
Fedorow fordert Kriegswahlen in der Ukraine nach Entlassung als Verteidigungsminister
Der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow forderte Präsidentschaftswahlen während des Krieges und stellt sich damit gegen Präsident Wolodymyr Selenskyj, während das Parlament die Bestätigung von Jewhen Chmara vorbereitet.
Herausforderung der Kriegsführung
Der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow veröffentlichte eine Videoansprache auf YouTube, in der er die nationale Regierung aufforderte, einen formellen Rahmen für die Durchführung von Präsidentschaftswahlen während des Krieges zu schaffen. Fedorow stellte die Frage, wie der Staat funktionieren solle, wenn der bewaffnete Konflikt mit Russland noch zwei oder drei weitere Jahre andauere, und argumentierte, dass Moskau nicht den politischen Kalender der Ukraine diktieren dürfe. Sein öffentlicher Vorstoß stellt eine direkte Herausforderung für Präsident Wolodymyr Selenskyj dar, während das Land den anhaltenden Konflikt und innenpolitische Spannungen bewältigt.
Die Demokratie darf nicht von Russland als Geisel genommen werden. Wir kämpfen gerade deshalb, weil wir ein freier europäischer Staat bleiben wollen. Daher müssen wir einen legalen, sicheren und realistischen Mechanismus finden, der es der Ukraine ermöglicht, auch bei einem langwierigen Krieg einen vollständigen demokratischen Prozess wiederherzustellen.
Wahlvoraussetzungen und Kritik an der Regierungsführung
Fedorow räumte ein, dass die Organisation von Wahlen während des Krieges erhebliche logistische Schwierigkeiten mit sich bringe, betonte jedoch, dass Komplexität angesichts der Widerstandsfähigkeit der Ukraine in der Vergangenheit nicht Unmöglichkeit bedeute. Er erklärte, dass jeder rechtliche Mechanismus das Wahlrecht für aktive Militärangehörige an der Front, Millionen vertriebene Bürger im Ausland und Bewohner in Frontregionen garantieren müsse. Fedorow unterstrich, dass institutionelle Unabhängigkeit, Wahlsicherheit und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die endgültigen Ergebnisse zwingende Bedingungen seien. Er warnte auch vor administrativer Stagnation und stellte fest, dass die Bürger keine unbegrenzte Unsicherheit in Bezug auf ins Stocken geratene Reformen und Regierungsberatungen ertragen könnten, die notwendige Ressourcen für die Frontverbände verzögerten.
Besonders gefährlich ist es, wenn die Gesellschaft den Eindruck gewinnt, dass das Hauptkriterium für die Ernennung einer Person nicht deren Professionalität, erzielte Ergebnisse oder Fähigkeit zur Veränderung des Landes ist, sondern die persönliche Loyalität zum System.
Regierungsumbildung und Ministerbestätigung
Die politische Herausforderung folgt auf Selenskyjs Entscheidung, Fedorow im Rahmen einer Kabinettsumbildung von seinem Posten als Verteidigungsminister zu entlassen. Offizielle Stellungnahmen führten die Entlassung auf angespannte Arbeitsbeziehungen zwischen Fedorow und dem damaligen Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj zurück, der kurz darauf ebenfalls von seinem Kommando entbunden wurde. Fedorow lehnte anschließend Angebote Selenskyjs ab, andere Regierungsämter zu übernehmen, während in der gesamten Ukraine Straßenproteste gegen seine Absetzung ausbrachen. Das ukrainische Parlament bereitet nun eine Abstimmung über die Bestätigung des Interims-Verteidigungsministers Jewhen Chmara für die dauerhafte Ministerrolle vor, nach monatelangen öffentlichen Auseinandersetzungen.
Parallelangriffe und internationale Reibungen
Der innenpolitische Streit fiel mit weitreichenden militärischen Auseinandersetzungen in der Region zusammen. Eine russische Rakete traf das Dorf Petschenihy in Charkiw, tötete 10 Menschen und verletzte 18, woraufhin Selenskyj verstärkten Druck der Verbündeten auf Moskau forderte. Russische Beamte behaupteten, die Ukraine habe über Nacht 791 Drohnen auf Ziele in ganz Russland, auf der Krim sowie im Schwarzen und Asowschen Meer abgefeuert, darunter 620 auf die Region Moskau gerichtete, wo drei Menschen verletzt wurden. Ein Angriff in Enerhodar nahe dem Kernkraftwerk Saporischschja forderte einen Toten und 15 Verletzte, während ein griechischer Tanker mit russischem Rohöl aus Noworossijsk im Schwarzen Meer getroffen wurde. Darüber hinaus beschuldigte Moskau das Vereinigte Königreich der direkten Beteiligung am Krieg aufgrund britischer Drohnenlieferungen an Kiew.
- Tote in Petschenihy
- 10 Personen
- Verletzte in Petschenihy
- 18 Personen
- Tote in Enerhodar
- 1 Personen
- Verletzte in Enerhodar
- 15 Personen
- Verletzte in der Region Moskau
- 3 Personen
