EZB gibt UniCredit grünes Licht für mehr als 30 Prozent an der Commerzbank – ohne Obergrenze
Die Genehmigung erlaubt es UniCredit, ihren Anteil an der Commerzbank ohne Obergrenze zu erhöhen. Nach Abschluss der verbleibenden regulatorischen Schritte gegen Ende des Jahres werden rund 50 Prozent der Stimmrechte erwartet.
EZB macht den Weg über 30 Prozent frei
UniCredit gab am Donnerstag, dem 15. Oktober, bekannt, dass die Europäische Zentralbank es ihr gestattet habe, über einen Anteil von 30 Prozent an der Commerzbank hinauszugehen und ihren Anteil ohne Obergrenze weiter aufzustocken. Die Genehmigung stammt von der Bankenaufsicht der EZB, die die größten Banken im Euroraum beaufsichtigt. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA und Il Sole 24 ORE veröffentlichten die Mitteilung der Bank, Focus berichtete über dieselbe Ankündigung. Laut Focus erlaubt die Entscheidung UniCredit, die Commerzbank-Aktien, die sie sich im Sommer über ein Umtauschangebot gesichert hatte, in eigene Bestände umzuwandeln. Focus weist zudem darauf hin, dass die EZB wiederholt grenzüberschreitende Bankfusionen im Euroraum unterstützt hat, um den EU-Binnenmarkt zu stärken, sodass die Genehmigung keine Überraschung war.
Was noch geschehen muss
Die verbleibenden regulatorischen Schritte und die Bedingungen für den Abschluss des Angebots an die Commerzbank werden gegen Ende des Jahres erwartet. Zu diesem Zeitpunkt würde UniCredit rund 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank halten und in der Lage sein, die Kontrolle über die Bank zu übernehmen. Focus berichtet, dass UniCredit nun weitere Commerzbank-Aktien am freien Markt kaufen und auch ein weiteres Angebot vorlegen könnte, was allerdings wegen der üblichen Übernahmeprämie teuer wäre.
- Genehmigungsschwelle der EZB, die UniCredit nun überschreiten darf
- 30 %
- Erwartete Stimmrechte von UniCredit bei Abschluss
- 50 %
- Anteil des Bundes (etwas mehr als 13 Prozent)
- 13 %
Die Grafik stellt die 30-Prozent-Schwelle, die UniCredit nun überschreiten darf, den rund 50 Prozent der bei Abschluss erwarteten Stimmrechte und dem Anteil des Bundes von etwas mehr als 13 Prozent gegenüber.
Die Forderungen Berlins
Der Bund hält etwas mehr als 13 Prozent an der Commerzbank und hat damit laut Focus ein Mitspracherecht beim Ausgang. Er will betriebsbedingte Kündigungen bei dem im DAX notierten Konzern verhindern, der weltweit rund 40.000 Vollzeitkräfte beschäftigt. Die Bundesregierung will zudem, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt. Außerdem soll das starke Kreditgeschäft der Bank mit kleinen und mittleren Unternehmen, dem Mittelstand, erhalten bleiben.
UniCredits Sicht auf die Entscheidung
In ihrer Erklärung bezeichnet UniCredit die Genehmigung als wichtigen Meilenstein bei der Übernahme der Commerzbank. Die Bank erklärt, die Entscheidung unterstreiche die positive Bewertung der Transaktion durch die EZB. Zudem verweist sie auf das Vertrauen in die soliden Fundamentaldaten und die starke Position von UniCredit im europäischen Bankensektor, wie aus der von Focus verbreiteten Mitteilung hervorgeht. Il Sole 24 ORE berichtet über dieselbe Mitteilung und beschreibt den Schritt als grundlegenden Meilenstein der Übernahme. Der von Andrea Orcel geführte Konzern werde nach Abschluss der letzten Schritte rund 50 Prozent der Stimmrechte erreichen, schreibt die Zeitung.
