
Oberster Gerichtshof erweitert Trumps Macht zur Entlassung von Behördenleitern, schützt aber Unabhängigkeit der Fed
Der Oberste Gerichtshof der USA hat Präsident Donald Trump am Montag weitreichende Befugnisse zur fristlosen Entlassung von Leitern bundesstaatlicher Regulierungsbehörden eingeräumt und damit einen 90 Jahre alten Präzedenzfall aufgehoben. Er lehnte es jedoch ab, ihm die Entlassung eines Gouverneurs der Federal Reserve zu gestatten, und bewahrte so die Unabhängigkeit der Zentralbank.
Eine weitreichende Ausweitung der Entlassungsbefugnis
Der Oberste Gerichtshof entschied mit 6:3 Stimmen, dass der Präsident Mitglieder der Federal Trade Commission ohne Angabe von Gründen entlassen darf, und verwarf damit den Präzedenzfall von 1935, der viele unabhängige Behörden vor politischer Einflussnahme geschützt hatte. Oberster Richter John Roberts schrieb für die konservative Mehrheit, dass Kündigungsschutzklauseln die in der US-Verfassung verankerte Gewaltenteilung verletzen. Die Entscheidung betrifft die National Labor Relations Board, die Consumer Product Safety Commission und andere Gremien, deren Mitglieder zuvor nur bei Vernachlässigung oder Pflichtverletzung entlassen werden konnten. Trump hatte bereits demokratische Kommissare mehrerer dieser Behörden entlassen; ihre anhängigen Klagen dürften nun scheitern.
Das Einzige, was für die Zukunft klar zu sein scheint, ist, dass Chaos folgen wird.
Fed ausgeklammert, aber isoliert
In einem separaten Urteil mit 5:4 Stimmen untersagte das Gericht Trump die Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook, der ersten schwarzen Frau im Vorstand der Zentralbank. Die Richter entschieden, dass die einzigartige Struktur und Rolle der Fed in der Geldpolitik sie von anderen Behörden unterscheide. Trump hatte versucht, Cook aufgrund unbewiesener Vorwürfe des Hypothekenbetrugs und weil sie sich seinen Forderungen nach niedrigeren Zinsen widersetzt hatte, zu entlassen. Die Entscheidung lässt die Fed als isolierten Einzelfall zurück, der rechtlich vor der Entlassungsbefugnis des Präsidenten geschützt ist, während andere Behörden diesen Schutz verlieren.
Die Unabhängigkeit der Fed lebt weiter, aber das Fundament ist viel schwächer als in den letzten 90 Jahren. Die Fed wird nun gezwungen sein, allein zu stehen.
- FTC-Entlassung
- 6 Richter
- Fed-Unabhängigkeit
- 5 Richter
Reaktionen und Konsequenzen
Trump feierte das Ergebnis auf Truth Social als „historisches und beispielloses Urteil“. Die progressive Interessenvertretung Alliance for Justice warnte, dass die Entscheidung autoritäre Tendenzen verstärke. Deren Präsidentin Rachel Rossi sagte: „Unserem autoritären Präsidenten wurden gerade die Schlüssel überreicht, um noch autoritärer zu sein.“ Rechtsexperten merkten an, dass die Leitung von Behörden, die für Kartellrecht, Verbrauchersicherheit und Arbeitsbeziehungen zuständig sind, nun mit jedem Präsidentschaftswechsel wechseln werde. „Man hat ein regulatorisches Pendel, das hin und her schwingt“, sagte Graham Steele, ein ehemaliger Beamter des Finanzministeriums unter Biden.
Breitere rechtliche Landschaft
Die Urteile waren Teil einer größeren Amtsperiode, in der das Gericht Trump weitreichende Siege in Einwanderungs-, Zoll- und Wahlfragen einräumte, obwohl es auch seine Nutzung von Notstandsbefugnissen im Außenhandel nach dem International Emergency Economic Powers Act und seinen Versuch, die Briefwahlregeln zu ändern, ablehnte. Indem das Gericht die Federal Reserve für eine fortgesetzte Unabhängigkeit herausstellte, könnte es den Druck auf die Zentralbank erhöht haben, ihren Sonderstatus in künftigen politischen Auseinandersetzungen zu rechtfertigen.


