- 19.04.KKR meldet der Kommission die Übernahme der Kontrolle über NetCo an
- 30.05.Die Kommission genehmigt die Übernahme ohne Auflagen
- Juli 2025Die Kommission leitet nach Beschwerden von Betreibern eine vorläufige Untersuchung ein
- 19.10.Die Kommission übermittelt KKR ihre vorläufigen Feststellungen
Vorläufige Feststellung gegen KKR
Die Europäische Kommission hat KKR am Montag, 19. Oktober 2026, mitgeteilt, dass sie vorläufig davon ausgeht, der US-Fonds habe bei der Prüfung seiner Übernahme von NetCo, dem Festnetz von Telecom Italia (TIM), im Jahr 2024 falsche und/oder irreführende Angaben gemacht – zumindest fahrlässig. Im Mittelpunkt steht die Frage langfristiger Vereinbarungen, die bereits für den Großkundenzugang zum Netz bestehen. KKR hatte der Kommission mitgeteilt, die bestehenden Bedingungen würden weiter gelten und könnten nur im gegenseitigen Einvernehmen mit Drittbetreibern geändert werden. Nach Auffassung der Kommission waren die Informationen, die KKR als Antwort auf ihre Auskunftsersuchen lieferte, entscheidend für ihre Bewertung des Geschäfts.
Wie der Deal genehmigt wurde
KKR meldete der Kommission die Übernahme der Kontrolle über NetCo am 19. April 2024 an. Die Transaktion führte die Netze von Telecom Italia unter dem Dach von FiberCop zusammen und gab KKR die alleinige Kontrolle über FiberCop. Die Kommission genehmigte das Geschäft am 30. Mai 2024 ohne Auflagen und berücksichtigte dabei KKRs Zusicherungen, dass die bestehenden langfristigen Zugangsvereinbarungen in Kraft bleiben würden und dass das Unternehmen die Großkunden-Zugangsbedingungen nicht verschlechtern oder den Zugang beenden könne.
Beschwerden der Betreiber über die Preise
Mehrere Drittbetreiber beschwerten sich bei der Kommission, dass FiberCop nach dem Geschäft die Preise im Rahmen bereits bestehender langfristiger Verträge für den Zugang zu seinem Breitbandnetz einseitig erhöht habe. Diese Beschwerden veranlassten die Kommission im Juli 2025, eine vorläufige Untersuchung einzuleiten. Auch Telecom Italia, das heute für die Nutzung des Netzes zahlt, das es einst besaß, focht die Erhöhungen gerichtlich an – ohne Erfolg. Fastweb, Vodafone, Iliad und Wind Tre gehören zu den Betreibern, deren Verhältnis zu FiberCop wegen der Großkundenpreise und der Servicequalität angespannt ist. FiberCop weist Behauptungen zurück, die Servicequalität habe nachgelassen, und erklärt, die Leistung entspreche dem Niveau vor der Abspaltung des Netzes und übertreffe es in einigen Fällen.
KKR reagiert – wie es weitergeht
KKR erklärte, man sei mit der vorläufigen Bewertung entschieden nicht einverstanden und wolle sie energisch anfechten. Das Unternehmen betonte, an der Richtigkeit der Informationen festzuhalten, die es während der Prüfung durch die Kommission im Jahr 2024 geliefert habe.
„Wir stehen zur Richtigkeit der Informationen, die während der Prüfung durch die Kommission im Jahr 2024 vorgelegt wurden.“
KKR kann nun schriftlich Stellung nehmen, bevor Brüssel entscheidet, ob das Verfahren weiterverfolgt wird; eine Frist für diese Entscheidung wurde nicht gesetzt. Nach EU-Recht kann die Erteilung irreführender Informationen in einer Untersuchung mit einer Geldbuße von bis zu 1 % des weltweiten Jahresumsatzes des Unternehmens geahndet werden. Die Kommission kann Fusionsgenehmigungen zudem widerrufen, wenn die vorgelegten Informationen betrügerisch waren.