
Schweiz klagt ehemaligen Sicherheitsdelegierten an – 16 Angeklagte im Crans-Montana-Brand
Die Walliser Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen kommunalen Sicherheitsdelegierten Thibault Beytrison wegen unterlassener Inspektionen in der Bar Le Constellation angeklagt, wo bei einem Neujahrsbrand 41 Menschen ums Leben kamen und 115 verletzt wurden.
Ausweitung der Verdächtigenliste
Die strafrechtlichen Ermittlungen zum Neujahrsbrand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana haben sich auf eine sechzehnte beschuldigte Person ausgeweitet. Die Walliser Staatsanwaltschaft hat Thibault Beytrison formell unter Untersuchung gestellt und ihn damit zum siebten politischen Amtsträger, der in dem Verfahren angeklagt ist. Beytrison trug von 2017 bis 2020 die politische Verantwortung für die öffentliche Sicherheit in der Schweizer Alpengemeinde. Vor seinem gewählten Mandat war er von 2008 bis 2014 Leiter der Feuer- und Rettungswache Crans-Montana. Die Staatsanwaltschaft in Sitten hat seine formelle Vernehmung für den 29. September 2026 angesetzt. Beytrison wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vorgeworfen.
Kommunale Aufsichts- und Inspektionsversäumnisse
Die Ermittler konzentrieren sich auf administrative Versäumnisse in der kommunalen Aufsicht und das langjährige Fehlen erforderlicher Sicherheitskontrollen in der Lokalität. Die Gemeindebehörden räumten nach der Katastrophe ein, dass seit 2019 keine Brand- oder Gebäudesicherheitsinspektionen in Le Constellation stattgefunden hatten. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob den örtlichen Behörden das Personal und die materiellen Ressourcen fehlten, um die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitskontrollen in öffentlichen Einrichtungen durchzuführen. Die Liste der Angeklagten umfasst nun sieben aktuelle oder ehemalige Gemeindepolitiker, sieben aktuelle oder ehemalige Gemeindemitarbeiter und die beiden Betreiber der Lokalität. Neben Beytrison gehören zu den untersuchten politischen Persönlichkeiten der Crans-Montana-Bürgermeister Nicolas Féraud und zwei ehemalige Sicherheitsdelegierte, Kevin Barras und Patrick Clivaz. Die ehemalige Baugemeinderätin Rose-Marie Clavien, die von 2017 bis 2024 für kommunale Bauangelegenheiten zuständig war, wurde ebenfalls von der Polizei als Auskunftsperson zur Befragung vorgeladen.
- Aktuelle oder ehemalige Gemeindepolitiker
- 7 Angeklagte
- Aktuelle oder ehemalige Gemeindemitarbeiter
- 7 Angeklagte
- Barbetreiber
- 2 Angeklagte
Konfrontationsvernehmungen und Verfahrenskalender
Die Walliser Staatsanwaltschaft hat eine Reihe von Anhörungen bis Ende 2026 angesetzt, um Schlüsselfiguren des Falles zu befragen. Die französischen Mitinhaber der Bar, Jacques Moretti und Jessica Moretti, werden am 26. Oktober und 2. Dezember 2026 zu gemeinsamen Kreuzverhören vor der Staatsanwaltschaft erscheinen. Das Paar war bereits am 5. Juni 2026 gleichzeitig von der Ermittlungsgruppe befragt worden, woraufhin die Staatsanwaltschaft eine zusätzliche Anklage wegen Urkundenfälschung gegen Jessica Moretti erhob. Darüber hinaus ist Jean-Claude Savoy, der ehemalige Bürgermeister der fusionierten Gemeinde Chermignon, für den 20. Oktober 2026 zur Befragung vorgesehen. Romain Jordan, ein Anwalt, der die Zivilparteien vertritt, äußerte sich zur Bedeutung der bevorstehenden Sitzungen vor der Staatsanwaltschaft.
Diese Anhörungen sind wesentlich und werden es den Anwälten der Zivilparteien ermöglichen, ihre Fragen zu stellen. Die Opfer brauchen Antworten.
Ursprung und Bilanz des Neujahrsbrandes
Der Brand brach während der Neujahrsfeierlichkeiten in der Bar Le Constellation aus und tötete 41 Menschen und verletzte 115 weitere. Die meisten Opfer waren Jugendliche und junge Erwachsene, darunter ausländische Staatsangehörige aus Italien und Frankreich. Vorläufige Ermittlungsergebnisse deuten darauf hin, dass Funken von Feierlichkeitsfontänenkerzen Akustikschaumstoff entzündeten, der an der Decke des Kellerraums angebracht war. Die gerichtlichen Ermittlungen in Sitten werden fortgesetzt, obwohl einer der drei hauptamtlichen Untersuchungsrichter zurückgetreten ist, der das Amt Ende des Jahres verlässt. Nach der Schweizer Strafprozessordnung finden Ermittlungsvernehmungen in Anwesenheit der Verteidigung statt, die während der Sitzungen direkt Fragen stellen kann.
- Jacques und Jessica Moretti gleichzeitig von der Staatsanwaltschaft befragt
- Thibault Beytrison von der Staatsanwaltschaft in Sitten befragt
- Ehemaliger Bürgermeister von Chermignon Jean-Claude Savoy befragt
- Erste Kreuzvernehmung für Jacques und Jessica Moretti
- Zweite Kreuzvernehmung für Jacques und Jessica Moretti


