
EU plant Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 und Kontobeschränkungen bis 15 Jahre
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte in Straßburg das kommende EU-Kids-Gesetz an, das ein dreistufiges Alterssystem einführt, das den Zugang zu Plattformen einschränkt und die Sicherheitsverantwortung auf Technologieunternehmen verlagert.
Dreistufiges Zugangsmodell
In ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union im Europäischen Parlament in Straßburg am 16. September 2026 skizzierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das EU-Kids-Gesetz. Die Verordnung führt ein gestaffeltes System in den 27 Mitgliedstaaten ein, um den Zugang von Jugendlichen zu sozialen Medien, Online-Spielen und Chatbots zu regulieren. Nach dem Plan sind Kinder unter 13 Jahren vollständig von sozialen Plattformen ausgeschlossen. Minderjährige zwischen 13 und 15 Jahren dürfen nur eingeschränkte Mini-Konten nutzen, die von den Eltern eingerichtet und beaufsichtigt werden. Für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren müssen die Plattformen verbindliche Sicherheitsstandards einführen, die süchtig machende Mechanismen einschränken.
Keine sozialen Medien vor dem 13. Lebensjahr. Kein persönliches Konto vor 15.
Gesetzgebungsweg und Altersverifikation
Der Gesetzesentwurf folgt monatelangen Vorbereitungen in Brüssel und baut auf Empfehlungen auf, die im Juli 2026 von einem Expertengremium für Kindersicherheit im Internet vorgelegt wurden. Während dieses Gremium eine einzige Altersgrenze von 13 Jahren vorschlug, entschied sich die Kommission für eine gestaffelte Struktur, inspiriert von nationalen Initiativen in Frankreich und Spanien. Zur Durchsetzung der Altersgrenzen plant die Europäische Union den Einsatz von Altersverifikationstools wie digitalen Identitätsbrieftaschen und einer speziellen Verifizierungsanwendung. Das System übermittelt den Plattformen nur eine Altersspanne, ohne das genaue Alter oder die Identität eines einzelnen Nutzers preiszugeben. Der formelle Gesetzesvorschlag geht am 17. September 2026 zur Prüfung an das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Union.
- Expertengremium legt Empfehlungen zur Online-Kindersicherheit der Europäischen Kommission vor
- Ursula von der Leyen kündigt das EU-Kids-Gesetz in der Rede zur Lage der Union an
- Die Europäische Kommission stellt den Gesetzesvorschlag formell in Straßburg vor
Pflichten der Technologieplattformen
Der vorgeschlagene Rahmen verlagert die Beweislast auf die Plattformbetreiber und verlangt von Technologieunternehmen, dass sie nachweisen, dass ihre Dienste für Minderjährige sicher sind. Digitale Unternehmen müssen die bestehenden Verpflichtungen des Gesetzes über digitale Dienste einhalten und gleichzeitig Schnittstellenelemente entfernen, die zu ununterbrochener Bildschirmzeit anregen. Europäische Jugendliche verbringen derzeit durchschnittlich vier bis sechs Stunden pro Tag mit digitalen Geräten. Die Europäische Kommission erklärte, dass Algorithmen junge Nutzer nicht mehr zu extremen Inhalten lenken dürfen, während Plattformen den Missbrauch von Fotos für KI-generierte sexualisierte Bilder verhindern müssen.
Wir müssen keine süchtig machenden Funktionen akzeptieren. Wir müssen nicht akzeptieren, dass Kinder in immer extremere Inhalte hineingezogen werden. Wir müssen nicht akzeptieren, dass die Fotos von Mädchen für KI-generierte sexualisierte Bilder verwendet werden.
Gesundheitsbedenken und internationale Reichweite
Die Kommission berief sich auf Gesundheitsforschung, die eine Verbindung zwischen langer Nutzung sozialer Medien und Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten und Essstörungen bei Jugendlichen herstellt. In ihrer Rede verwies von der Leyen auf den Selbstmord eines 14-jährigen Mädchens namens Olea in Belgien nach schwerem Cybermobbing. Die Rede befasste sich auch mit weiteren internationalen Beziehungen und stellte fest, dass Kanada der erste assoziierte Mitgliedstaat der Europäischen Union werden könnte. Darüber hinaus kündigte die Exekutive ein Klimaversicherungsbündnis an, um Lücken zu schließen, in denen private Versicherungen nur 25 % der Kosten von Extremwetterkatastrophen in Europa abdecken.


