Wirtschaft · Essen, Witten und Marl
Evonik streicht bis 2029 weitere 3.200 Stellen und steigt aus Polyester-Geschäft aus – deutsche Chemiekrise verschärft sich
Der Essener Spezialchemiekonzern wird zwischen 2027 und 2029 weitere 3.200 Stellen streichen, davon 2.150 in Deutschland. Zudem soll das defizitäre Polyester-Geschäft bis 2027 komplett eingestellt werden.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, Berliner Zeitung und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Evonik wird zwischen 2027 und Ende 2029 weltweit weitere 3.200 Positionen streichen, davon 2.150 in Deutschland, was etwa zehn Prozent der Belegschaft entspricht.
Der Konzern wird sein verlustreiches Polyestergeschäft 2027 komplett einstellen, was 266 Arbeitsplätze in Witten, 45 in Marl und 35 in Shanghai betrifft.
Christian Kullmann machte die unsichere geopolitische Lage, schwaches Wachstum und härteren internationalen Wettbewerb für die beschleunigte Restrukturierung verantwortlich.
Alexander Bercht von der IG BCE warnte, die Beschäftigten dürften die Last nicht allein tragen, und sagte, wiederholte Kostensenkungen schafften keine nachhaltigen Perspektiven, obwohl keine betriebsbedingten Kündigungen geplant seien.
Die Branche durchlebt eine ihrer tiefsten Krisen seit 30 Jahren mit schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und Preisdruck aus Asien. Der VCI hat vor einem möglichen Kollaps gewarnt, und auch Wacker baut 1.500 Stellen ab.
- 1.10.Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“ gestartet; 2.800 Stellenstreichungen bis Ende 2026 angestrebt
- 18.06.Neues Programm angekündigt: 3.200 zusätzliche Stellenstreichungen von 2027 bis Ende 2029, Polyester-Ausstieg für 2027 geplant
- 1.01.Polyestergeschäft soll geschlossen werden; betroffen: Witten (266 Stellen), Marl (45) und Shanghai (35)
- 31.12.Zieldatum für den Abschluss der 3.200 Stellenreduzierungen
Ausmaß der Kürzungen
Evonik hat am Donnerstag angekündigt, weltweit bis Ende 2029 rund 3.200 zusätzliche Arbeitsplätze abzubauen, davon 2.150 in Deutschland. Die Reduzierung entspricht etwa zehn Prozent der globalen Belegschaft, die Ende März 2026 bei rund 31.000 lag, nachdem sie ein Jahr zuvor noch über 31.000 betragen hatte. Das neue Programm folgt auf eine bereits laufende Effizienzoffensive mit dem Namen „Evonik Tailor Made“, die seit Oktober 2023 bis Ende 2026 bereits rund 2.800 Stellen abbaut. Deutschland trägt einen überproportionalen Anteil, da etwa 20.000 der 32.000 Beschäftigten des Unternehmens dort tätig sind.
Begründung der Führung
Vorstandschef Christian Kullmann führte die Kürzungen auf ein sich verschlechterndes Umfeld zurück.
„Die weltpolitische Lage ist unsicher und das Wirtschaftswachstum bleibt anhaltend schwach. Gleichzeitig wird der internationale Wettbewerb härter.“
Sozialpartnerschaft und Reaktion der Gewerkschaft
Arbeitsdirektor Thomas Wessel erklärte, der Stellenabbau werde sozialverträglich gestaltet; die Details würden in den kommenden Wochen mit den Sozialpartnern ausgearbeitet. Betriebsbedingte Kündigungen bleiben bis 2032 ausgeschlossen. Der IG-BCE-Vertreter Alexander Bercht würdigte zwar den positiven Aspekt, dass es keine Zwangsentlassungen gegeben habe und eine großflächige Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verhindert worden sei, warnte aber, dass wiederholte Sparprogramme keine nachhaltigen Zukunftsperspektiven schüfen.
„Klar ist: Die Beschäftigten dürfen nicht allein die Lasten einer schwierigen Marktsituation tragen.“
Ausstieg aus Polyester
Der Konzern wird sein weltweites Polyestergeschäft im Jahr 2027 im Segment Custom Solutions einstellen, einer Einheit, die seit Jahren Verluste schreibt und einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro erzielt. Vorstandsmitglied Lauren Kjeldsen verwies auf den globalen Wettbewerbsdruck und strukturelle Nachteile in Europa und erklärte, keiner der geprüften Alternativen sei langfristig wirtschaftlich tragfähig. Die Schließung betrifft 266 Arbeitsplätze am Standort Witten, 45 in Marl und 35 in einem Produktionswerk in Shanghai.
Branchenweite Krise
Die deutsche Chemieindustrie durchlebt eine ihrer schwersten Krisen seit 30 Jahren, belastet durch schwache Nachfrage, hohe Energiepreise, Preisdruck aus Asien und geopolitische Spannungen. Der Branchenverband VCI hat vor einem möglichen Kollaps des drittgrößten Industriesektors des Landes nach Automobil- und Maschinenbau gewarnt. Auch andere Unternehmen fahren zurück: Der Spezialchemiehersteller Wacker will bis Ende 2027 mehr als 1.500 Stellen abbauen, vor allem in Deutschland. Die Evonik-Aktie fiel nach der Ankündigung um über drei Prozent und zählte damit zu den größten Verlierern im MDax.
Frühere Umstrukturierungen
Evonik ist unter der Führung von Kullmann bereits seit Jahren im Umbau. Geschäfte mit rund 3.500 Mitarbeitern an den Standorten Marl und Wesseling wurden in die hundertprozentige Tochtergesellschaft Syneqt ausgegliedert, die verkauft werden könnte. Die Zahlen zum Jahresende 2025 zeigten eine Belegschaft von 31.053, fast 900 weniger als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen hat die Kosten des neuen Restrukturierungsprogramms noch nicht beziffert und die Abfindungsbedingungen noch nicht genannt.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- Spiegel OnlineEvonik streicht mehr als 2000 Stellen in Deutschland
- Süddeutsche ZeitungEvonik baut jede zehnte Stelle ab
- Berliner ZeitungChemie-Konzern unter Druck: Evonik streicht über 2000 weitere Stellen in Deutschland
- Frankfurter AllgemeineEvonik: Chemiekonzern verschärft Sparprogramm und streicht weitere 3200 Arbeitsplätze
- Christian Kullmann
- Vorstandsvorsitzender von Evonik, führte die unsichere geopolitische Lage und das schwache Wirtschaftswachstum als Gründe für den Stellenabbau an
- Thomas Wessel
- Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei Evonik, versprach sozialverträglichen Stellenabbau
- Alexander Bercht
- IG-BCE-Gewerkschaftsvertreter, warnte, die Beschäftigten dürften die Last nicht allein tragen
- Lauren Kjeldsen
- Evonik-Vorstandsmitglied verantwortlich für das Segment Custom Solutions, führte strukturelle Nachteile in Europa als Grund für den Polyester-Ausstieg an
- Orte
- Düsseldorf
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