
Tötung von Pavianen im Nürnberger Zoo: Fast 800 Strafanzeigen und laufende Ermittlungen ein Jahr nach der Tötung von 12 Guinea-Pavianen
Am 29. Juli 2025 wurden im Nürnberger Zoo zwölf Guinea-Paviane wegen Überbelegung getötet. Seitdem wurden fast 800 Strafanzeigen eingereicht, und die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin, ob Zooverantwortliche gegen das deutsche Tierschutzgesetz verstoßen haben.
Vom Artenschutz zur Überbelegung
Guinea-Paviane leben seit 1942 im Nürnberger Zoo und sind Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), das darauf abzielt, Reservepopulationen bedrohter Arten für eine mögliche Wiederansiedlung zu erhalten. In der Vergangenheit transferierte der Zoo Paviane an andere Einrichtungen in Frankreich, China und Spanien, aber zuletzt wurden potenzielle Aufnahmezoos geprüft und letztlich abgelehnt. Das Pavian-Gehege ist für etwa 25 erwachsene Tiere plus Nachwuchs ausgelegt. Bis Juli 2025 war die Gruppe auf 43 Individuen angewachsen, weit über die vorgesehene Kapazität hinaus.
- Guinea-Paviane erstmals im Nürnberger Zoo untergebracht
- Zwölf Paviane aufgrund von Überbelegung getötet, was Proteste und rechtliche Prüfung auslöste
- Fast 800 Strafanzeigen eingereicht; Ermittlungen laufen; Gruppe bleibt über Gehegekapazität
Die Tötung am 29. Juli und ihre unmittelbaren Folgen
Am 29. Juli 2025 tötete der Zoo zwölf Paviane mit der Begründung, dass es keine humane Alternative mehr gebe. Eine Umsiedlung oder Auswilderung sei nicht möglich gewesen, und Verhütung habe die Geburtenrate nicht senken können. Die Entscheidung löste wochenlange Proteste aus: Tierschutzaktivisten ketteten sich an das Pavian-Gehege, betraten das geschlossene Zoogelände und errichteten ein Protestcamp. Hasskommentare und Todesdrohungen gegen Zoodienstkräfte erschienen in den sozialen Medien.
Weder eine Umsiedlung noch eine Freilassung war möglich, und die Verhütung hatte nicht den gewünschten Effekt.
Rechtliche und ethische Dimension
Ein Jahr später bleibt die grundlegende Frage ungelöst. Tierschutzorganisationen argumentieren, dass die Tötung gesunder Paviane gegen das deutsche Tierschutzgesetz verstoße, das die Tötung eines Tieres ohne vernünftigen Grund verbietet. Der Zoo beruft sich auf dasselbe Gesetz und argumentiert, dass die Überbelegung eine tierschutzgerechte Haltung unmöglich gemacht habe. Fast 800 Strafanzeigen wurden bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth eingereicht. Sprecherin Heike Klotzbücher sagte: "Die Ermittlungen dauern unverändert an."
Pro Wildlife, die eine der Anzeigen eingereicht hat, betont die übergeordnete Bedeutung des Falls. Die Verfahren in Nürnberg könnten einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie Zoos mit überschüssigen Tieren umgehen, die unter Erhaltungszuchtprogrammen geboren wurden.
Es geht um die ethische Frage unseres Tierschutzes – ob er untergraben wird oder nicht.
Überbelegung hält an, aber keine sofortigen Maßnahmen geplant
Heute bewohnen 31 Paviane das Gehege, immer noch über der Auslegungsschwelle. Der Zoo sagt jedoch, die Sozialstruktur sei intakt und derzeit seien keine dringenden Maßnahmen erforderlich. Ein Sprecher sagte: 'Wir versuchen ständig, Guinea-Paviane in geeignete Einrichtungen zu vermitteln, um eine Überpopulation zu verhindern.' Sollte eine Vermittlung erneut unmöglich sein, wären künftige Tötungen einzelner Tiere notwendig.
- Ausgelegte Kapazität
- 25 Paviane
- Gruppengröße Juli 2025
- 43 Paviane
- Aktuelle Gruppengröße
- 31 Paviane

