
Pariser Weltraumpipfel eröffnet mit 20 Mrd. Euro an Deals und Vorstoß für ESA-Autonomie
Europäische Führungskräfte und Raumfahrtbeamte versammelten sich am Mittwoch im Grand Palais in Paris und kündigten 50 Ankündigungen im Gesamtwert von 20 Mrd. Euro an, um unabhängige orbitale Fähigkeiten aufzubauen.
Souveräne Fähigkeiten und Gipfelauftakt
Beamte, Astronauten, Forscher und Branchenführer aus rund 120 Ländern versammelten sich am Mittwoch im Grand Palais in Paris zur Eröffnung des zweitägigen Internationalen Weltraumpipfels. Der französische Präsident Emmanuel Macron kündigte rund 50 Initiativen im Gesamtwert von 20 Mrd. Euro an, die die europäische Weltraumsouveränität stärken sollen. Der französische Minister für Hochschulbildung, Forschung und Raumfahrt, Philippe Baptiste, erklärte, dass der Raumfahrtetat einer der wenigen wachsenden Posten im französischen Haushalt sei. Während SpaceX und Blue Origin auf Druck der Regierung von Donald Trump nicht teilnahmen, waren Vertreter der NASA, anderer US-Unternehmen und internationale Forscher in den Sitzungen vertreten.
Macron wandte sich in einer auf X veröffentlichten Erklärung an den Gipfel:
Europa nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, auch im Weltraum.
Marktunterschiede bei Starts und kommerzielle Verträge
Der globale Raumfahrtsektor erreichte laut Daten der OECD einen Wert von fast 600 Mrd. US-Dollar, wobei mehr als 50 % der weltweiten Infrastruktur von Satellitendiensten abhängen. Obwohl 109 Nationen heute Satelliten starten, konzentriert sich die orbitale Startaktivität weiterhin auf eine kleine Anzahl von Anbietern. US-Betreiber waren im vergangenen Jahr für 55 % der orbitalen Starts verantwortlich, China für 28 % und europäische Raketen für 2 %. SpaceX allein führte 60 % aller orbitalen Starts weltweit durch.
- Vereinigte Staaten
- 55 %
- China
- 28 %
- Europa
- 2 %
Während des Gipfels sicherte sich der kommerzielle Startanbieter Arianespace einen Vertrag mit Amazon Leo, der Satelliteninternet-Sparte von Amazon und dem wichtigsten kommerziellen Kunden für Ariane 6. Amazon Leo bestellte sechs zusätzliche Ariane-6-Starts, womit die Gesamtverpflichtung auf 24 Missionen steigt. Auch Start-up-Aktivitäten zeigten sich auf dem Gipfel, darunter der suborbitale Start des deutschen Unternehmens Isar Aerospace von Norwegen aus und die Finanzierung von 450 Mio. Euro für das deutsch-französische Start-up The Exploration Company.
Zehn-Jahres-Investitionsfahrplan für bemannte Flüge
Der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation, Josef Aschbacher, legte am Mittwochabend in einer geschlossenen Sitzung den europäischen Raumfahrtministern einen Finanzvorschlag vor. Aschbacher skizzierte ein Investitionsziel von 10 Mrd. Euro über zehn Jahre, was 1 Mrd. Euro jährlich entspricht, um eine europäische Autonomie in der bemannten Raumfahrt und Exploration zu erreichen. ArianeGroup gab an, dass die schwere Trägerrakete Ariane 6 für den bemannten Transport modifiziert werden kann.
Aschbacher wandte sich an die versammelten Minister zur strategischen Ausrichtung Europas:
Werden wir Passagiere oder Piloten sein?
Schätzungen der ESA zufolge würde die Abhängigkeit von ausländischen Fluganbietern über ein Jahrzehnt 5 Mrd. Euro kosten, ohne die operative Kontrolle über Fluggenehmigungen zu gewähren. Direktinvestitionen in heimische Programme würden dagegen Arbeitsplätze und Fertigungskapazitäten in der europäischen Industrie erhalten.
- Investition in souveräne Fähigkeiten
- 10 Mrd. Euro
- Kauf ausländischer Flugsitze
- 5 Mrd. Euro
Orbitale Missionen und Satellitenkonstellationen
Die europäischen Nationen bauten ihre Partnerschaften in der bemannten Raumfahrt während des Pariser Gipfels durch ein bilaterales Abkommen zwischen Frankreich und dem amerikanischen privaten Raumstationsentwickler Vast aus. Im Rahmen der Vereinbarung wird der französische Astronaut Thomas Pesquet die Mission PAM-6 zur Internationalen Raumstation im Jahr 2027 für einen 15-tägigen Aufenthalt kommandieren. Die Besatzung wird Astronauten aus Griechenland und der Tschechischen Republik umfassen, während der französische ESA-Reserveastronaut Arnaud Prost der Besatzung für den ersten orbitalen Stationsflug von Vast beitreten wird. Pesquet hat bereits zwei Langzeitaufenthalte auf der ISS absolviert, wo sich derzeit die französische Astronautin Sophie Adenot befindet.
Europa entwickelt außerdem die Iris2-Konstellation, ein sicheres Kommunikationsnetzwerk von 27 Nationen, das bis 2030 betriebsbereit sein soll. Das Netzwerk soll die Abhängigkeit von kommerziellen Diensten wie SpaceX' Starlink beseitigen, nachdem es in der Ukraine zu operativen Einschränkungen kam und US-Firmen wie Planet Labs und Vantor während des Konflikts mit dem Iran Satellitenbilder zurückhielten. Indessen schloss das in Argentinien ansässige Unternehmen Satellogic eine Vereinbarung zur Lieferung von zwei hochauflösenden Beobachtungssatelliten an Portugal ab.


