13 Ertrinkungsfälle im Juni in Baden-Württemberg: höchster Stand seit 25 Jahren; über 90 % der Opfer männlich
Im Juni ertranken 13 Menschen in Baden-Württemberg – die höchste Zahl für diesen Monat seit 25 Jahren. Bundesweit starben 99 Menschen, wobei Männer über 90 % der Opfer ausmachten.
Anstieg der Ertrinkungsfälle im Juni
In Baden-Württemberg ertranken im Juni 2026 13 Menschen – die höchste Zahl für einen Juni seit 25 Jahren. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verzeichnete bundesweit im selben Monat 99 Ertrinkungsfälle. Im vergangenen Juni ertranken sieben Menschen im Land, weniger als die Hälfte der diesjährigen Zahl. Im gesamten Jahr 2025 ertranken 43 Menschen im Südwesten. Die bundesweite Zahl für diesen Juni ist die höchste für den Monat seit 2003, einem Jahr, das der Deutsche Wetterdienst später als „Jahrhundertsommer“ bezeichnete. Das Bundesland belegte bei den Ertrinkungsfällen im Juni deutschlandweit den dritten Platz, hinter Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Der tragische Beginn der Badesaison gibt Anlass zur Sorge, dass bei weiteren Hitzewellen im Hochsommer noch mehr Menschen im Wasser ihr Leben verlieren könnten.
- Juni 2025
- 7
- Juni 2026
- 13
Männer überproportional betroffen
Die überwiegende Mehrheit der Opfer war männlich. Bundesweit waren über 90 Prozent der Ertrinkungsopfer im Juni Männer, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. In Baden-Württemberg waren 11 der 13 Toten Männer. Die DLRG rief junge Männer dazu auf, ihre Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und riskantes Verhalten zu vermeiden. Der Psychologe Florian Stoeck vom Berufsverband Deutscher Psychologen führte die geschlechtsspezifische Diskrepanz teilweise auf die Tendenz von Männern zurück, ihre körperlichen Fähigkeiten zu überschätzen.
Männer neigen dazu, ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Kontrolle über potenziell gefährliche Situationen optimistischer einzuschätzen als andere.
Stoeck fügte hinzu, dass Männer häufiger alleine schwimmen und größere Risiken eingehen, sagte aber, dass kein einzelner Faktor die Häufung männlicher Ertrinkungsfälle erklären könne.
Wo die Ertrinkungsfälle geschahen
Die meisten tödlichen Unfälle im Südwesten ereigneten sich in Seen, mit acht Todesfällen. Drei Menschen starben in Flüssen und zwei in Schwimmbädern. Seen, oft ohne Badeaufsicht, erwiesen sich als besonders gefährlich. Die DLRG rief Schwimmer dazu auf, in ausgewiesenen Badebereichen zu bleiben und nicht in unbekannte Gewässer zu springen.
- Seen
- 8
- Flüsse
- 3
- Schwimmbäder
- 2
Beinahe-Unglück auf dem Neckar
In Heidelberg fingen der DLRG-Retter Alexander Walter und sein Team zwei junge Männer ab, die weit hinaus auf den Neckar schwammen und auf die Fahrrinne zusteuerten, die von großen Binnenschiffen genutzt wird. Walter erklärte ihnen später, wie gefährlich es sei, in die Fahrrinne zu schwimmen. Die Männer sagten, sie hätten nicht an das Risiko gedacht. Walter sagte deutschen Medien, dass sein Team an zehn heißen Tagen acht Wasserrettungseinsätze bewältigt habe, darunter Vermisstensuchen, Ertrinkungsfälle, Brückenspringer und eine Bergung einer Leiche. Am Tag des Interviews erwartete der Deutsche Wetterdienst Temperaturen bis zu 33 Grad Celsius in Heidelberg. Walters Kollegin Jennifer Brenner merkte an, dass Kinder immer genau beobachtet würden, aber auch ältere und unsichere Schwimmer erhielten Aufmerksamkeit.
Prävention und DLRG-Präsenz
Die DLRG, die weltweit größte Wasserrettungsorganisation, setzt in Baden-Württemberg 9.300 ehrenamtliche Rettungsschwimmer an 213 natürlichen Gewässern und 334 Schwimmbädern ein. Der Verband nennt mangelnde Schwimmfähigkeit, Überschätzung der eigenen Kräfte, Sprünge in flaches oder trübes Wasser sowie medizinische Notfälle als Hauptursachen für Badeunfälle. Auf den Neckarwiesen in Heidelberg behalten die Rettungsschwimmer ständig Kinder, ältere Menschen und alle, die unsicher im Wasser wirken, im Auge. Vogt appellierte besonders an junge Männer, ihre eigenen Grenzen zu erkennen.


