Fitch bestätigt Polen mit A- und negativem Ausblick – Verweis auf Defizite und politische Spannungen
Fitch Ratings hat am Freitagabend Polens langfristiges Kreditrating in Fremd- und Inlandswährung bei A- bestätigt und den negativen Ausblick aufgrund hoher Haushaltsdefizite und begrenzter Konsolidierungsperspektiven beibehalten.
Bestätigung des Ratings und wirtschaftlicher Hintergrund
Am Freitagabend bestätigte Fitch Ratings Polens langfristige Kreditratings für Fremd- und Inlandswährung bei A- sowie die kurzfristigen Ratings bei F1 und behielt den negativen Ausblick bei. Die Agentur begründete das A- Rating mit einer diversifizierten und widerstandsfähigen Wirtschaft, den Vorteilen der EU-Mitgliedschaft, einem glaubwürdigen Rahmen für Geld- und Wechselkurspolitik sowie soliden externen Finanzen im Vergleich zu anderen Ländern. Fitch prognostiziert für Polen ein Wirtschaftswachstum von 2,9 % im Jahr 2027. Die Agentur stellte diesen grundlegenden makroökonomischen Stärken jedoch hohe Haushaltsdefizite, schnell steigende Staatsverschuldung und niedrigere Governance-Indikatoren im Vergleich zu anderen Ländern der Ratingkategorie A gegenüber.
Prognosen zum Haushaltsdefizit und Schuldenentwicklung
Polen verzeichnete 2025 ein gesamtstaatliches Defizit von 7,3 % des Bruttoinlandsprodukts, den höchsten Wert seit 15 Jahren, während die Staatsverschuldung 59,7 % des BIP erreichte. Fitch prognostiziert für 2026 ein gesamtstaatliches Defizit von 6,9 % des BIP, mehr als doppelt so hoch wie der Median von 3 % für vergleichbare Länder. Die Ratingagentur korrigierte ihre Defizitprognose für 2027 nach oben auf 6,7 % des BIP, gegenüber den 6,2 % aus ihrer Überprüfung im Februar, und erwartet für 2028 weiterhin erhöhte Defizite von 6,1 %. Fitch prognostiziert zudem, dass die gesamtstaatliche Bruttoverschuldung bis 2028 auf 72,7 % des BIP ansteigen wird. Polen unterliegt weiterhin dem 2024 eingeleiteten Verfahren der EU bei übermäßigem Defizit, während nationale Fiskalregeln wie die gesetzliche Schuldenbremse vor 2029 voraussichtlich keine bindende Wirkung entfalten werden.
- 2025
- 7.3 % des BIP
- 2026
- 6.9 % des BIP
- 2027
- 6.7 % des BIP
- 2028
- 6.1 % des BIP
Politische Spannungen und fiskalpolitische Zwänge
Fitch erklärte, dass der negative Ausblick das Fehlen eines glaubwürdigen Plans zur Haushaltskonsolidierung, innenpolitische Herausforderungen und Risiken einer vorzeitigen Lockerung vor der Wahl 2027 widerspiegele. Die Agentur stellte fest, dass unkoordinierte und konfrontative Beziehungen zwischen Regierung und Präsident, einschließlich präsidialer Vetos, Polens Fähigkeit zur Umsetzung von Wirtschaftsreformen und Haushaltsmaßnahmen einschränken. Anhaltender Druck durch Gesundheitsausgaben, Verteidigungsausgaben und Zinszahlungen auf die Staatsverschuldung behindert ebenfalls den Defizitabbau. Während Fitch-Präsident Ian Linnell den Druck durch Verteidigungsausgaben anerkannte, wies er darauf hin, dass auch Sozialtransfers und öffentliche Gehälter zentrale Treiber des polnischen Haushaltsdefizits seien. Finanzminister Andrzej Domański äußerte sich auf der Social-Media-Plattform X zu dem Ergebnis.
Das sind sehr gute Nachrichten. Die polnische Wirtschaft bleibt aus Sicht der Agentur stark, widerstandsfähig und gut diversifiziert.
Ratingbedingungen und Termine der Länderprüfungen
Fitch deutete an, dass eine Heraufstufung des Ratingausblicks auf stabil einen langsameren Anstieg der Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP erfordern würde, der durch einen Defizitabbau oder anhaltendes Wirtschaftswachstum erreicht werden müsste. Eine Herabstufung des Ratings könnte erfolgen, wenn die Behörden das Defizit aufgrund fehlender Konsolidierung oder Vorwahlausgaben nicht senken können oder wenn das mittelfristige Wachstum aufgrund nachlassender Wettbewerbsfähigkeit nachlässt. Die polnische Regierung schlug Steueränderungen vor, die einen neuen persönlichen Einkommensteuersatz, höhere Steuerstufen und höhere Körperschaftsteuern für große Unternehmen vorsehen, obwohl das Finanzministerium erwartet, dass dieses Paket aufkommensneutral bleibt. Fitch hatte den Ausblick für Polen zuvor im September 2025 von stabil auf negativ gesenkt. Unter den anderen Ratingagenturen bewertet Moody's Polen mit A2 und negativem Ausblick vor seiner Überprüfung am 18. September, während S&P Global Ratings ein A- Rating mit stabilem Ausblick vor seiner Überprüfung am 6. November beibehält.
- Fitch senkt Polens Ratingausblick von stabil auf negativ
- Fitch bestätigt A- Rating und behält negativen Ausblick bei
- Moody's geplante Länderprüfung
- S&P Global Ratings geplante Länderprüfung


