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Wirtschaft·vor 1 Std.

Eurobike schrumpft auf drei Tage und zieht in den Herbst – Deutsche Fahrradindustrie zersplittert in rivalisierende Messen

Die Frankfurter Fahrradmesse Eurobike hat ihre Juni-Ausgabe gestrichen und für 2027 ein dreitägiges Herbstformat angekündigt, während der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) nach einem erbitterten rechtlichen und kommerziellen Bruch eine konkurrierende Fachmesse vorbereitet.

Eine zerrüttete Partnerschaft

Die 34. Eurobike, die vom 24. bis 27. Juni 2026 in Frankfurt stattfindet, beginnt unter keinem guten Stern. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) hat die gesamte Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Fairnamics beendet und plant für den Herbst 2027 eine eigene Fachmesse an einem anderen Standort. Der Bruch folgt auf jahrelange Spannungen: Große internationale Marken wie Specialized, Trek und die niederländische Pon-Gruppe (Cannondale, Gazelle, Kalkhoff, Focus) hatten bereits aufgehört, teilzunehmen, ebenso wie die Einkaufsgenossenschaft ZEG und wichtige Zulieferer wie Bosch und Riese & Müller.

Es wäre ein Wunder, wenn wir wieder mit der Eurobike zusammenarbeiten würden.

Fairnamics eskalierte den Streit, indem es den ZIV und den Verband Zukunft Fahrrad wegen angeblicher geschäftlicher Schäden verklagte. Der ZIV kontert, die Eurobike habe es versäumt, ihre Zielgruppen klar zu definieren, und die abrupt angekündigte und dann wieder abgesagte Nebenmesse „Mobifuture“ sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Der Plan des neuen Kapitäns

Das Joint Venture der Messe Frankfurt mit der Messe Friedrichshafen hat seinen Griff auf die Veranstaltung verstärkt. Der neue Geschäftsführer Philipp Ferger bezeichnet die Ausgabe 2026 als Übergangsmesse, wobei ein neu gebildeter Beirat und Dutzende von Insider-Interviews die Neugestaltung vorantreiben.

Ich bin hier, um nach vorne zu schauen. Wir haben intensiv zugehört.

Für 2027 schrumpft die Messe von vier auf drei Tage (1. bis 3. September), und der Juni-Termin wird gestrichen. Die bereits verkleinerte Messe 2026, die von fünf auf drei Hallen geschrumpft ist, wird auf die Ostseite des Frankfurter Messegeländes verlegt. Ein großer Agora-Marktplatz soll die alte Lagerfeuer-Atmosphäre aus den Bodensee-Jahren heraufbeschwören.

Reiner Fokus auf Geschäftskunden

Ferger verspricht eine klare Ausrichtung auf Geschäftskunden, während verbraucherorientierte Konzepte vorerst unter Verschluss bleiben. Der Anspruch bleibt, die Eurobike als internationale Leitmesse für die gesamte Fahrrad-Wertschöpfungskette zu positionieren.

Die Beschwerden der Aussteller halten an: Klagen über hohe Standmieten, schwache Unterstützung gegen Produktpiraten und chinesische Stände, die nicht für den europäischen Markt zugelassene Produkte zeigen. Auch der Juni-Termin und die schwankende Identität zwischen Fach- und Publikumsmesse haben Kritik hervorgerufen.

Die Konkurrenzmesse nimmt Gestalt an

Der ZIV will eine führende Herbstmesse, die den europäischen Markt und die Wertschöpfung in Europa widerspiegelt. Stork sagt, der Verband habe bereits wichtige Zusagen von großen Playern erhalten, müsse aber noch große internationale Hersteller überzeugen, nach Jahren der Abwesenheit zurückzukehren. Der Standort ist noch nicht entschieden; die Verhandlungen mit vier Kandidatenstädten befinden sich in der Endphase.

Wir haben bereits wichtige Zusagen von großen Playern. Natürlich müssen die großen internationalen Hersteller überzeugt werden, nach Jahren der Abwesenheit zurückzukehren.

Zeitleiste der Eurobike-Krise
  1. Der pandemiebedingte Fahrradboom überdeckt rückläufige Aussteller- und Besucherzahlen bei der Eurobike.
  2. Große Marken (Specialized, Trek, Pon) und Zulieferer (Bosch, Riese & Müller) stellen die Teilnahme nach der 25. Ausgabe ein.
  3. Fairnamics verklagt ZIV und Zukunft Fahrrad wegen angeblicher geschäftlicher Schäden; ZIV beendet die gesamte Zusammenarbeit.
  4. Die 34. Eurobike eröffnet als Übergangsveranstaltung mit drei Hallen unter der neuen Geschäftsführung von Philipp Ferger.
  5. Eurobike wechselt zu einem dreitägigen Herbstformat (1.–3. September); der ZIV plant eine eigene Konkurrenzmesse für den Herbst 2027.

Was auf dem Spiel steht

Die Spaltung macht aus einer einzigen Branchenveranstaltung zwei konkurrierende Events, die jeweils für sich beanspruchen, den europäischen Fahrradmarkt zu repräsentieren. Für Händler und Zulieferer stellt sich die Frage, welche Messe die kritische Masse internationaler Käufer anziehen wird. Für Frankfurt würde der Verlust der vom ZIV unterstützten Veranstaltung bedeuten, den Herbsttermin an eine Konkurrenzstadt abzutreten, während die Juni-Ausgabe nach 2026 ganz verschwindet.

Frankfurt am Main

3 Quellen

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