
Italienische Polizei nimmt Verdächtigen fest, nachdem 60-jähriger Rabbiner an Bushaltestelle in Mailand angegriffen wurde
Die Mailänder Polizei hat einen 20-jährigen Verdächtigen festgenommen und zwei Komplizen angezeigt, nachdem ein 60-jähriger Rabbiner im Stadtteil Bande Nere am helllichten Tag angegriffen wurde.
Angriff an der Bushaltestelle Bande Nere
Am Mittwoch, dem 16. September 2026, kurz vor 18:00 Uhr, wurde ein 60-jähriger Rabbiner angegriffen, während er im Stadtteil Bande Nere von Mailand auf einen Bus wartete. Die Bushaltestelle befindet sich in der Nähe des jüdischen Viertels der Stadt. Laut Polizei und Gemeindevertretern näherten sich drei junge Männer dem Rabbiner und erkannten seinen Glauben an seiner traditionellen religiösen Kleidung. Die Angreifer begannen, das Opfer zu schubsen und verbal zu beleidigen, das nicht reagierte oder sich wehrte. Die Auseinandersetzung eskalierte, als die Angreifer ihn mit Tritten und Schlägen trafen, auf ihn spuckten und ihm seine Kopfbedeckung abrissen. Sie nahmen seine Kippa, traten darauf herum und verspotteten ihn, indem sie sie selbst trugen, bevor sie zu Fuß in Richtung der U-Bahn-Station Bande Nere flohen. Trotz seiner Verletzungen machte der Rabbiner Fotos und eine Videoaufnahme der fliehenden Männer. Dann kontaktierte er die Strafverfolgungsbehörden, erstattete auf der örtlichen Polizeiwache formell Strafanzeige und suchte ein Krankenhaus zur medizinischen Untersuchung auf.
Polizeiliche Ermittlungen und Festnahmen
Spezialermittler der Mailänder DIGOS-Abteilung spürten die drei Verdächtigen kurz nach der Sichtung des Videomaterials des Opfers auf. Am 17. September 2026 nahm die Polizei einen 20-jährigen Mann tunesischer Herkunft fest, der legal in Italien lebt und bereits wegen Raubüberfällen vorbestraft ist. Die Behörden identifizierten ihn als den Haupttäter, der während des Angriffs den körperlichen Tritt ausführte. Zwei weitere Männer wurden den Staatsanwälten ohne sofortige Inhaftierung gemeldet: ein 19-Jähriger tunesischer Herkunft und ein 22-Jähriger marokkanischer Herkunft. Beide Komplizen haben ebenfalls Vorstrafen wegen Jugenddelikten und Raubüberfällen in der Provinz Mailand. Die Ermittler stellten fest, dass alle drei Verdächtigen in Italien als Kinder nordafrikanischer Familien geboren wurden und außerhalb der Stadt wohnen, aber häufig nach Mailand reisen, um dort Straßenverbrechen gegen Gleichaltrige zu begehen. Die Staatsanwaltschaft Mailand eröffnete das Verfahren unter der rechtlichen Einordnung als Raub, während die Stadtverwaltung Ausweisungsverfügungen (foglio di via) einleitete, um allen drei Personen den Aufenthalt in Mailand zu untersagen.
- Drei Angreifer greifen einen 60-jährigen Rabbiner an einer Bushaltestelle in Mailand an und verprügeln ihn.
- Polizei identifiziert drei Verdächtige, nachdem das Opfer Fotos und Video vom Tatort zur Verfügung stellt.
- DIGOS-Beamte nehmen einen 20-jährigen Verdächtigen fest und erheben Anklage gegen zwei Komplizen.
Politische und gesellschaftliche Reaktionen
Der Angriff rief Verurteilungen von italienischen Regierungsvertretern und Vertretern jüdischer Organisationen im ganzen Land hervor. Walker Meghnagi, Präsident der Jüdischen Gemeinde Mailand, machte den Vorfall öffentlich und forderte stärkere Schutzmaßnahmen in der ganzen Stadt.
Ich schäme mich für mein Land wegen dem, was passiert ist, wir haben noch nie etwas so Gewalttätiges gesehen.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gab eine Erklärung ab, in der sie die Aggression verurteilte und die staatlichen Verpflichtungen gegen rassistische und religiöse Feindseligkeit bekräftigte.
Eine abscheuliche und inakzeptable Episode, die ich mit größter Entschlossenheit verurteile. Antisemitischer Hass ist eine Geißel, die wir in keiner Form dulden können und werden und die wir weiterhin entschlossen bekämpfen werden.
Senatspräsident Ignazio La Russa bezeichnete den Angriff als ein beunruhigendes Ereignis, das nicht unterschätzt werden dürfe, und forderte die Behörden auf, alle Verantwortlichkeiten entschlossen im Rahmen rechtlicher Verfahren zu ermitteln. In Mailand warnte Davide Romano, Direktor des Museums der Jüdischen Brigade, vor zunehmender Feindseligkeit gegenüber jüdischen Einrichtungen und forderte die politischen Akteure auf, die Spannungen im Zusammenhang mit den Konflikten im Nahen Osten abzubauen.


