
EU und Ukraine unterzeichnen Milliarden-Drohnenpakt – Kiew trifft 20 russische Tanker im Schwarzen Meer
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Präsident Wolodymyr Selenskyj haben in Kiew ein Rahmenabkommen zur gemeinsamen Drohnenproduktion unterzeichnet, das mit zunächst einer Milliarde Euro hinterlegt ist, während ukrainische Streitkräfte über Nacht 20 russische Schiffe getroffen haben sollen.
Ein wegweisendes Abkommen in Kiew
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reiste zu ihrem elften Besuch seit der russischen Vollinvasion im Februar 2022 nach Kiew und kam am 15. Juli 2026 mit dem Nachtzug an. Die Reise fiel auf den ukrainischen Staatlichkeitstag, einen 2021 eingeführten Nationalfeiertag. Bei einer Zeremonie auf dem Michaelplatz verlieh Präsident Wolodymyr Selenskyj von der Leyen den neu geschaffenen „Orden Europas“ – als erster Preisträgerin. Die Auszeichnung würdigte, was Selenskyj ihr außergewöhnliches Engagement für den EU-Beitritt der Ukraine nannte.
Ich bin dankbar für Ihre Unterstützung, Ursula.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Unterzeichnung einer verteidigungsindustriellen Partnerschaft mit Schwerpunkt auf Drohnen und Anti-Drohnen-Systemen – das erste Abkommen dieser Art auf EU-Ebene mit der Ukraine. Der Deal soll die kampferprobte Expertise der Ukraine mit europäischer Industriekapazität verbinden und Produktionsstandorte sichern.
Finanzkraft und Produktionsziele
Die Kommission gab zunächst eine Milliarde Euro für die Beschaffung und Produktion von Drohnen frei, Teil einer 5,9-Milliarden-Euro-Tranche innerhalb der EU-weiten 90-Milliarden-Euro-Kreditfazilität für die Ukraine. Weitere 3,9 Milliarden Euro waren bereits im Juni für denselben Zweck ausgezahlt worden. Von der Leyen bestätigte einen zusätzlichen Finanzierungsplan in Höhe von 10 Milliarden Euro für weitere Drohnen, Langstrecken-Marschflugkörper und Gripen-Kampfjets, so das ukrainische Portal Kyiv Independent.
Wir werden Drohnen schneller produzieren als je zuvor, damit die Ukraine bekommt, was sie jetzt dringend braucht. Und Europa baut Kapazitäten auf, die es in Zukunft möglicherweise benötigt.
Das Abkommen sieht erstmals vor, dass die Ukraine einen Teil ihrer Drohnenbestände auf europäischem Boden lagern darf, sicher vor russischen Raketenangriffen. Ein Auftakttreffen von 19 europäischen und ukrainischen Rüstungsherstellern ist für September in Brüssel geplant.
Gefechtserfahrung trifft auf industrielle Größe
Von der Leyen bezeichnete die ukrainischen Kenntnisse in Drohneneinsatz, Radar, Bodenstationen und Sensorsystemen als einzigartig. Europa, so sagte sie, verfüge über enorme technologische und industrielle Kapazitäten sowie sichere Produktionsstandorte. Die Partnerschaft definiert die Ukraine von einem Sicherheitsempfänger zu einem „Netto-Sicherheitsgeber“ für Europa um.
- Russland beginnt die Vollinvasion der Ukraine.
- EU zahlt 3,9 Milliarden Euro für Drohnenbeschaffung aus.
- Von der Leyen und Selenskyj unterzeichnen EU-Rahmen für Drohnenproduktion in Kiew.
- Erste Milliarde Euro für Drohnenkauf und -produktion freigegeben.
- Erstes Treffen von 19 europäischen und ukrainischen Rüstungsherstellern in Brüssel.
Das Abkommen hat auch strategisches Gewicht jenseits des Schlachtfelds. Laut N-tv sieht von der Leyen den Drohnenpakt als Hebel für Brüssel in künftigen Verhandlungen mit US-Präsident Donald Trump über Zölle und andere Streitfragen und bezeichnete die Ukraine als „Netto-Sicherheitsgeber für Europa“.
Gleichzeitige Angriffe auf die russische Schifffahrt
Während der diplomatischen Zeremonie gab der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf Telegram bekannt, dass in der Nacht zum 15. Juli 20 russische Schiffe im Schwarzen Meer getroffen worden seien. Die Bilanz umfasste 17 Öltanker, 2 Gastanker und 1 Schlepper. Die Operation setzte die ukrainische Kampagne gegen die russische maritime Logistik und Energieexporte fort.
- Öltanker
- 17 Schiffe
- Gastanker
- 2 Schiffe
- Schlepper
- 1 Schiffe
Breitere politische und militärische Koordination
Neben von der Leyen versammelten sich mehrere Staats- und Regierungschefs aus Südosteuropa in Kiew zum 5. Ukraine-Südosteuropa-Gipfel. Teilnehmer waren die Präsidenten Rumäniens, Moldaus, Albaniens und Serbiens sowie die Premierminister Kroatiens und Sloweniens. Außenminister vertraten Nordmazedonien und Montenegro. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sagte, die Agenda habe politische Annäherung sowie Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit umfasst.
Unterdessen signalisierte der EU-Rat eine vorläufige Einigung zur Verschärfung der Asylregeln für ukrainische Männer im wehrfähigen Alter. Nach der geplanten Änderung sollen nur noch diejenigen, die den Wehrdienst abgeleistet haben oder davon befreit sind, von vereinfachten Aufnahmeverfahren profitieren; andere müssten ein reguläres Asylverfahren mit deutlich geringeren Schutzaussichten durchlaufen.
An der militärischen Front verständigte sich die „Koalition der Willigen“ – eine Gruppe von rund 35 Ukraine-Verbündeten – bei einem Pariser Treffen früher in der Woche darauf, die ersten multinationalen Übungen in Polen abzuhalten. Deutsch-französische Konsultationen zu dem Manöver sind für Freitag angesetzt. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, Deutschland sei bereit, eine wichtige Rolle bei Sicherheitsgarantien nach einem Waffenstillstand zu spielen, wobei Art und Umfang seines Beitrags von der Bundesregierung und dem Bundestag entschieden würden.


