Uber Eats und Deliveroo erhöhen Mindeststundenlohn für Lieferfahrer in Frankreich von 11,75 auf 19 Euro
Die Regulierungsbehörde ARPE gab bekannt, dass Uber Eats und Deliveroo am Freitag eine Zusatzvereinbarung mit Gewerkschaften unterzeichnet haben, die den Mindestlohn von 11,75 Euro auf 19 Euro brutto pro Stunde anhebt, gültig ab dem 1. September.
Was geschah
Am 10. Juli 2026 unterzeichneten Uber Eats und Deliveroo, die beiden größten Essenslieferplattformen in Frankreich und beide Mitglieder der Association des plateformes d'indépendants, eine Zusatzvereinbarung mit zwei Gewerkschaften – Union-Indépendants und der Fédération nationale des auto-entrepreneurs (FNAE) – unter Aufsicht der brancheneigenen Arbeitsregulierungsbehörde ARPE. Die Vereinbarung hebt den gesetzlichen Mindestbruttostundenlohn für selbstständige Lieferfahrer von 11,75 Euro auf 19 Euro an, gültig ab dem 1. September 2026. Der Deal, der von der ARPE gegenüber der Agence France-Presse bestätigt wurde, aktualisiert einen Rahmen aus dem Jahr 2023, der ursprünglich eine Mindestverdienstgrenze für unabhängige Kuriere festlegte.
Hintergrund: sinkende Einkommen
Die ARPE hatte 2025 einen besorgniserregenden Trend festgestellt. Gestützt auf Daten der Plattformen zeigte ihr Bericht, dass das durchschnittliche Bruttostundeneinkommen zwischen 2021 und 2024 bei Uber Eats um 22,4 Prozent, bei Stuart um 21,5 Prozent und bei Deliveroo um 15 Prozent gefallen war. Die Regulierungsbehörde führte die Erosion hauptsächlich auf eine Zunahme unbezahlter Wartezeiten zwischen den Lieferungen zurück: Die Kuriere verbrachten einen wachsenden Teil ihrer Arbeitszeit im Leerlauf, was den effektiven Stundensatz drückte. Die Daten veranlassten die Gewerkschaften, eine Überarbeitung des Mindestlohns von 2023 zu fordern, der zwar eine erste Untergrenze festgelegt hatte, sich aber als unzureichend erwies, nachdem algorithmische Routenplanung die Struktur des Arbeitstages verändert hatte.
Gesundheitsrisiken unter algorithmischem Management
Im März 2026 veröffentlichte die französische Behörde für Lebensmittel- und Umweltsicherheit ANSES eine Gesundheitsfolgenabschätzung zur Plattformarbeit bei Lieferdiensten. Die Studie, die ursprünglich 2021 von der Confédération générale du travail (CGT) in Auftrag gegeben worden war, ergab, dass Lieferfahrer einem erhöhten Risiko von Verkehrsunfällen, Stürzen und psychischem Stress ausgesetzt sind. Ein Hauptfaktor ist laut Bericht der allgegenwärtige Einsatz künstlicher Intelligenz zur 'Optimierung ihrer wirtschaftlichen Leistung'. Algorithmen überwachen kontinuierlich die Fahrerleistung, sanktionieren jede Verzögerung und üben unerbittlichen Zeitdruck aus, was die Behörde direkt mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Zusammenstößen und Stürzen in Verbindung brachte. Der Bericht unterstrich den Zusammenhang zwischen algorithmischem Management und Arbeitssicherheit und verstärkte die Forderungen nach einem stärkeren Einkommensschutz. Zusammen mit den ARPE-Einkommensdaten verstärkten die ANSES-Ergebnisse den Druck auf die Plattformen, den Mindestlohn anzuheben.
Reaktion der Regulierungsbehörde und der Gewerkschaften
Der Generaldirektor der ARPE, Joël Blondel, erklärte in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung, die Unterzeichnung
stelle einen wichtigen Schritt beim schrittweisen Aufbau kollektiver Garantien dar, die an die Arbeitsbedingungen unabhängiger Plattformarbeiter angepasst sind.
Beide Gewerkschaften, Union-Indépendants und FNAE, hatten nach der Veröffentlichung der Einkommensdaten für 2025, die die Fragilität der Einkommen in der Gig-Economy offenlegten, auf eine deutliche Erhöhung gedrängt. Die Juli-Vereinbarung ändert zwar die rechtliche Einstufung der Fahrer als unabhängige Auftragnehmer nicht, verbessert aber materiell ihre garantierte Mindestvergütung.
Was sich ab September ändert
Die Vereinbarung hebt den Mindestbruttostundenlohn von 11,75 Euro auf 19 Euro an, eine Steigerung von rund 62 Prozent. Der neue Satz gilt ab dem 1. September 2026 für alle Lieferaufträge, die von den unterzeichnenden Plattformen abgewickelt werden. Der vorherige Satz, der durch die Vereinbarung von 2023 festgelegt worden war, war hinter der Realität der Plattformarbeit zurückgeblieben, wie sowohl die ARPE- als auch die ANSES-Berichte dokumentierten.
- Erste Mindesteinkommensvereinbarung unterzeichnet
- ARPE-Bericht zeigt Einkommensrückgänge von bis zu 22,4 %
- ANSES-Bericht weist auf Gesundheitsrisiken durch KI-gesteuertes Management hin
- Zusatzvereinbarung zur Anhebung des Mindestlohns auf 19 Euro unterzeichnet
- Neuer Satz tritt in Kraft
Die Einkommensrückgänge, die der Erhöhung vorausgingen, sind im folgenden Vergleich zusammengefasst.
- Uber Eats
- -22.4 %
- Stuart
- -21.5 %
- Deliveroo
- -15 %


