
Italienische Ermittler decken Beweise für vorsätzliche Rizin-Morde in Pietracatella auf
Ermittler in Campobasso berichten von konkreten Beweisen für einen vorsätzlichen Doppelmord, nachdem Berliner Forscher Rizin-Anomalien in Lebensmitteln aus dem Haus der Familie Di Vita festgestellt haben.
Wissenschaftliche Tests decken Toxin-Anomalien auf
Ermittler in Campobasso haben konkrete Beweise gesammelt, die auf einen vorsätzlichen Doppelmord an Antonella Di Ielsi und ihrer Tochter Sara Di Vita hindeuten. Die 50-jährige Mutter und ihre 15-jährige Tochter starben Ende Dezember im Cardarelli-Krankenhaus, nachdem sie in ihrem Haus in Pietracatella Rizin eingenommen hatten. Sara starb am 27. Dezember in einem Zustand schwerer Delirium, während Antonella am 28. Dezember starb, nachdem sie die Fähigkeit verloren hatte, klar zu sprechen. Während der Fall zunächst als versehentliche Lebensmittelvergiftung eröffnet wurde, identifizierten toxikologische Tests im März von Carlo Locatelli am Maugeri-Giftnotrufzentrum in Pavia Rizin im Blut der Opfer. Vorläufige Ergebnisse des Robert-Koch-Instituts in Berlin deuten nun auf Anomalien und Spuren der tödlichen Substanz in 70 Lebensmitteln hin, die aus dem Haus der Familie Di Vita beschlagnahmt wurden.
Laboranalyse und Tests der Familie
Ein spezialisiertes Wissenschaftsteam in Berlin unter der Leitung von Christian Herzog bereitet die endgültige forensische Bewertung für die Staatsanwaltschaft von Larino vor. Deutsche Biosicherheitsforscher untersuchten die beschlagnahmten Lebensmittel zusammen mit 131 Umweltproben, die im Juli bei einer forensischen Durchsuchung des Hauses in Pietracatella entnommen wurden. Ihre Tests schlossen das Vorhandensein von Rizin-Antikörpern im Blut der überlebenden Angehörigen, Ehemann Gianni Di Vita und seiner 18-jährigen Tochter Alice, aus und bestätigten, dass keiner eine Immunantwort auf die Substanz entwickelt hatte. Der abgeschlossene Laborbericht soll bis Ende September den italienischen Behörden vorgelegt werden, wenn eine 90-tägige Verfahrensfrist endet.
- Antonella Di Ielsi und Sara Di Vita werden krank und erhalten intravenöse Behandlung vor der Krankenhauseinweisung
- Die 15-jährige Sara Di Vita stirbt im Cardarelli-Krankenhaus
- Die 50-jährige Antonella Di Ielsi stirbt im Cardarelli-Krankenhaus
- Giftnotrufzentrum Pavia entdeckt Rizin in Blutproben und leitet Mordermittlungen ein
- Ermittler sammeln 131 forensische Proben aus dem Familienhaus
- Polizei in Campobasso befragt den Krankenpfleger erneut, der die Erstversorgung durchführte
Verteidigung widerspricht Mordtheorie
Gianni Di Vitas Verteidiger, Vittorino Facciolla, betonte, dass eine versehentliche Exposition eine plausible Erklärung bleibe, die die Ermittler nicht verwerfen dürften, bevor die endgültigen Laborergebnisse vorliegen. Facciolla wies darauf hin, dass der Mediziner Carlo Locatelli zuvor festgestellt habe, dass sieben frühere dokumentierte Vergiftungsfälle in Italien auf versehentlichen Konsum zurückgingen.
Ich glaube, die Hypothese eines Unfalls muss wie alle anderen Hypothesen auf diesem Gebiet bewertet werden, ohne sie auszuschließen.
Die Verteidigung erklärte, dass der Abgleich der Analyse der Haushaltslebensmittel mit den 131 im Juli gesammelten Proben das genaue Vehikel, das das Gift zu den Opfern brachte, bestätigen oder ausschließen werde.
Umfangreiche Zeugenanhörungen und Krankenhausüberprüfung
Die mobile Polizeieinheit in Campobasso hat rund 200 Zeugenbefragungen durchgeführt, um persönliche Beziehungen und Motive zu untersuchen. Am 16. September befragten die Ermittler erneut Giampiero Mastrogiorgio, einen Familienfreund und Krankenpfleger, der den Opfern am 26. Dezember vor der Krankenhauseinweisung intravenöse Infusionen verabreicht hatte. Die Befragung konzentrierte sich auch auf Verwandte und Bekannte, darunter Giannis Cousine Laura Di Vita, die zu ihrer sechsten Anhörung geladen war, seine Cousine Loredana, eine Landwirtschaftslehrerin namens Monia aus Riccia, und Maria Antonietta, stellvertretende Schulleiterin an Alices Gymnasium und Ehefrau von Mastrogiorgio. Forensische Spezialisten des Zentralen Einsatzdienstes übergaben den Anwaltsteams digitale Kopien der beschlagnahmten Telefone, wobei der Schwerpunkt auf Nachrichten lag, die zwischen den beiden Familien ausgetauscht wurden. Staatsanwältin Elvira Antonelli leitet derzeit drei damit zusammenhängende Ermittlungsakten: die Untersuchung des schweren Doppelmordes, ein Totschlagsverfahren gegen fünf Ärzte des Cardarelli-Krankenhauses, die die Frauen behandelt hatten, und eine Anklage wegen Beihilfe gegen eine Freundin von Antonella Di Ielsi, die Informationen über Scheidungsgespräche aus dem Jahr 2019 zurückgehalten hatte.


