
Feuersturm-Phänomen macht Gironde-Waldbrand erstmals in Frankreich unkontrollierbar
Über dem Gironde-Brand hat sich eine Pyrocumulonimbus-Wolke, ein sogenannter 'Feuersturm', gebildet, der eigene Blitze und Winde erzeugt, die die Feuerwehr nach eigenen Angaben nicht stoppen kann.
Ausmaß des Feuers und Evakuierungen
Der Waldbrand in Gironde im Südwesten Frankreichs hat 42.000 Hektar verbrannt (viermal die Fläche von Paris) und ist nun 15 Kilometer von Bordeaux entfernt. Seit Mittwoch, dem 23. Juli, haben die Behörden 220.000 Menschen evakuiert. Das Feuer bleibt völlig unkontrolliert, und die Feuerwehrleute beschreiben eine Situation der Ohnmacht.
Das Pyrocumulonimbus-Phänomen
Zum ersten Mal in Frankreich erzeugte das Feuer eine Pyrocumulonimbus-Wolke, einen sogenannten „Feuersturm“. Oberstleutnant Éric Brocardi, Sprecher des Nationalen Feuerwehrverbandes, erklärte, dass intensive Bodenhitze in einer Säule aufsteigt und auf kältere Luft trifft, wodurch eine Wolke entsteht, die ihr eigenes Wetter erzeugt. „Diese Rauchwolke erzeugt ihre eigene Meteorologie mit Selbstentzündung von allem in ihrem Weg. Im Inneren bilden sich Blitze, die auf Glut am Boden einschlagen und das Feuer weiter anheizen“, sagte er. Das Phänomen trat zweimal auf: am Freitagnachmittag, dem 25. Juli, und erneut am Samstagabend, dem 26. Juli. Die Wolke erzeugt zudem ein tiefes Grollen, „wie etwas, das knurrt“, fügte Brocardi hinzu, und kann Feuer-Tornados hervorbringen.
Der Temperaturanstieg am Boden, im Herzen des Feuers, ist so groß, dass die intensive Hitze in einer Säule aufsteigt und oben auf kältere Luftmassen trifft. Der Kontakt erzeugt eine Pyrocumulonimbus-Wolke, einen sogenannten Feuersturm – leider ohne Feuchtigkeit.
Herausforderungen für die Feuerwehr
Das Feuer ist „konvektiv“, es erzeugt eigene unberechenbare Winde, die sich ständig ändern. Dies führt dazu, dass sich der Brand in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was eine herkömmliche Eindämmung unmöglich macht. Marc Vermeulen, Direktor des Feuerwehrdienstes von Gironde, verglich es mit einem Hurrikan. „Wenn dieses Phänomen ausbricht, ist es, als stünde man einem Hurrikan gegenüber. Man stoppt keinen Hurrikan, man schützt Menschenleben und Einrichtungen, und wenn er sich beruhigt, startet man einen Angriff, um ihn zu bekämpfen“, sagte er. Bataillonschef Florian Lointier beschrieb den Kampf als „David gegen Goliath“, was bedeutet, dass die Feuerwehrleute die Flammen zeitweise nicht direkt bekämpfen können. Er nannte das Feuer „intensiv, titanisch“.
Blitze und neue Brände
Am Samstag erzeugte die Pyrocumulonimbus-Wolke elektrische Aktivität mit Blitzeinschlägen. Ein Einschlag entfachte ein neues Feuer südlich der Straße D105, das später unter Kontrolle gebracht wurde. Die Unberechenbarkeit des Feuers macht jede Schätzung seiner Ausbreitung unmöglich.
Eine Premiere für Frankreich
Solche Feuerstürme werden typischerweise in Kanada, Australien und zuletzt in Los Angeles beobachtet. Im letzten Jahr zeigte ein massives Feuer in der Region Aude ähnliche, aber weniger intensive Effekte. Präfektin Sophie Brocas nannte das Ereignis „ein unglaubliches, beispielloses, unbekanntes Phänomen“.
- Evakuierungen beginnen; 220.000 Menschen werden schließlich vertrieben
- Erste Pyrocumulonimbus-Wolke bildet sich über dem Feuer
- Zweite Pyrocumulonimbus-Wolke bildet sich; Blitzschlag entfacht neues Feuer südlich der D105
- Feuer hat 42.000 Hektar verbrannt, 15 km von Bordeaux entfernt

