
Warschauer Polizei überprüft Dutzende Todesfälle von Senioren im Zusammenhang mit einem Klempner, dem sechs Morde vorgeworfen werden
Polnische Ermittler überprüfen Dutzende bereits abgeschlossene Sterbefälle, nachdem auf dem Handy eines 43-jährigen Klempners, der wegen sechs Raubmorden angeklagt ist, 75.000 Fotos von gestohlenem Eigentum entdeckt wurden.
Umstände der Festnahme
Polnische Sicherheitsbehörden nahmen den 43-jährigen Klempner Michał P. am 23. Februar 2025 im Warschauer Viertel Kabaty im Stadtbezirk Ursynów fest. Seine Festnahme erfolgte unmittelbar nach einem tödlichen Angriff auf eine 73-jährige Frau, die in einer Wohnung in der Wąwozowa-Straße lebte. Das Opfer hatte am späten Abend ihre Bank angerufen, um den PIN-Code ihrer Zahlungskarte zu ändern, die Verbindung nach Abschluss des Vorgangs jedoch nicht getrennt. Ein Bankangestellter blieb in der aktiven Leitung, hörte die Geräusche, wie die Frau erstickt wurde, und alarmierte umgehend die Notrufzentrale. Die am Gebäude eintreffenden Beamten entdeckten Michał P., der auf einem Balkon direkt unter der Wohnung des Opfers versuchte, sich der Festnahme zu entziehen. Chemische Tests nach der Festnahme bestätigten, dass der Verdächtige zum Zeitpunkt der Festnahme unter Drogeneinfluss stand.
- Michał P. wird auf einem Balkon in Ursynów festgenommen, nachdem ein aktiver Bankanruf eines Opfers die Rettungsleitstelle alarmiert.
- Die Staatsanwaltschaft klagt Michał P. wegen sechs Morden und eines tödlichen Raubes in Warschau an.
- Die Ermittler überprüfen Dutzende frühere Sterbefälle von Senioren, nachdem auf dem Handy des Verdächtigen 75.000 Fotos von Diebesgut gefunden wurden.
Vorgehensweise und Anklage
Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Warschau erhob Anklage gegen Michał P. wegen des Mordes an sechs älteren Frauen in den Bezirken Śródmieście, Ochota und Ursynów sowie wegen eines Raubes zum Nachteil einer siebten älteren Frau, die während des Angriffs starb. Zu den dokumentierten Tötungsdelikten gehört die Tötung zweier Schwestern in einer Wohnung in der Grzybowska-Straße. Die Ermittler stellten fest, dass der Verdächtige sein legitimes Klempnergewerbe nutzte, um allein lebende ältere Frauen ausfindig zu machen und wertvolle Gegenstände in deren Wohnungen auszukundschaften. Kunden gaben seine Kontaktdaten regelmäßig über persönliche Empfehlungen weiter, was es ihm ermöglichte, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen, bevor er unter harmlosen Vorwänden zurückkehrte. Nachdem sie sich Zutritt verschafft hatten, fesselten die Täter die Opfer, zwangen sie, Verstecke für Bargeld und Schmuck preiszugeben, und töteten sie durch gewaltsames Ersticken mit Kissen oder Plastiktüten, bevor sie die Wohnungen abschlossen.
- Michał P.
- 6 Anklagen
- Ihor H.
- 3 Anklagen
- Taras H.
- 1 Anklagen
Komplizen und ausgeweitete Ermittlungen
Die Behörden nahmen zudem zwei ukrainische Staatsangehörige fest, die sich wegen ihrer Beteiligung an den Angriffen zusammen mit Michał P. in Untersuchungshaft befinden. Die Staatsanwaltschaft klagte Ihor H. wegen der Beteiligung an drei Tötungsdelikten an, darunter der Doppelmord in der Grzybowska-Straße, während Taras H. wegen Beihilfe zu einem Mord und einem Raub, bei dem das Opfer starb, angeklagt ist. Die Ermittler stellten fest, dass Michał P. bei den Tötungsdelikten in der Franciszkańska- und der Wąwozowa-Straße allein handelte. Ein vierter Verdächtiger, identifiziert als Jarosław O., ist wegen Hehlerei mit Diebesgut aus den Wohnungen angeklagt. Die Ermittler erklärten, Michał P. habe die Raubüberfälle begangen, um Drogenkäufe und Glücksspiel an Spielautomaten zu finanzieren. Ein Beamter der spezialisierten Mordkommission schilderte, wie die nachlassende Vorsicht des Verdächtigen seine Festnahme ermöglichte.
Hätte die Enthemmung nicht eingesetzt, hätte er noch lange weiter töten können, doch er verlor seine Wachsamkeit.
Überprüfung früherer Sterbefälle
Eine eigens eingerichtete Sonderkommission prüft nun Dutzende verstorbene, allein lebende Senioren in Warschau, deren Tod zuvor als natürliche Todesursache bescheinigt worden war. Die umfassende Überprüfung begann, nachdem digitale Forensiker rund 75.000 Bilder von dem Mobiltelefon von Michał P. ausgelesen hatten, die gestohlenen Schmuck, Silberbesteck, Gemälde und Schallplatten zeigen, die keinem bekannten Fall zugeordnet werden können. Die Ermittler prüfen zudem Tatortberichte auf übersehene Hinweise wie im Winter offen gelassene Fenster, mit denen die Täter den Geruch der Verwesung hinauszögern wollten. Bei den ersten Tatortuntersuchungen wurde häufig auf Obduktionen verzichtet, wenn Senioren in Sesseln oder Betten starben, ohne dass es offensichtliche Anzeichen eines Kampfes gab. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass bislang keine förmliche Anklageschrift verfasst wurde, da die Identifizierung möglicher weiterer Opfer noch andauert.

