
Feuerspeiende ‚Drachenwolken‘ über Frankreich und Spanien – Wissenschaftler warnen vor gefährlichem PyroCb-Phänomen
Während Frankreich und Spanien mit einigen der schwersten Waldbrände der jüngeren Geschichte kämpfen, warnen Experten vor einem seltenen und gefährlichen Pyrocumulonimbus-Phänomen, das erstmals über den Feuern auftritt und eigene Blitze sowie unberechenbare Winde erzeugt, die die Brandausbreitung beschleunigen.
Was sind Feuerwolken?
Pyrocumulonimbus-Wolken, kurz PyroCb, sind gigantische Gewitterwolken, die aus der Hitze eines massiven Waldbrandes entstehen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Rauchwolken können diese Gebilde die Troposphäre durchbrechen und in die Stratosphäre vordringen, wobei sie Höhen von 10 bis 15 Kilometern erreichen. Die NASA hat sie aufgrund ihrer Fähigkeit, Blitze, Hagel und heftige Fallwinde zu erzeugen, während sie sich vom Feuer darunter ernähren, als „feuerspeiende Drachen“ beschrieben.
Es handelt sich um ein ausgewachsenes Gewitter, das sich innerhalb der Rauchwolke bildet. Diese Systeme können bis zu 10.000 Kubikkilometer Atmosphäre einnehmen, die Auswirkungen sind also weitreichend.
Wie ein Feuer seinen eigenen Sturm erzeugt
Ein großer Waldbrand setzt enorme Mengen an Wärme und Feuchtigkeit aus der Vegetation frei. Diese überhitzte Luft, die Rauch und Asche mit sich führt, steigt in einem starken Aufwind schnell auf. Während die Säule aufsteigt, sinkt der atmosphärische Druck, Wasserdampf kondensiert, und eine Pyrocumulus-Wolke erscheint. Wenn das Feuer intensiv genug ist, die Atmosphäre instabil ist und in höheren Schichten ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist, wächst die Wolke weiter zu einem vollständigen Pyrocumulonimbus, einem quasi eigenständigen Gewitter in der Rauchsäule.
Warum sie so gefährlich sind
Sobald sich ein PyroCb gebildet hat, kann es das Brandverhalten drastisch verändern. Die Wolke erzeugt lokale Winde, die die Flammen in unvorhersehbare Richtungen fächeln, manchmal mit eigenen Blitzeinschlägen, die Kilometer entfernt vom Hauptbrand neue Feuer entfachen. Feuerwehrleute am Boden sind plötzlichen Windwechseln und extremer Turbulenz ausgesetzt, was die Bekämpfungsbemühungen weitaus gefährlicher macht.
Das Erscheinen einer solchen Wolke ist der ultimative Beweis dafür, dass das Feuer extrem gefährlich geworden ist.
Erstes Auftreten in Südwestfrankreich
Die französischen Feuerwehrbehörden im Département Gironde meldeten ein „pyrometeorologisches Phänomen“ über einem großen Waldbrand und bezeichneten es als beispiellos für das Land. Der Brand, angefacht durch hohe Temperaturen, Dürre und starke Winde, bot die perfekten Bedingungen für die Entwicklung der Wolke. Während PyroCb-Ereignisse eher aus Australien und Nordamerika bekannt sind, unterstreicht ihr Auftreten in Europa, wie extremes Feuerwetter in Regionen, die es zuvor kaum erlebt haben, immer häufiger wird.
Ähnliche Bedingungen wurden auch in Spanien beobachtet, wo ebenfalls mehrere große Waldbrände wüten, obwohl die spektakulärste Wolkenbildung über dem französischen Südwesten dokumentiert wurde. Experten warnen, dass der in die Stratosphäre eingebrachte Rauch und Ruß monatelang verbleiben und Tausende von Kilometern zurücklegen kann, was die Luftqualität und das Klima weit über die Brandzone hinaus beeinträchtigen könnte.

