, er bezweifle, dass der Frieden halten werde, und verwies auf „wenig Vertrauen“ in „Völkermörder wie Netanjahu oder Trump“. Er bestand darauf, dass ihr richtiger Platz der Internationale Gerichtshof in Den Haag sei. Analysten warnen, dass die Absichtserklärung ein Minimalabkommen ist, das aus gegenseitiger Erschöpfung und nicht aus strategischer Lösungsfindung entstanden ist. Wie ein Leitartikel anmerkte, ist der Krieg ohne einen Gewinner zu Ende gegangen, es sei denn, man betrachtet das iranische Regime selbst als solchen.

Teheran · Beirut · Washington · Genf

8 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft