EU leitet Kartellverfahren gegen Sanofi wegen Kampagne gegen Konkurrenz-Grippeimpfstoff ein
Die Europäische Kommission hat am Freitag ein förmliches Verfahren gegen den französischen Pharmakonzern Sanofi eingeleitet. Sie vermutet, dass das Unternehmen Angehörige der Gesundheitsberufe in die Irre geführt hat, um seinen eigenen Grippeimpfstoff Efluelda auf Kosten des Konkurrenzpräparats Fluad von CSL Seqirus zu bewerben.
Was die Kommission vermutet
Die Europäische Kommission hat am 26. Juni 2026 ein förmliches Kartellverfahren gegen Sanofi eingeleitet. Sie ist besorgt, dass das Unternehmen eine irreführende Kampagne durchgeführt hat, um seinen verbesserten Grippeimpfstoff Efluelda zu bewerben und gleichzeitig das Konkurrenzprodukt Fluad des australischen Unternehmens CSL Seqirus herabzuwürdigen. Die Praktiken sollen vor allem in Frankreich und Deutschland stattgefunden haben, wo Sanofi nach Angaben der Kommission bereits eine beherrschende Stellung auf dem Grippeimpfstoffmarkt innehat.
Die Ermittler vermuten, dass Sanofi Fluad als weniger wirksam und mit schwächeren wissenschaftlichen Belegen als Efluelda dargestellt hat. Nach Angaben Brüssels widersprachen diese Behauptungen den Schlussfolgerungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der nationalen Impftechnischen Beratungsgremien in Frankreich und Deutschland. Die Kommission wirft Sanofi außerdem vor, offizielle Impfempfehlungen falsch dargestellt und in Deutschland suggeriert zu haben, dass medizinische Fachverbände weiterhin schwerwiegende wissenschaftliche Einwände gegen den Konkurrenzimpfstoff hätten, obwohl diese Vorbehalte bereits ausgeräumt waren.
Wissenschaftlicher Fortschritt, unparteiische wissenschaftliche Bewertungen und das Vertrauen in unabhängige wissenschaftliche Autoritäten sind grundlegend für die Gesundheitspolitik.
Grippeimpfstoffe helfen jedes Jahr, Zehntausende Europäer zu schützen. Die heutige Entscheidung, ein förmliches Verfahren einzuleiten, zeigt die Entschlossenheit der Kommission, gegen Herabwürdigungspraktiken vorzugehen, die den Wettbewerb und die informierte Entscheidungsfindung der Verbraucher unangemessen beeinträchtigen können.
Hintergrund und Ursprung der Untersuchung
Der Untersuchung gingen unangekündigte Durchsuchungen in den Sanofi-Büros in Frankreich und Deutschland im September 2025 voraus. Damals erklärte Sanofi, man sei von seiner Rechtskonformität überzeugt und werde vollständig kooperieren. Die förmliche Eröffnung gibt Sanofi nun die Möglichkeit, Verpflichtungszusagen zur Ausräumung der Bedenken der Kommission vorzuschlagen und möglicherweise Geldbußen zu vermeiden.
- Die Europäische Kommission führt im September 2025 unangekündigte Durchsuchungen in den Sanofi-Büros in Frankreich und Deutschland durch.
- Die Kommission leitet ein förmliches Kartellverfahren gegen Sanofis Grippeimpfstoffvermarktung ein.
Sanofis Reaktion
Sanofi betont, dass es stets in voller Übereinstimmung mit allen geltenden Gesetzen, einschließlich der Wettbewerbsregeln, gehandelt habe. Ein Unternehmenssprecher sagte der Nachrichtenagentur Agence France-Presse, der Konzern "ist überzeugt, in voller Übereinstimmung mit allen geltenden Gesetzen und Vorschriften, einschließlich des Wettbewerbsrechts, gehandelt zu haben und weiterhin zu handeln." Das Unternehmen wies darauf hin, dass die Einleitung eines förmlichen Verfahrens ein verfahrensrechtlicher Schritt sei, der keinen Rückschluss auf den Ausgang der Untersuchung zulasse, und erklärte, es nehme die Angelegenheit ernst und kooperiere vollumfänglich.
Mögliche Konsequenzen
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen Sanofi Sanktionen wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung nach Artikel 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Zwar hat die Kommission in diesem Stadium keine konkrete Strafe festgelegt, doch die EU-Kartellregeln erlauben Geldbußen von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens. Der Fall ist ein relativ seltenes Beispiel dafür, dass die Kommission gegen ein Pharmaunternehmen speziell wegen einer Herabwürdigungskampagne gegen ein Konkurrenzprodukt vorgeht – eine Vorgehensweise, die Brüssel nach eigenen Angaben künftig aktiver verfolgen will.


