
Bodensee-Anrainerstaaten einigen sich auf begrenzte Wiederaufnahme der Felchenfischerei ab 2027 unter strengen Auflagen
Nach einem dreijährigen Moratorium hat die internationale Kommission für die Bodenseefischerei am Donnerstag beschlossen, die Felchenfischerei ab Mai 2027 unter strengen Auflagen wieder zu erlauben – mit reduzierten Fangtagen, größeren Maschenweiten und einem Tageslimit für Angler.
Hintergrund
Das 2024 nach dem Zusammenbruch der Bestände verhängte Fangverbot für Felchen im Bodensee zeigt erste Erholungstendenzen. Wissenschaftler des Fischereiforschungsinstituts in Langenargen berichten von besserem Wachstum, mehr Eiern und Larven sowie einem Rückgang der invasiven Stichlinge, die junge Felchen gefressen hatten. Die Bestände bleiben jedoch niedrig: Die Berufsfänge im Obersee erreichten 2025 mit nur 116 Tonnen einen neuen Tiefstand.
Wir fangen ganz moderat an.
Der Beschluss
Am 18. Juni 2026 einigte sich die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) – vertreten durch Deutschland (Bayern, Baden-Württemberg), Österreich, die Schweiz und Liechtenstein – bei einem Treffen in Wasserburg (Bayern) auf eine begrenzte Wiederaufnahme der Felchenfischerei vom 1. Mai bis 31. August 2027. Die Regeln sind strenger als vor dem Verbot: Berufsfischer dürfen nur noch an zwei statt vier Tagen pro Woche fischen, verwenden weniger Netze mit größeren Maschen und Angler sind auf drei Felchen pro Tag beschränkt. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2028 evaluiert werden.
- Umfassendes Fangverbot für Felchen nach Bestandseinbruch verhängt
- IBKF-Treffen in Wasserburg (Bayern) beschließt begrenzte Wiedereröffnung ab 2027
- Begrenzte Felchenfischerei wird mit reduzierten Fangtagen, größeren Maschen und einem Anglerlimit von drei Fischen pro Tag wieder aufgenommen
- Evaluierung der Maßnahmen vor weiteren Entscheidungen über die Fischerei
Balanceakt
Der Beschluss ist ein Kompromiss. Während Baden-Württemberg und Bayern darauf drängten, den 49 verbliebenen Berufsfischern eine Zukunftsperspektive zu geben – die Felchen sind ihre wirtschaftlich wichtigste Fischart –, äußerte die Schweiz Vorbehalte. Wissenschaftler hatten gewarnt, dass eine verfrühte Wiedereröffnung die beginnende Erholung gefährden könnte. Reinhard Reiter, IBKF-Bevollmächtigter des Vorsitzlandes Bayern, bezeichnete den Beschluss als „ganz moderat“.
Wirtschaftliche und kulinarische Auswirkungen
Restaurants und Fischhändler werden wieder einheimische Felchen anbieten können, die Menge bleibt aber aufgrund der strikten Fangbeschränkungen begrenzt. Die 49 Fischer hoffen, dass die teilweise Wiedereröffnung den finanziellen Druck bis 2028 mildert, wenn eine umfassendere wissenschaftliche Bewertung den Weg für einen dauerhaften Plan ebnen könnte.

