
EU schwächt Reform des Kohlenstoffmarktes ab: Langsamere CO2-Kürzungen, kostenlose Zertifikate an grüne Investitionen geknüpft
Die Europäische Kommission schlug am Freitag vor, die jährliche Reduzierung der CO2-Zertifikate ab 2031 zu verlangsamen, während kostenlose Zertifikate an überprüfte grüne Investitionen geknüpft und 100 Milliarden Euro für die industrielle Dekarbonisierung mobilisiert werden.
Details des Vorschlags
Die Europäische Kommission schlug am Freitag vor, das EU-Emissionshandelssystem (ETS) zu überarbeiten und das Tempo zu verlangsamen, mit dem die Obergrenze für CO2-Zertifikate jährlich sinkt. Nach den derzeitigen Regeln beträgt der lineare Reduktionsfaktor bis 2027 4.3% und ab 2028 4.4%. Der neue Plan würde ihn zwischen 2031 und 2035 auf 3.7% und ab 2036 bis 2040 auf 1.7% senken. Einem deutschen Bericht (N-tv) zufolge wird für den ersten Schritt ein leicht abweichender Wert von 3.1% genannt. Die Kommission argumentiert, dass die angepasste Entwicklung weiterhin mit dem rechtsverbindlichen Ziel vereinbar sei, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90% gegenüber 1990 zu senken und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.
- Derzeitiger linearer Reduktionsfaktor: 4.3% jährlich
- Faktor steigt auf 4.4% nach den derzeitigen Regeln
- Vorgeschlagene Reduzierung auf 3.7%
- Vorgeschlagene weitere Reduzierung auf 1.7%
Kostenlose Zertifikate und Investitionsbedingungen
Kostenlose Emissionszertifikate für die Industrie, die ursprünglich nach 2030 auslaufen sollten, würden fortgesetzt, jedoch unter strengeren Bedingungen. Unternehmen müssten überprüfte Dekarbonisierungspläne vorlegen und nachweisen, dass sie den Wert dieser Zertifikate in saubere Technologien innerhalb der EU reinvestieren. Sektoren, die unter den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) fallen, würden eine kostenlose Zuteilung bis 2038 erhalten. Der Vorschlag schafft außerdem eine Industrielle Dekarbonisierungsbank, die mit geplanten 100 Milliarden Euro ausgestattet ist, um energieintensiven Sektoren wie Stahl, Zement und Chemie den Umstieg von fossilen Brennstoffen zu erleichtern.
Politische Bruchlinien
Der Reform gingen monatelanger Druck der Mitgliedstaaten voraus. Zehn Länder unter der Führung Polens und Italiens drängten auf Entlastung und warnten davor, dass hohe Energiekosten und die Konkurrenz aus China und den USA die europäische Industrie gefährden. Sieben andere, darunter Spanien, Schweden und die Niederlande, warnten davor, Unternehmen zu bestrafen, die bereits in Emissionssenkungen investiert hatten. Spaniens Ministerin für den ökologischen Wandel, Sara Aagesen, sandte einen Brief, in dem sie die Kommission aufforderte, die derzeitige Reduktionsrate von 4.4% bis 2035 beizubehalten, um den Anlegern Sicherheit zu geben. Der Vorschlag geht nun an das Europäische Parlament und den Rat für Verhandlungen, ein Prozess, der voraussichtlich etwa ein Jahr dauern wird.
Reaktionen
EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra verteidigte den Plan.
Dieser Vorschlag steht voll und ganz im Einklang mit dem Klimagesetz.
Er räumte ein, dass das derzeitige System erhebliche Mängel aufweist, insbesondere, dass europäische Unternehmen nicht auf gleicher Augenhöhe konkurrieren. Die Vizepräsidentin für den sauberen Wandel, Teresa Ribera, betonte, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas auf sauberer Energie basieren werde, nicht auf importierten fossilen Brennstoffen. Linda Kalcher vom Brüsseler Think Tank Strategic Perspectives kritisierte den Vorschlag.
Der ETS-Vorschlag ist ein Trojanisches Pferd.
BASF-CEO und Cefic-Präsident Markus Kamieth warnte, dass Europa sich ein System nicht leisten könne, das die Vorreiter untergräbt.
Breiterer Anwendungsbereich und nächste Schritte
Über die Anpassung der Obergrenze hinaus würde die Reform den ETS auf kommunale Müllverbrennungsanlagen ausweiten und die Verpflichtungen auf Flüge bis zu 5.000 Kilometern und kleinere Schiffe ausdehnen. Ab 2036 könnten Unternehmen bis zu 2% ihrer Emissionen durch hochwertige internationale CO2-Zertifikate ausgleichen, sofern die Projekte von der Kommission überwacht werden. Separaterweise ist ein zweites Emissionshandelssystem (ETS2) für den Straßenverkehr und Heizstoffe bereits für 2028 geplant. Der ETS hat die Emissionen in den abgedeckten Sektoren seit seiner Einführung im Jahr 2005 um rund 50% gesenkt, wobei Deutschland einen Rückgang von 47% verzeichnete. Ein CO2-Zertifikat kostet derzeit etwa 79 Euro pro Tonne.


