
RKI meldet 9.600 Hitzetote in einer Juniwoche, insgesamt 11.900 für 2026
Das Robert Koch-Institut schätzt allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni 9.600 hitzebedingte Todesfälle, womit die Gesamtzahl für 2026 auf 11.900 steigt und jedes vollständige Jahr seit 2016 übertrifft.
Überarbeitete Todeszahlen
Der aktualisierte Wochenbericht des RKI, veröffentlicht am 6. August in Berlin, schätzt, dass in der Woche vom 22. bis 28. Juni etwa 9.600 Menschen an hitzebedingten Ursachen starben, als die Temperaturen in ganz Deutschland um die 40 Grad Celsius lagen. Die Zahl ist fast doppelt so hoch wie die frühere Schätzung des Instituts von mehr als 5.000 Todesfällen für denselben Zeitraum. Die revidierte Zählung erhöht die geschätzte Gesamtzahl der hitzebedingten Todesfälle für 2026 auf 11.900 (Stand: 26. Juli) und deckt den Berichtszeitraum vom 6. April bis 26. Juli ab. Damit übertrifft sie bereits jedes vollständige Jahr seit 2016. Der bisherige Höchstwert war 2018 mit rund 9.000 (laut Focus 8.900) hitzebedingten Todesfällen im gesamten Jahr.
Warum die Zahlen spät eintrafen
Das RKI führt die verzögerte Sichtbarkeit der Todeszahlen auf zwei Faktoren zurück. Erstens seien Temperaturen dieser Größenordnung in Deutschland bisher selten oder nie aufgetreten, was statistische Modelle langsamer mache, die volle Auswirkung zu erfassen. Zweitens würden die Sterblichkeitsdaten der Bundesländer vom Statistischen Bundesamt mit einer Verzögerung von fünf Wochen gemeldet, sodass die Zahlen erst jetzt die geschätzten hitzebedingten Todesfälle vollständig widerspiegelten. Das RKI berechne jede Woche auf einer aktualisierten Datenbasis nach, sagte ein Sprecher. Die Schätzungen stützen sich auf Sterblichkeitszahlen des Statistischen Bundesamtes und Daten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Das RKI schätzt die Gesamt-Übersterblichkeit auf 14.600.
Wer am stärksten betroffen war
Hitze erwies sich für ältere Deutsche als tödlich. Die Altersgruppe 85 und älter machte mit rund 6.000 Todesfällen den größten Anteil aus. Knapp 3.000 der Verstorbenen waren zwischen 75 und 84 Jahre alt, etwa 1.800 zwischen 65 und 74 und etwa 1.100 unter 65. Das RKI weist darauf hin, dass ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit in der Regel sichtbar wird, sobald die wöchentliche Durchschnittstemperatur, die Tages- und Nachtwerte kombiniert, 20 Grad überschreitet. In der Woche vom 22. bis 28. Juni erreichte der bundesweite Wochenmittelwert 26,4 Grad – weit über diesem Schwellenwert, und alle Bundesländer verzeichneten Durchschnittstemperaturen über 20 Grad.
- 85 und älter
- 6000 Todesfälle
- 75-84
- 3000 Todesfälle
- 65-74
- 1800 Todesfälle
- Unter 65
- 1100 Todesfälle
Rekordverdächtiger Juni
Der DWD stufte den Juni 2026 als den zweitwärmsten Juni seit Aufzeichnungsbeginn ein, mit einer Durchschnittstemperatur von 19,5 Grad, nur übertroffen von 2019. Die Hitzewelle brachte mehrere Extreme hervor: Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war nach DWD-Angaben die wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen. Allein am 27. Juni verzeichneten 46 Wetterstationen in Deutschland Temperaturen über 40 Grad, mit mehreren Messwerten über 41 Grad.
- Beginn des RKI-Meldezeitraums für Hitzesterblichkeit
- Extreme Hitzewoche beginnt; Temperaturen nahe 40°C in ganz Deutschland
- 46 DWD-Stationen überschreiten 40°C; wärmste Nacht seit Aufzeichnungsbeginn
- Extreme Hitzewoche endet; 9.600 hitzebedingte Todesfälle allein in dieser Woche
- Ende des aktuellen RKI-Meldezeitraums; Gesamtzahl 2026 erreicht 11.900
- RKI veröffentlicht revidierten Wochenbericht in Berlin
Forderungen nach staatlichem Handeln
Die Bundesärztekammer fordert zusammen mit rund 80 anderen europäischen Gesundheitsorganisationen und mehreren Umweltverbänden stärkere Maßnahmen von Deutschland und der EU. Ihre Erklärung verlangt, dass die Ausrufung des Klimanotstands in verbindliche Verpflichtungen umgesetzt wird und extreme Hitze als ernsthafte Gesundheitsbedrohung anerkannt wird. Die Mediziner fordern, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen klimaresilient zu machen. BUND, Fridays for Future, Nabu und andere Gruppen planten für Donnerstag eine Protestkundgebung vor dem Kanzleramt und forderten Bundeskanzler Merz auf, einen Hitzegipfel einzuberufen, um die Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen zu koordinieren.


