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Konflikte·vor 3 Std.

Frankreich-Deutschland FCAS-Kampfjetprojekt gescheitert – Wettlauf um europäische Verteidigungsalternativen

Das deutsch-französische Future Air Combat System (FCAS) ist nach jahrelangen Industriekonflikten eingestellt worden. Die am 8. Juni verkündete Entscheidung hat eine Kluft in der europäischen Verteidigungszusammenarbeit aufgerissen, während Unternehmen und Regierungen versuchen, die festlandseigenen Kampfjetfähigkeiten zu retten.

Das Aus für FCAS

Berlin und Paris haben das FCAS-Kampfjetprogramm am 8. Juni nach einem langwierigen Konflikt zwischen Airbus und Dassault über Führung und geistige Eigentumsrechte offiziell beendet. Die beiden Regierungen kündigten an, jeweils eigene Entwicklungswege zu gehen und damit ein gemeinsames Projekt aufzugeben, das als Eckpfeiler der europäischen Luftkampffähigkeit galt. Ein deutscher Regierungsbeamter betonte am folgenden Tag, dass es keinen deutschen Alleingang geben werde.

Es wird keinen deutschen Alleingang geben, es wird nur eine europäische Lösung geben.

German government official
Das Scheitern hat sofort Befürchtungen über künftige binationale Vorhaben geweckt, darunter das Panzerprogramm Main Ground Combat System (MGCS).

Industrielle Reaktionen und politische Reaktionen

Auf der ILA Berlin am 12. Juni schlossen sich acht große Rüstungsfirmen – Airbus Defence and Space, MTU, Hensoldt, MBDA, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr und Rohde & Schwarz – als „Team Gen 6" zusammen. Sie forderten von der Bundesregierung, weiterhin in einen Kampfjet der sechsten Generation zu investieren, um einen „irreversiblen" Verlust an Fachwissen zu vermeiden, wenn die bestehenden Verträge in diesem Jahr auslaufen. Parallel dazu gaben sechs spanische Unternehmen, darunter Indra und ITP Aero, eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie ihre Fähigkeiten für ein neu ausgerichtetes europäische Programm anboten. Verteidigungsminister Boris Pistorius begrüßte die Initiative, mahnte jedoch zur Vorsicht.

Ich freue mich sehr über diese Initiative, wir brauchen genau solche Initiativen jetzt. Aber wir müssen ganz genau sehen, wer was mit wem kann und wie schnell und zu welchen Kosten und mit welcher Beteiligung der deutschen Industrie.

Eine Chronik des Zerfalls

Schlüsselereignisse beim FCAS-Kollaps und der europäischen Verteidigungsneuordnung
  1. Frankreich und Deutschland vereinbaren die gemeinsame Entwicklung von FCAS und MGCS als Säulen einer vertieften Verteidigungszusammenarbeit.
  2. Bundeskanzler Merz und Präsident Macron verkünden das Ende des FCAS-Kampfjetprogramms mit Verweis auf eine industrielle Sackgasse.
  3. Auf der ILA Berlin gründen deutsche Unternehmen 'Team Gen 6', und die spanische Industrie schlägt einen Kooperationsrahmen für einen europäischen Kampfjet der nächsten Generation vor.
  4. Rheinmetall-CEO Papperger warnt, dass Frankreich auch aus dem MGCS-Kampfpanzerprojekt aussteigen könnte, was die Kluft vertieft.
  5. Die deutschen und französischen Verteidigungsminister sollen bis Mitte Juli eine Liste gemeinsamer Rüstungsprojekte vorlegen, um die bilaterale Zusammenarbeit zu retten.
Der FCAS-Zusammenbruch geschah nicht im luftleeren Raum. Die obige Zeitleiste zeichnet das Projekt von seiner politischen Entstehung 2017 über den Bruch am 8. Juni bis zum sofortigen Wettlauf um Alternativen nach. Mitte Juli läuft nun eine Frist ab, bis zu der die Verteidigungsminister eine Liste gemeinsamer Projekte vorlegen müssen – ein Test dafür, ob der deutsch-französische Motor die europäische Verteidigungsintegration noch antreiben kann.

Auch MGCS-Panzerprojekt in Gefahr

Rheinmetall-CEO Armin Papperger warnte am 12. Juni, dass Frankreich möglicherweise auch aus dem MGCS-Panzerprogramm aussteigen werde.

Die Gefahr ist immer vorhanden, aber es ist nichts entschieden.

Er stellte fest, dass Konsolidierungsbemühungen mit der deutsch-französischen KNDS-Gruppe ins Leere gelaufen seien, vor allem wegen unterschiedlicher staatlicher Interessen. Unterdessen unterstreichen eklatante zahlenmäßige Asymmetrien die Tragweite: Deutschland verfügt über rund 300 Leopard-2-Panzer und wird ab 2027 etwa 35 modernisierte A8-Modelle pro Jahr erhalten, während Frankreich nur 150 bis 200 einsatzbereite Leclerc-Panzer besitzt und seit fast zwei Jahrzehnten keinen neuen Kampfpanzer mehr gebaut hat. Im Gegensatz dazu planen westliche Schätzungen zufolge in Russland die Produktion von mehr als 1.000 modernen Panzern pro Jahr. Das MGCS sollte diese Lücke durch gemeinsame Produktion schließen, aber interne Industriekonflikte und politische Reibungen drohen, es zu Fall zu bringen.

Eurodrone-Streit verschärft die Spannungen

Die Auswirkungen breiten sich auf andere gemeinsame Programme aus. Insiderberichten zufolge fordert Dassault eine Entschädigung von Airbus, weil das französische Unternehmen einen geringeren Anteil am Eurodrone-Projekt erhalten würde. Die französische Regierung hat beschlossen, Drohnenkäufe bis 2035 nicht zu finanzieren, was das industrielle Gleichgewicht erschwert. Die Eurodrone – eine von drei Initiativen von 2017 neben FCAS und MGCS – schwebt nun in der Schwebe. Airbus-Chef Guillaume Faury räumte ein, dass sie wahrscheinlich „in einem etwas anderen Rahmen" fortgeführt werde. Die gehäuften Zusammenbrüche deuten auf eine tiefere Krise der europäischen Verteidigungszusammenarbeit in einem Moment hin, in dem strategische Autonomie dringend benötigt wird.

Berlin · Paris · Madrid

8 Quellen

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