Migration · Brüssel und Paris
EU-Migrationspakt tritt in Kraft: Pflicht-Screening an den Außengrenzen und beschleunigte Asylverfahren
Zwei Jahre nach seiner Verabschiedung tritt die umfassende Reform des EU-Asyl- und Migrationsrechts am 12. Juni 2026 in Kraft: Fingerabdrücke ab sechs Jahren, schnelle Grenzverfahren und ein verbindlicher Verteilungsmechanismus.
KI-Text auf Grundlage von Berichten von RFI, vrtnws.be, Franceinfo und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er
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Kurz gefasst
Alle Ankommenden werden innerhalb von sieben Tagen identifiziert, erkennungsdienstlich behandelt und sicherheitsüberprüft; das Mindestalter für Fingerabdrücke sinkt von 14 auf sechs Jahre.
Asylbewerber aus Ländern mit einer Schutzquote unter 20 % werden innerhalb von 12 Wochen an der Grenze bearbeitet, bei Ablehnung erfolgt eine schnelle Rückführung.
Bis Ende 2026 sollen 21.000 Asylbewerber auf die Mitgliedstaaten umverteilt werden, andernfalls müssen die Staaten 20.000 Euro pro abgelehnter Person zahlen.
Die Europaabgeordnete Birgit Sippel erklärte am 11. Juni, dass kein Land in allen Punkten vorbereitet sei; die Eurodac-Datenbank ist noch nicht vollständig.
Gewerkschafter des französischen Ofpra bemängeln eingeschränkten Zugang zu Anwälten und Dolmetschern, während NGOs eine weit verbreitete Inhaftierung während des Screenings befürchten.
- 10.04.Europäisches Parlament verabschiedet den Pakt; Mitgliedstaaten stimmen kurz darauf zu
- 12.06.Verordnungen treten in Kraft, eine zweijährige Übergangsfrist beginnt
- 12.06.Die meisten Bestimmungen werden in den 27 Mitgliedstaaten anwendbar
Ein Jahrzehnt in der Entstehung
Der Pakt hat seinen Ursprung in der Migrationskrise 2015–2016, als Tausende im Mittelmeer ertranken und Frontstaaten wie Griechenland und Italien allein mit der Bearbeitung von Asylanträgen überfordert waren. Nach mehreren gescheiterten Reformversuchen legte die Europäische Kommission 2020 ein Paket aus zehn Verordnungen und einer Richtlinie vor. Die Mitgesetzgeber erzielten im Dezember 2023 eine politische Einigung, das Europäische Parlament stimmte im Frühjahr 2024 zu, und die Texte traten im Juni 2024 in Kraft. Eine zweijährige Übergangsfrist gab den Mitgliedstaaten Zeit zur Vorbereitung; die meisten Bestimmungen gelten nun ab dem 12. Juni 2026.
„Dieser Pakt ist streng, aber fair.“
Screening und Datenerfassung an der Grenze
Jede Person, die an den EU-Außengrenzen ankommt, einschließlich der auf See Geretteten, wird einem obligatorischen Screening unterzogen, das bis zu sieben Tage dauern kann. Fingerabdrücke, Gesichtsbilder und Ausweisdokumente werden in der modernisierten Eurodac-Datenbank gespeichert, auch wenn das System noch nicht vollständig betriebsbereit ist. Das Mindestalter für die Abnahme von Fingerabdrücken sinkt von 14 auf sechs Jahre. Die Behörden dürfen bei Verweigerung Zwang anwenden, und die Inhaftierung während des Screenings wird nach Einschätzung von NGOs und Gewerkschaftsvertretern voraussichtlich häufiger vorkommen.
„Kein Mitgliedstaat ist in allen Punkten bereit.“
Beschleunigte Grenzverfahren
Asylbewerber aus Ländern, deren durchschnittliche internationale Schutzquote unter 20 Prozent liegt, werden einem beschleunigten Verfahren an der Grenze unterzogen, bevor sie formell in das Hoheitsgebiet einreisen. Die Liste umfasst Staatsangehörige aus Pakistan, Iran, Russland, Türkei, Venezuela, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Tunesien und Bangladesch. In Belgien schätzt der Generalkommissar für Flüchtlinge, dass rund 40 Prozent der aktuellen Fälle unter diese Kategorie fallen würden. Das beschleunigte Verfahren muss innerhalb von 12 Wochen abgeschlossen sein; abgelehnte Antragsteller müssen innerhalb weiterer 12 Wochen ausreisen. Für Syrer und Afghanen, deren Schutzquoten weit über der 20-Prozent-Schwelle liegen, gilt das normale Asylverfahren.
Solidaritätsmechanismus und Umverteilung
Zur Entlastung der Frontstaaten führt der Pakt einen dauerhaften, verbindlichen Solidaritätsmechanismus ein. Bis Ende 2026 sollen 21.000 Asylbewerber aus Italien, Griechenland, Spanien und anderen Einreisestaaten auf die 27 Mitgliedstaaten umverteilt werden. Länder, die sich weigern, Personen aufzunehmen, müssen 20.000 Euro pro Person in einen Solidaritätsfonds zahlen. Die Verpflichtung ist als vorhersehbar und durchsetzbar konzipiert, auch wenn frühere EU-Umverteilungszusagen oft nicht eingehalten wurden.
Umsetzungslücken und Kritik
Mehrere Länder sind nicht vollständig vorbereitet. Das französische Flüchtlingsamt Ofpra warnt vor rechtlicher Unsicherheit im Zusammenhang mit dem neuen Grenzverfahren: Inhaftierte Antragsteller könnten den Zugang zu Anwälten und Dolmetschern verlieren, und selbst die Unterbringung in Aufnahmezentren ist mit einer Aufenthaltspflicht verbunden, die CGT-Gewerkschaftsvertreter als Freiheitsentzug bezeichnen. NGOs befürchten, dass die meisten Migranten, einschließlich Kinder, während der gesamten Screening-Phase inhaftiert werden. Eine separate Reform der Rückführungsregeln, die das umstrittene Konzept der „Rückführungszentren“ vorsieht, hat bisher nur eine vorläufige Einigung erzielt und tritt am 12. Juni nicht in Kraft.
Fragen zu diesem Text
Quellen und Kontext
- RFIPacte européen asile et immigration: les conséquences en France
- vrtnws.beUne grande partie du Pacte de l'Union européenne sur la migration et l'asile entre en vigueur ce vendredi | VRT NWS: le site d'information de référence
- FranceinfoObligations accrues pour les demandeurs d'asile, procédures accélérées, solidarité entre pays : avec le Pacte européen sur la Migration et l'Asile, l'UE durcit sa politique d'accueil
- Deutsche WelleL'UE durcit son droit d'asile pour freiner les arrivées
- Magnus Brunner
- EU-Kommissar für Migration
- Ursula von der Leyen
- Präsidentin der Europäischen Kommission
- Tomas Tobé
- EVP-Berichterstatter für Asyl und Migration
- Juan Fernando López Aguilar
- S&D-Berichterstatter für die Krisenverordnung
- Birgit Sippel
- Deutsche EU-Abgeordnete und S&D-Schattenberichterstatterin
- Alessandro Cirian
- EU-Abgeordneter der Fratelli d'Italia (Melonis Partei), beteiligt an der Liste sicherer Herkunftsländer
- Gaia Romeo
- Asylpolitik-Expertin an der Vrije Universiteit Brussel (VUB)
- Alexander Dobrindt
- Deutscher Innenminister
- Camille Le Coz
- Analystin des Migration Policy Institute Europe
- Julie
- CGT-Gewerkschaftsvertreterin bei Ofpra
- Astrid
- CGT-Gewerkschaftsvertreterin bei Ofpra
- Orte
- Brüssel
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