
EU startet größte Asylreform seit Jahrzehnten – neue Regeln treten in Kraft
Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) ist um Mitternacht in Kraft getreten und führt Screening-Verfahren, einen Solidaritätsmechanismus und eine neue Grenzeinrichtung am Flughafen Berlin ein.
Was die Reform ändert
Die neuen EU-Asylregeln – der größte Umbau seit Jahrzehnten – traten am 12. Juni 2026 um Mitternacht in Kraft. Erstmals werden Migranten vor ihrem Eintritt in die EU an den Außengrenzen überprüft. Wer wenig Aussicht auf Schutz hat, wird in geschlossenen Zentren untergebracht und innerhalb von 12 Wochen abgearbeitet. Ziel ist es, Abschiebungen zu beschleunigen und Sekundärmigration zu unterbinden, bei der Asylbewerber aus Frontstaaten wie Griechenland oder Italien in Länder wie Deutschland weiterreisen.
Die Mitgliedstaaten sind auf einem sehr guten Weg. Wird am ersten Tag alles zu 100 Prozent perfekt funktionieren? Nein, natürlich nicht. Die letzten Meter sind immer die schwersten. Aber die Migrationszahlen geben uns bereits recht.
Screening an der Grenze
Ein wichtiger praktischer Schritt: Ein neues Screening-Zentrum am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) öffnet heute. Es wird prüfen, ob Antragsteller eine Gefahr für die nationale Sicherheit oder die öffentliche Ordnung darstellen, und Identitäten überprüfen, um Versuche von Staatsangehörigen von Ländern mit niedrigen Anerkennungsquoten zu entlarven, ihre Herkunft zu verschleiern. Alle irregulären Ankömmlinge werden nun einheitlichen Sicherheits- und Gesundheitschecks unterzogen; biometrische Daten werden in der zentralen Eurodac-Datenbank gespeichert – einsehbar für alle 27 Mitgliedstaaten.
Lastenteilung
Ein neuer Solidaritätsmechanismus verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Frontstaaten durch Finanzbeiträge, Sachleistungen oder die Aufnahme von Asylbewerbern zu entlasten. Der Pakt sieht eine Kapazität von 30.000 Plätzen für beschleunigte Verfahren an den Außengrenzen vor. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sagte, die Reform „stärkt das Vertrauen zwischen den Mitgliedstaaten und gibt Europa mehr Kontrolle.”
Deutschland und Frankreich in diesem Jahr befreit
Deutschland muss in diesem Jahr nicht in den Solidaritätstopf einzahlen. Die vielen Asylanträge, für die ursprünglich andere Länder zuständig waren, wurden Berlin aufgrund abgelaufener Rücküberstellungsfristen, die Deutschland zur Zuständigkeit zwangen, gutgeschrieben. Gleiches gilt für Frankreich.
Fallende Zahlen und politische Erleichterung
Die irregulären Grenzübertritte gingen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf 39.000 zurück, so Frontex-Daten, die von der ARD zitiert werden. Auch die Asylanträge fielen auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren, insbesondere in Deutschland. Der Abwärtstrend, kombiniert mit dem neuen Pakt, könnte eine jahrzehntelange Konfliktquelle entschärfen, die rechtspopulistische Kräfte gestärkt und die Union belastet hat.

